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Marianne Pitzen und das Frauenmuseum: Streitbare Prinzessin

Marianne Pitzen und das Frauenmuseum : Streitbare Prinzessin

Marianne Pitzen radelt gerne durch Bonn - am Rhein entlang, an der Poppelsdorfer Allee, über den Münsterplatz. Sie radelt leidenschaftlich gerne, auch wenn das ihrer charakteristischen Frisur mit den seitlichen Haarschnecken nicht unbedingt gut tut.

Da kommt durch den Fahrtwind einiges in Unordnung, da wird zerzaust, was noch am Morgen kunstvoll drapiert wurde.

Doch das Radeln scheint Marianne Pitzen derzeit eher zu liegen, als sich permanent um das in existenzieller Not befindliche Frauenmuseum zu sorgen. Ihr Lebensprojekt, ihr Kind. Akkurat passend zur gegenwärtigen Diskussion über die Zukunft von Deutschlands erstem Frauenmuseum wird morgen Annelie Runges Filmporträt "The Princess and I" vorgestellt, eine liebevolle, poetische Hommage an Marianne Pitzen, ein Plädoyer für das Kunstbiotop Frauenmuseum und en passant ein hübsches Bonn-Porträt.

Annelie Runge hat keine Mühen gescheut, der Person Marianne Pitzen nahezukommen und das Geheimnis ihrer Institution zu lüften, deren Aura durch eine bizarre Mischung aus Kreativität und politischer Botschaft geprägt ist. Sie sei als Mädchen mit ihren Brüdern im Boot auf dem Rhein gefahren, erzählt sie mit dem Rücken zum Fluss und zum Posttower in die Kamera. "Ich war die Steuerfrau", sagt sie (wen wundert's?), "und wir sind regelmäßig untergegangen."

Aus diesem Strom bezieht Pitzen ihr Kunstpersonal: Rheintöchter, Aalfischerinnen, Klosterfrauen. Dass Frauen hingegen im Kunstbetrieb kaum vorkommen, diese Beobachtung hat die junge Malerin Pitzen früh gemacht. Sie hat diesen Frust politisch umgesetzt: durch Demos in Bonn und New York, durch Kunstaktionen auf der documenta und nicht zuletzt, als sie das Frauenmuseum gründete - eine Bühne für die Frauen.

Annelie Runge lässt viele Künstlerinnen zu Wort kommen, es gibt Reden, und es wird sogar gejodelt. Befragt hat sie auch Bundeskunsthallen-Intendant Rein Wolfs, der sich etwas ungeschickt aus der Affäre zieht, als er auf die zu geringe Repräsentanz von Künstlerinnen im offiziellen Kunstbetrieb angesprochen wird. Er sieht die Welt in einer "Phase des Postfeminismus", die neue Strategien erforderte. Als "schwuler Frauenrechtler" bricht Curt Delander eine Lanze für Pitzens Projekt.

Der SPD-Politiker Bernhard "Felix" von Grünberg, der in Bonn lebende Staatssekretär Bernd Neuendorf und Walter Smerling von der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur treten ebenfalls für das Frauenmuseum ein. Für Smerling ist die Institution sogar "ein kultureller Leuchtturm der Stadt". Er vermisst in der Stadt die "angemessene Begeisterung" für das Museum am Krausfeld.

Runges Blick zurück beginnt mit den ersten Landschaftsgemälden, Comics und "Utopischen Gesellschaften" von Marianne Pitzen, die noch nichts mit den späteren Pappmaschee-Matronen zu tun haben. Dann kommt historisches Filmmaterial: Die Hochzeit von Marianne und Horst Pitzen Anfang der 70er. Von 1975 gibt es eine Rarität: Marianne Pitzen mit offenem Haar. Ansonsten tritt sie mit ihrem Markenzeichen, den Haarschnecken, auf. "Sie ist eine keltische Prinzessin, sie hat sich dazu gemacht", sagt Annelie Runge in ihrer Dokumentation.

Mit einer "Männerverarbeitungsgruppe" starten Pitzen & Co ihren Feldzug für die Frauenemanzipation, enthüllen am Internationalen Frauentag die Bonner Beethoven-Statue mit Frauenkopf als "Denkmal der ersten Kanzlerin". Wenige Jahre später ist die Vision zur Realität geworden. Der Rest ist Geschichte. Die ist keineswegs trocken: In Runges kurzweiliger Doku wird viel gelacht.

Der Film "The Princess and I" wird am morgigen Samstag , 31. Januar, ab 17 Uhr im Kinosaal des Landesmuseums, Colmantstraße 14-16, gezeigt. Es sprechen Gabriele Uelsberg, Direktorin des Landesmuseums, und Walter Smerling von der "Stiftung für Kunst und Kultur".

Der Stand der Dinge

120.000 Euro pro Jahr erhält gegenwärtig das 1981 von Marianne Pitzen gegründete Frauenmuseum, das jährlich rund 30.000 Besucher zählt. Davon fließen 100.000 Euro als Mietkosten zurück an die Stadt, die Eigentümerin der Immobilie am Krausfeld ist. Die restlichen 20.000 Euro gehen für die Stromrechnung drauf.

Die Stadt Bonn will ab 2018 die Zuschüsse komplett streichen. Der Proteststurm von Bürgern, Verbänden, Künstlerinnengruppen und Politikern war unüberhörbar. Vor einer Woche wurde bekannt, das auch vom Land Kürzungen drohen. Die Große Koalition der Landschaftsversammlung reduzierte die Projekt-Zuschüsse für 2015 um 10.000 Euro und will die die Weiterförderung darüber hinaus ganz streichen.