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„Sackdooch“: Taschentücher im Rheinischen

„Sackdooch“ : Taschentücher im Rheinischen

Ältere Bonner und Bonnerinnen wissen noch, was ein „Sackdooch“ ist: ein Taschentuch. Dieses hilfreiche Utensil kommt im Bönnschen heute als „Täschedooch“ vor, zu Beethovens Zeiten war es noch ein „Sackdooch“, im Hochdeutschen wurde daraus ein „Sacktuch“.

In Gottfried Fischers Aufzeichnungen über die Familie Beethoven, ediert von Margot Wetzstein, kommen Sacktücher an einer Stelle ganz prominent vor: Die Magd der Familie hatte an einem kalten Wintertag frisch gewaschene Sacktücher auf den Speicher getragen, um sie aufzuhängen. Doch dann kam ihr etwas in den Sinn, so dass sie nach unten eilte und die Wäsche auf dem Speicher komplett vergaß. Weiter im Originaltext Fischers: „Nachher begehrte Herr Beethoven reine Sacktücher, Die Magd sagt, Ja! Herr, die hab ich noch auf dem Speicher, ich will sie herrunter hohle und gleich streichen.“ Aber als sie die Tücher holen will, sind sie hinüber: Wasser und Frost haben sie „geschrottet“, wie man heute sagen würde. Die Magd brauchte sie nicht mehr zu bügeln: nichts Anderes meint „streichen“. Im heutigen Bönnsch sagt man „büele“, vor 200 Jahren dürfte dafür aber „striche“ allgemein in Gebrauch gewesen sein.

Spuren dieses Wortes finden sich im „Bonn-Beueler Sprachschatz“ von Johannes Bücher (1986). Dort wird ein altertümliches „Strichöfje“ beschrieben, also ein Bügelöfchen. Wie zu hören ist, besitzt das Heimatmuseum Beuel heute noch ein solches Exemplar. Ein Nachtrag zur letzten Folge: Die Quelle des darin thematisierten Zitats ist gefunden, es ist die Beethoven-Biographie von Alexander Wheelock Thayer aus dem 19. Jahrhundert; für entsprechende Hinweise sei Stephan Eisel (Bürger für Beethoven) und Ingeborg Nolden (Lenné-Gesellschaft) herzlich gedankt.

Georg Cornelissen ist Sprachforscher beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Für den GA schreibt er über das Bönnsch, das man zu Beethovens Zeiten sprach – passend zum 250. Geburtstag des Komponisten.