Weniger Wohnheimplätze als zum Jahresbeginn Studentenbuden bleiben rar

BONN · "Casting" in der Südstadt-WG: Christian, Sarah und Vincent haben zum "Defilee" geladen, und fünf angehende Studenten werden in der nächsten Stunde vorbeikommen, um sich als Nachmieter für das leerstehende Zimmer zu bewerben.

"Wer am besten zu uns passt, der kann einziehen", sagt Christian. Zwar beginnen die Vorlesungen erst am 19. Oktober, doch binnen kürzester Zeit hatten sich mehr als 20 Interessenten auf die Anzeige beworben.

Wer nicht auf der Straße stehen will, mietet schon jetzt. Das bestätigt auch Immobilienkauffrau Nadine Jacob. "Je früher, desto besser", erklärt sie. "Wer sicher weiß, dass er in Bonn einen Platz bekommt, der sollte sich sofort um eine Unterkunft kümmern." Selbst wenn man schon vor Semesterbeginn dafür Miete zahlen muss.

Alle Jahre wieder: Zum Semesterstart ist die Wohnsituation für Studenten in Bonn überaus angespannt. Das Studierendenwerk verzeichnet wieder deutlich mehr Interessenten als freie Plätze. "Aktuell liegen uns rund 1400 Bewerbungen zum 1. September und 1. Oktober vor.

Wir gehen aber davon aus, dass die Zahlen noch deutlich steigen, da die Zulassungsbescheide der Universität Bonn derzeit noch verschickt werden", sagt Sprecher Robert Anders. Allerdings würden sich einige Interessenten innerhalb des Hochschulraums gleich bei verschiedenen Wohnunterkünften bewerben.

Und nicht nur die Wohnraum-Knappheit ist für viele Studenten in Bonn ein Problem - auch die hohen Mietpreise spielen ein Rolle. Rund um die Universität sind die Durchschnittsmieten in der Stadt besonders hoch, wie eine interaktive Karte des General-Anzeiger beweist. Dernach müssten Studenten für eine kleine Einzimmerwohnung in der Bonner Innenstadt mindestens 300 Euro Kaltmiete monatlich zahlen - wenn denn eine solche Wohnung gerade mal verfügbar ist.

Die Uni kennt die Probleme der Studenten bei der Wohnungssuche allzu gut. "Wir wissen, dass es einen fortgesetzt hohen Bedarf gibt, vor allem nach studentischen Wohnungen in Innenstadtlagen", sagt Uni-Sprecher Andreas Archut. Das Interesse, außerhalb der zentralen Viertel ein Zimmer zu finden, sei geringer.

"Auch Studierende der Fachhochschule wohnen, obwohl deren Standorte in Rheinbach und Sankt Augustin sind, lieber in bester Bonner Innenstadtlage, was den Wettbewerb auf dem studentischen Markt verschärft." Einen erheblichen Bedarf an Wohnungen gebe es zudem für internationale Gäste, die auf dem freien Wohnungsmarkt kaum Chance hätten.

Sicher ist schon jetzt, dass viele wieder leer ausgehen werden. "Zum Semesterstart werden wir etwa 500 bis 600 freie Plätze haben", rechnet Robert Anders. "Hinzu kommen bis zu 300 feste Reservierungen der Hochschulen, insbesondere für Studierende der Partner-Hochschulen im Ausland.

Das heißt, in der Summe werden wir etwa 900 Plätze an neue Studierende vergeben können." Bewerber, die eine Absage erhalten, werden sich dann auf dem freien Wohnungsmarkt umsehen müssen. "Es gibt immer wieder Vermieter, die ein Zimmer oder ein kleines Apartment für Studenten zur Verfügung stellen", weiß Nadine Jacob.

Aktuell verfügt das Studierendenwerk zum 1. Oktober über etwa 3600 Wohnheimplätze. Das ist weniger als zum Jahresbeginn, weil das Theodor-Litt-Haus am Erzbergerufer neben der Beethovenhalle zum Jahresende an die Stadt Bonn übergeben wird - es sollte eigentlich dem Festspielhaus weichen. Der Rat hat noch nicht entschieden, ob es nun wirklich abgerissen wird. Zwar werden derzeit zwei neue Häuser in Tannenbusch und in Castell gebaut, dort können aber erst nächstes Jahr die ersten Studenten einziehen. Mit der Fertigstellung stehen zusätzlich 282 Plätze zur Verfügung.

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