Von Minijob bis Berufseinstieg Studentenjob: Das müssen Studierende in Bonn wissen

Service | Bonn · Miete, Essen, Semesterbeitrag, Freizeit: Studieren heißt, auf eigenen Beinen stehen. Viele Studenten müssen dafür neben Vorlesungen auch jobben. Der GA gibt Tipps, wo sie in Bonn nach Jobs suchen können und was sie beachten müssen.

 Viele Studenten sind auf einen Minijob angewiesen. (Symbolbild)

Viele Studenten sind auf einen Minijob angewiesen. (Symbolbild)

Foto: picture alliance/CHROMORANGE / Christian Ohde

„Kellner, Postbote, Telefoninterviewer oder Nachhilfelehrer gesucht“: Wer im Stellenmarkt des Studierendenwerks Bonn stöbert, findet die unterschiedlichsten Ausschreibungen für einen Nebenverdienst während des Studiums. In Bonn wird man auf verschiedenen Portalen fündig. Der GA gibt einen Überblick, wo die Jobs zu finden sind und was es dabei zu beachten gilt.

Immer mehr Studentenjobs

Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, deren Ergebnisse auf eine Umfrage im Sommersemester 2021 zurückzuführen sind, hat ergeben, dass in Bonn 63,7 Prozent der Studierenden erwerbstätig sind. Bundesweit sind es mehr als zwei Drittel der Studierenden, die neben dem Studium arbeiten. Durchschnittlich arbeiten sie 15 Stunden in der Woche.

Alina Rudi-Syed, Sprecherin des Studierendenwerks Bonn, nimmt wahr, dass immer mehr Studierende auf Jobs angewiesen sind: „Die steigende Tendenz ebbt nicht ab, viele müssen neben dem Studium arbeiten, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können“, sagt sie. Aber auch die Nachfrage der Unternehmen nach studentischen Hilfskräften steigt an: „In den letzten Jahren ist die Wertschätzung gegenüber studentischen Mitarbeitenden gestiegen. Früher haben Unternehmen Studierende gerne als ‚billige Arbeitskraft‘ gesucht. Das ist kaum noch der Fall. Es werden Studierende aus gezielten Fachbereichen gesucht, die ihr Wissen aus dem Studium in das Unternehmen einbringen können - häufig auch mit Aussicht auf eine Festeinstellung nach dem Studium, da auch Absolventen händeringend gesucht werden und für einige Berufe kaum zu bekommen sind“, teilt die Deutsche Hochschulwerbung mit, die die Jobbörse des Studierendenwerks Bonn betreibt.

Wo kann man suchen? Welche Angebote gibt es?

Im Juli 2023 gab es im Stellenmarkt des Studierendenwerks Bonn knapp 300 Angebote. „Wegen der Semesterferien gibt es in dieser Zeit weniger Angebote. Zu den Hochphasen März bis Mai sowie September bis November (Semesterbeginn) gibt es durchschnittlich monatlich 580 Angebote in der Jobbörse des Studierendenwerks Bonn“, so die Deutsche Hochschulwerbung.

Das Angebot des Studierendenwerks findet man unter www.jobben.studierendenwerk-bonn.de/

In den Branchen Bildung, Erziehung und Soziales, Wissenschaft & Forschung, Öffentlicher Dienst & Verwaltung, Gemeinnützige Organisation, Medizin & Gesundheit, Gastronomie, Handel & Vertrieb und IT & Telekommunikation gibt es die meisten Angebote. Die Studierenden in Bonn können im Stellenmarkt nach Studierendenjobs, Absolventenstellen und Praktika suchen. Ebenso werden auch kurzfristige Jobs von Privatmenschen angeboten.

Neben den gängigen Online-Jobvermittlungs-Seiten gibt es weitere Anlaufstellen in Bonn:

Die Bundesagentur für Arbeit Bonn, so Pressesprecher Michael Knipprath, vermittelt zwar keine expliziten Studentenjobs, dafür führt sie in ihrer Jobbörse aber Minijobs auf. „Aktuell sind in der Jobbörse im Umkreis von 10 km um Bonn 117 Minijobs eingestellt. Vor allem in den Bereichen Verkauf, Reinigung und Gastro“, berichtet Knipprath. Zudem kann man über die Jobsuche mit dem Filter „Praktikum/Trainee“ nach größtenteils bezahlten Praktika suchen. Hier finden sich laut Knipprath aktuell 203 Praktika in Bonn und Umkreis von 25 km. „Hierbei handelt es sich meist um Einstiegsmöglichkeiten zum Job, welche aber auch bereits während des Studiums getätigt werden können.“

Auch die Universität Bonn führt Stellenangebote auf ihrer Homepage auf. Hierbei handelt es sich um Uni-interne Berufe - etwa eine wissenschaftliche Mitarbeit oder Stellen in Verwaltung und Technik.

