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Zwangspause in Zahlen: Streik der Lokführer

Zwangspause in Zahlen : Streik der Lokführer

Die Mitarbeiter eines Backshops am Bonner Hauptbahnhof rechnen pro Streiktag mit einem Umsatzrückgang von bis zu 65 Prozent. Bei 140 Laugenbrötchen zum Beispiel, die sie am Tag in aller Regel verkaufen, blieben somit etwa 90 Brötchen in der Theke liegen.

Bei rund 100 verkauften Kaffeebechern à 0,2 Liter macht das etwa 14 Liter Kaffee weniger, die ausgeschenkt werden. Gegenmaßnahme: Der Backshop schließt bei Streik schon um 18 Uhr anstatt wie gewohnt um 23 Uhr.

  • 16.000 Fahrgäste pendeln täglich in den Zügen auf der Siegstrecke zwischen Troisdorf und Siegen, nannte ein Bahnsprecher die durchschnittlichen Fahrgastzahlen an einem normalen Tag im Nahverkehr. Von den normalerweise rund 185 Regionalzügen, die in beide Richtungen über den Siegburger Bahnhof fahren, waren gestern indes deutlich weniger unterwegs: Pro Stunde fuhr lediglich je eine S 12 in jede Richtung.
  • 5000 Fernreisende passieren im Schnitt jeden Tag den Bahnhof Siegburg/Bonn. Normalerweise. Wie viele es an einem Streiktag sind, vermochte ein Bahnsprecher nicht genau zu sagen. Deutlich weniger wohl. Denn gestern sind von den sonst 67 ICE nur 21 Bahnen über Siegburg gefahren.
  • Mehr als 20 Prozent Umsatzeinbußen haben manche Taxiunternehmen wie Taxi Dieter Schulz in Siegburg an Streiktagen der GDL zu beklagen. In der Nacht könne es deutlich höher sein. Die Ruhezeiten seien länger, dafür die Fahrten häufig weiter. Bei anderen sei der Umsatz noch geringer.
  • Rund 6,2 Millionen Reisende hat die Deutsche Bahn täglich. Auf ihren Bahnstrecken beschäftigt sie rund 20.000 Lokführer. Laut eines Berichts der "Bild"-Zeitung, der aus internen Papieren der DB zitiert, sollen während des Streiks Anfang Mai 5300 Lokführer an dem einwöchigen Streik teilgenommen haben.
  • Gleich zwei Gewerkschaften stellen Forderungen an die Deutsche Bahn - zum einen die EVG, die 210.000 Mitglieder vertritt, zum anderen die GDL, die 34 000 Mitglieder zählt. Kernforderung der EVG ist eine Gehaltserhöhung um sechs Prozent und ein Mindestbetrag von 150 Euro pro Monat. Die GDL fordert neben fünf Prozent mehr Lohn vor allem eine Arbeitszeitverkürzung auf 38 Stunden, eine Überstundenbegrenzung sowie Verbesserungen bei den Ruhetagen, der Schichtfolge und der Anrechnung von Arbeitszeiten.
  • 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Stunden im Güterverkehr dauerte der bislang längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn, und das ist gerade einmal zwei Wochen her. Vom 4. bis zum 10. Mai legten die Lokführer die Arbeit nieder. Allerdings hat die GDL angekündigt, dass der aktuelle Ausstand voraussichtlich noch länger dauern werde.
  • Mindestens 100 Millionen Euro soll der letzte Streik die Bahn nach eigenen Angaben gekostet haben. Das Unternehmen beziffert den Schaden je Streiktag auf etwa zehn Millionen Euro. Die Kosten würden sich jedoch bei längeren Ausständen erhöhen.
