Unwetter am Mittwoch : Welche Auswirkungen der Starkregen in Bonn hatte

Bäche treten über die Ufer, und Unterführungen laufen voll. So muss die Stadt etwa die Durchfahrt am Propsthof sperren. Der Kulturgarten muss aufgrund des steigenden Rheinpegels Konzerte verlegen. Kritisch ist die Lage in Lessenich.

Es sprudelt aus Kanälen, Unterführungen laufen voll, gesperrte Straßen und Wasser in Kellern. Der heftige Dauerregen am Mittwoch richtet in Bonn jede Menge Schäden an.

Doch erst am Nachmittag spitzt sich die Unwetterlage in Bonn sichtlich zu. „Ab etwa 15 Uhr steigerten sich die Notrufzahlen signifikant, sodass in der Folge alle Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr Bonn in den Dienst gerufen wurden um Wasserschäden zu beseitigen. Die Einheiten der Berufsfeuerwehr werden für zeitkritische Einsätze auf den Wachen zurückgehalten“, schildert Feuerwehr-Sprecher Frank Frenser am frühen Abend die Situation. Tagsüber muss die Stadt dann unter anderem die Unterführung am Propsthof sperren, weil sie voll mit Wasser gelaufen ist. Bis in den Abend werden dort geparkte Autos auf trockenen Grund geschleppt. Auch ins Maximilian-Center am Hauptbahnhof dringt erneut Wasser ein, die Feuerwehr pumpt es ab. Die Deutsche Bahn muss schon am späten Nachmittag vor den Wassermassen kapitulieren: Seit etwa 17 Uhr geht zwischen Köln und Koblenz auf beiden Seiten des Rheins nichts mehr. Von Wasserschäden an Stellwerken und umgestürzten Bäumen ist zu hören. Auch manche Fußgängerunterführung in der Stadt ist da schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr passierbar.

Bäche werden zu reißenden Strömen

Zusehends kritisch wird die Lage im weiteren Verlauf des Abends an den Bonner Bächen. Der Rheindorfer Bach schwillt als reißender Strom über das Ufer – ein Szenario, das den Verantwortlichen bei der Stadt Respekt einflößt: „Kritisch wird es, wenn der Regen nicht über einen längeren Zeitraum verteilt niedergeht, sondern als urbane Sturzflut. Durchlässe und Verrohrungen drohen dann durch Treibgut zu verstopfen, und es kann zu Überflutungen kommen“, sagt Tiefbauamtsleiter Peter Esch. Schlimm ist die Situation für Bewohner mehrerer Häuser in Lessenich: Hier hat sich der Hardtbach nahe der Bahnhofstraße aufgestaut, in manchen Wohnungen steht knietief das Wasser. 

Mit Blick auf den Anstieg des Rheinpegels (siehe auch Seite 3) informiert die Stadt die Veranstalter des Kulturgartens am Mittwoch, dass wohl ab Donnerstag der Rhein am Leinpfad über die Ufer treten wird und damit der Zugang zum Konzertgelände nicht mehr möglich wäre. Veranstalter Sandro Heinemann sagt, er sei mit den Künstlern im Gespräch, die für die nächsten Tage angekündigt sind. Am Abend dann die Gewissheit: Alle Shows des Wochenendes werden auf Termine im August und September verschoben. Max Dornau von der Bonner Fähr- und Fahrgastschifffahrt teilt mit, dass sowohl die Fähre Rheinnixe als auch das Flussschiff Moby Dick vermutlich ab Donnerstag nicht mehr fahren werden. Am Universitätsklinikum tritt tagsüber die operative Krankenhauseinsatzleitung zusammen, eine Vorstufe des Krisenmanagements. 147 Alarmierungen meldet die Bonner Feuerwehr bis zum frühen Abend. „Es bleibt dabei, dass wir eine Fülle von Einsätzen haben. Auch aus dem Rhein-Sieg-Kreis erhalten wir Notrufe und unterstützen dort“, so Sprecher Frank Frenser um kurz nach 21 Uhr. Lebensbedrohliche Situationen habe es in Bonn am Mittwoch bis dahin zum Glück nicht gegeben. Kritisch bleibt die Lage an den Bächen, gerade in Bad Godesberg. Frank Frenser: „Das Auslösen der Sirenen ist vorbereitet.“