Für einmalige Verdienstmöglichkeiten nutzen viele Studenten das Angebot von BonnEconLab und MPI Decision Lab. Das BonnEconLab – Laboratorium für Experimentelle Wirtschaftsforschung der Universität Bonn und das Decision Lab des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern führen regelmäßig wissenschaftliche Verhaltensexperimente durch, wobei Studierende für die Teilnahme Geld bekommen. Wer sich bei der Datenbank der Forschungsinstitute anmeldet, bekommt regelmäßige Einladungen für die Experimente.

„Sehr viel Studierende sind bei diesen Experimenten aktiv und dankbar für das Geld, das man direkt auf die Hand bekommt“, sagt Otis Henkel, Pressesprecher der Studentenvereinigung Asta Bonn. Auch Blutspenden sei deswegen beliebt.

Eine Übersicht über die Blutspende-Angebote in Bonn gibt es hier.

Was verdienen Studenten bei ihren Jobs?

Der Stundenlohn sei aufgrund der Anhebung des Mindestlohns gestiegen, erklärt die Deutsche Hochschulwerbung. „In unserem Portal werden zudem keine Ausschreibungen veröffentlicht, die unter Mindestlohn liegen. Wir haben nur äußerst selten Ausschreibungen, bei denen wir die Unternehmen auf den Mindestlohn hinweisen müssen, wenn der Stundenlohn zu niedrig angegeben wurde.“ Die Vergütung der Jobs auf der Seite des Studierendenwerks reichen von 12 Euro (Mindestlohngrenze) bis 15 Euro.

Welche Arbeitsmodelle gibt es, was steckt hinter den Begriffen und was gilt es zu beachten?

Das Studierendenwerk Bonn gibt auf seiner Homepage detaillierte Informationen zum Jobben, da es in Bezug auf Steuern und Sozialversicherungen einiges zu beachten gilt:

Wer in Deutschland eingeschrieben ist und den überwiegenden Teil seiner Zeit für das Studium aufwendet, gilt als „ordentlicher Student“. Als dieser ist man von den meisten Sozialabgaben befreit, man zahlt also keine Beiträge in die gesetzliche Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Das gilt jedoch nicht, wenn der durchschnittliche Monatslohn auf das Jahr hochgerechnet mehr als 520 Euro beträgt. Dann gilt der Job als ein arbeitsrechtlich sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Die Konsequenz: Man muss rückwirkend auf das gesamte erwirtschaftete Einkommen Steuern und Sozialabgaben entrichten. Deswegen ist es auch wichtig, darauf zu achten, welche Bezeichnung die Beschäftigung trägt.

  • Minijob: Ein Minijob gilt als geringfügige Beschäftigung. Das Jahresgehalt darf nicht über 6.240 Euro liegen. Das sind 520 Euro im Monat. Auf diesen Lohn muss man keine Abgaben zahlen.
  • Kurzfristige Beschäftigungen: Hierzu zählen alle Arten von zeitlich eindeutig befristeten Gelegenheits-, Ferien- oder Aushilfsjobs. Einkünfte aus Ferien- und Minijob werden steuerrechtlich nicht aufgerechnet.
  • Midijob: Ein Midijob liegt im Übergangsbereich zwischen Minijob und regulärer Beschäftigung. Die Verdienstgrenze verläuft zwischen 520 und 1.600 Euro pro Monat. Die Einnahmen sind zwar grundsätzlich sozialversicherungspflichtig, es gelten jedoch teils deutlich reduzierte Beitragssätze.
  • Werkstudent: Werkstudenten werden als „ordentliche Studierende“ definiert, die neben ihrem Studium einer mehr als geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Als Werkstudent darf man nicht mehr als 26 Wochen pro Kalenderjahr und mehr als 20 Wochenstunden arbeiten. In der Praxis arbeiten Werkstudenten also meist in Teilzeit in Unternehmen. Als Werkstudent ist man unabhängig von der Höhe des Einkommens weitestgehend von Sozialabgaben befreit.

Weitere Informationen gibt es hier.

Der Studijob als Einstieg ins Berufsleben

“Einen Mangel an Studentenjobs gibt es nicht“, weiß Asta-Sprecher Otis Henkel. Er sieht zum einen, dass viele Studenten ihren Lebensunterhalt ohne einen Job gar nicht stemmen könnten. Zum anderen bemerkt er, dass Studenten den Nebenjob nutzen, um ihren Lebenslauf zu füllen und erste berufliche Erfahrungen zu sammeln.

“In vielen Studiengängen, vor allem in den Geisteswissenschaften, geht es bei den Bewerbungen nach dem Studium vor allem darum, was man neben dem Studium gemacht hat. Viele suchen sich also in fortgeschrittenen Semestern einen Job, den sie als beruflichen Einstieg für später sehen. Auch der Wechsel von Studentenleben zum Arbeitsleben wird durch die Vorerfahrung leichter“, sagt er. Er rät jedoch, dass man die Arbeitszeit und Studienzeit gut ausbalancieren sollte, damit das Studium nicht zu kurz kommt und nicht zu sehr verzögert wird.