  • Die Lokführergewerkschaft GDL bezahlt für den erneuten Streik täglich 100 Euro Streikgeld. Weil die GDL zum Beamtenbund (DBB) gehört, wird jeder Streikende mit bis zu 50 Euro durch den Dachverband bezuschusst. Allerdings hat die GDL für den aktuellen Streik bislang keinen Zuschuss beantragt. Bei 5300 Streikenden, die zum vorangegangenen Streik die Arbeit niederlegten, müsste die GDL demnach 530.000 Euro Streikgeld pro Streiktag bezahlen.
  • Wie gut die Streikkasse der Lokführergewerkschaft GDL gefüllt ist, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Die Mitglieder zahlen 0,65 Prozent ihres Einkommens als Beitrag ein. Das beträgt brutto und ohne Zulagen im Schnitt 3000 Euro. Davon fließen geschätzt 15 Prozent in die Streikkasse. Bei 34.000 Mitgliedern kommen im Jahr 1,2 Millionen Euro zusammen. Da die GDL zu den ältesten Gewerkschaften zählt, dürfte sie große Reserven angespart haben.
  • Derzeit sind nach Angaben von Claus Lenz von der Bonner Taxizentrale 327 Taxen in Bonn unterwegs. Insgesamt gibt es in Bonn bis zu 700 registrierte Taxifahrer, von denen viele laut Lenz allerdings nur sporadisch im Einsatz sind. Im Durchschnitt verzeichnet die Taxizentrale innerhalb von 24 Stunden rund 3500 Fahrten in Bonn. Lenz geht davon aus, dass an den Streiktagen der Deutschen Bahn etwa 30 Prozent weniger Fahrgäste in Bonner Taxen unterwegs sind.
  • Etwa die Hälfte der rund 200 Kunden, die am Tag bei der ReiseBank-Filiale im Bonner Hauptbahnhof ausländische Währungen kaufen, sind Bahnkunden, die anderen kommen mit anderen Verkehrsmitteln oder zu Fuß. Die Bahnkunden blieben bei einem Streik überwiegend weg, weiß eine Mitarbeiterin. Die Bankfiliale, eine Tochter der DZ Frankfurt, tauscht Währungen aus rund 50 Ländern. Sie hat werktags von 8 bis 19 und samstags von 9 bis 12 Uhr sowie von 12.30 bis 16.30 Uhr geöffnet.
  • Der Bonner Hauptbahnhof hat einem Bahnsprecher zufolge täglich 50.000 Fahrgäste. An Streiktagen sind es aller Erfahrung nach nur noch 12.000 Fahrgäste. Den Bahnhof passieren an normalen Tagen täglich 75 Fern- und 80 Nahverkehrszüge. Hinzu kommen die Güterzüge. Wie viele Personenzüge an Streiktagen ausfallen, lässt sich schwer kalkulieren.
  • Das Reisezentrum der DB wird täglich von rund 700 Kunden besucht. Aufgrund des hohen Beratungsbedarfs der Fahrgäste an Streiktagen rechnet die Bahn mit einem Zuwachs von mehr als zehn Prozent. In der Regel werden täglich 500 Fahrkarten im Reisezentrum verkauft. An Streiktagen zählt die Bahn 120 Stornierungen. Die Fahrkartenautomaten im Hauptbahnhof nutzen laut Bahnsprecher rund 55 Prozent der Kunden.
  • Obwohl an den Streiktagen deutlich weniger Züge unterwegs sind, verstärkt die Bahn das Personal auf den Bahnsteigen und im Reisezentrum aufgrund des Beratungsbedarfs. An normalen Tagen sind im Reisezentrum etwa 15 Mitarbeiter beschäftigt, an Streiktagen kommen zwei weitere dazu.
  • Die Bahn kann mit 250 ICE-, IC- und EC-Zügen während des Streiks nur rund ein Drittel des Normalverkehrs anbieten.
  • 13 Prozent teurer waren Mietwagen beim vergangenen Bahnstreik. An Bahnhöfen und in Großstädten stieg der Preis teils sogar um 100 Prozent. Auch die Preise für Fernbustickets schnellten nach oben.