Schutz vor Starkregen Sturzfluten können jeden treffen

Bonn · Die Stadt Bonn ruft alle Hauseigentümer per Brief dazu auf, mehr zur Eigenvorsorge zu tun. Überschwemmungen drohen nicht nur in der Nähe von Gewässern.

Der Rhein fließt friedlich, die Sommergewitter sind vorbei, doch der Appell von Tiefbauamtsleiter Peter Esch ist umso eindringlicher: „Was wir als Stadt tun können, reicht nicht, um der Fluten Herr zu werden.“ Die Bonner sollen sich und ihre Häuser vor Starkregen schützen, und zwar jetzt, wo keine Saison ist. „Der nächste Starkregen kommt unter Garantie“, warnt Esch. Am Mittwoch stellte er die Broschüren der Stadt und das Infoblatt vor, das im Januar mit den Bescheiden zur Grundbesitzabgabe verschickt wird. So soll niemand sagen können, er habe vom Risiko nichts gewusst.

Es gibt drei Phänomene, die für Überschwemmungen in Wohnhäusern sorgen. Erstens: der Rückstau aus dem Kanal. Neun von zehn Betroffenen der Unwetter in den vergangenen sechs Jahren hätten keine oder keine funktionierende Rückstausicherung gehabt, berichtete Esch. So war zum Beispiel der Ablauf für die Dachentwässerung falsch angeschlossen. „Die Leute haben sich mit dem Wasser vom eigenen Dach die Keller geflutet“, sagte der Tiefbaumamtsleiter. Grundsätzlich sei Rückstau aus dem Kanal ein „normaler Betriebszustand“, gegen den sich jeder Hausbesitzer laut Kanalsatzung selbst schützen müsse.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Die Stadt Bonn investiert pro Jahr bereits 20 Millionen Euro in ihr Kanalnetz und trifft Vorsorgemaßnahmen, zum Beispiel am Mehlemer Bach, wo für 8,2 Millionen Euro ein Entlastungskanal gebaut wird. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. „Keine Kommune ist in der Lage, ihr Kanalnetz und den baulichen Hochwasserschutz auf extreme Wetterlagen auszurichten“, so Esch. Es habe sich gezeigt, dass die Auswirkungen extremer Niederschläge praktisch jeden treffen könnten. Und das meistens ohne lange Vorwarnung.

Anders als der Rheinpegel, der sich für Stunden oder sogar Tage zuverlässig vorhersagen lässt, entwickeln sich sogenannte urbane Sturzfluten binnen von Minuten. Sie sind das zweite Phänomen, vor dem die Stadt warnt. Bei extremen Niederschlägen kann das Wasser weder versickern noch durch die Gullys in die Kanäle fließen. Es sucht sich seinen Weg an der Oberfläche. Auch die Entsiegelung von Flächen hilft hier wenig. „Ab einer bestimmten Intensität läuft Regen von einer Wiese so schnell ab wie von einem Parkplatz“, sagte Esch.

Gebäude, die im Fließweg stehen, können erheblich beschädigt werden. Deshalb ist es notwendig, Kellerschächte sowie tief liegende Fenster und Türen zu sichern. „Solche Phänomene können überall im Stadtgebiet auftreten, nicht nur in Senken oder Gefällstrecken“, so das Tiefbauamt. Bei Neubaugebieten werden bereits während der Planung Überflutungsbetrachtungen angestellt, um den Weg des Wassers zu berechnen und die Gebäude danach auszurichten.

„Es sind nicht beherrschbare Naturkatastrophen"

Das dritte Risiko, gegen das sich Anwohner schützen müssen, sind übertretende Gewässer. Bürger können sich auf den Gefahrenkarten der Bezirksregierung Köln informieren, ob ihr Grundstück in einem Überschwemmungsgebiet liegt. „Die Mehlemer wissen das, die Godesberger seit dem Sommer auch. Aber es könnte auch halb Lessenich unter Wasser stehen“, so Esch. Die jüngsten Unwetter sind hier vorbeigezogen, es hätte aber auch ganz anders ausgehen können. „Entscheidend ist, dass die Leute wissen, dass sie in einem Überschwemmungsgebiet wohnen, auch wenn sie seit Menschengedenken nicht mehr betroffen waren.“

Ein kritischer Punkt in Bonn ist auch der Autobahntrog zwischen Endenicher Ei und Reuterstraße. Er würde bei einem vergleichbaren Starkregen wie im Sommer in Bad Godesberg voll Wasser laufen. Vermeiden lässt sich auch das nicht. „Es sind nicht beherrschbare Naturkatastrophen. Wir können nur lernen, damit umzugehen“, weiß der Tiefbauamtsleiter.

Eine Bürgerinformation für die Anwohner des Godesberger Bachs gibt es am Montag, 21. November, von 18 bis 22 Uhr in der Stadthalle Bad Godesberg, Koblenzer Straße 80. Tiefbauamt, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk geben praktische Tipps.

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