1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Taubenhaus in Bonn: Kein geeigneter Standort - Verstöße gegen Fütterungsverbot

Platz für Vögel : Kein geeigneter Standort für ein Taubenhaus in Bonn

Zuletzt sind in Bonn wieder vermehrt Probleme mit Tauben gemeldet worden. Eine Lösung für ein Taubenhaus ist aber weiter nicht in Sicht. Die Stadt ahndet immer wieder Vergehen gegen das Fütterungsverbot.

Könnte ein Taubenhaus in der Bonner Innenstadt das Problem der Überpopulation der Stadtvögel lösen? Beispiele aus anderen Städten sprechen durchaus dafür. Ein Durchbruch bei dem Thema ist in Bonn allerdings derzeit nicht in Sicht. Denn ein geeigneter Platz konnte bislang nicht gefunden werden.

Im vergangenen Dezember hatte der Hauptausschuss des Stadtrates die Verwaltung mit der Suche nach möglichen Standorten beauftragt und dabei drei konkrete Orte als Optionen genannt. Nun, ein halbes Jahr später, melden die Mitarbeiter im Stadthaus: Weder der Windeckbunker, noch zwei Immobilien am Friedensplatz und am Kaiserplatz kommen als Standorte für ein Taubenhaus infrage. Der Windeckbunker nicht, weil er einerseits denkmalgeschützt und andererseits für die Taubenansiedlung wohl zu hoch ist; die privaten Gebäude nicht, weil sich deren Eigentümer mit dem Gedanken an ein Taubenhaus auf ihrem Dach offenbar nicht anfreunden mögen. Sie verweisen unter anderem darauf, dass das Erdgeschoss der Gebäude und die Fläche davor gastronomisch genutzt werden und machen hygienische Bedenken geltend.

Bleibt derzeit die Variante eines mobilen Taubenhauses, wie es sich dem Vernehmen nach zum Beispiel in Koblenz bewährt hat. Weil eine solche Anlage vor Diebstahl und Vandalismus geschützt werden und zudem über einen Strom- und Wasseranschluss verfügen sollte, sieht die Stadtverwaltung mit dieser Variante hohe Investitionen verbunden, die sie nicht näher beziffert. Weitere Gebäude in städtischem Eigentum kamen bei der jüngsten Prüfung als Alternative offenbar nicht in Betracht.

Stadt ahndet 21 Verstöße in fünf Jahren

Probleme mit Tauben wurden zuletzt wieder vermehrt im und rund um den Hauptbahnhof gemeldet, wo sich Fahrgäste auf dem Bahnsteig an den Tieren störten. Unter dem Bahnhofsdach waren zwischenzeitlich Netze zur Vergrämung angebracht, die aber inzwischen wieder entfernt wurden. Fragen zu den Hintergründen der Aktion und zur Einschätzung der Lage ließ die Deutsche Bahn unbeantwortet.

Bereits im April hatte das Thema Tauben die Kommunalpolitik beschäftigt. Seinerzeit nannte die Verwaltung auf Anfrage des Bürger Bundes Zahlen zur Überwachung des Fütterungsverbots in der Innenstadt. Demnach sind in den vergangenen fünf Jahren 21 Personen bei der Fütterung von Tauben erwischt worden. Insgesamt wurden 13 Verwarnungen zwischen 25 und 35 Euro erteilt sowie zehn Bußgeldbescheide zwischen 53,50 Euro und 228,50 Euro erlassen. Drei höhere Bußgelder vereinte offenbar jemand auf sich, der bereits häufiger mit der Taubenfütterung auffiel. Allerdings hat die Verwaltung auch vier Personen befristete Ausnahmegenehmigungen erteilt: sie dürfen verletzte Wildtauben anfüttern, um sie beispielsweise von Verschnürungen zu befreien.

Tierheim-Beirat zweifelt Anstieg der Population an

Während der Bürger Bund Bonn in den Ausnahmegenehmigungen einen Fehler sieht, welcher der Taubenplage zusätzlichen Vorschub leiste, zweifelt der Beirat des Tierheims Bonn an, dass es überhaupt einen Anstieg der Population gibt. So seien durch die Umbauten im Bahnhofsumfeld viele Nist-, Ruhe- und Schlafplätze weggefallen, weshalb sich die Vögel neu orientieren müssten.

„Dies kann zur Folge haben, dass die Population scheinbar angestiegen ist. Tatsächlich ist aber lediglich die Anzahl sichtbarer Tauben angestiegen“, heißt es in einer Stellungnahme des Beirats, der daraus schließt: Die Gesamtzahl habe sich „nicht wesentlich verändert“. Das wiederum widerspräche zuletzt aufkommenden Spekulationen, die coronabedingten Schließungen der Außengastronomie führten zu Futtermangel und Hungertod. So berichtete kürzlich ein Leser, wie ihm jetzt an der Ecke Thomas-Mann-Straße/Budapester Straße aus heiterem Himmel eine tote Taube auf den Kopf gefallen sei.

„Ich lese im Internet, dass das auch in anderen Städten geschehe und vielleicht auf Futtermangel zurückzuführen sei“, bedenkt er. Darauf, dass sich die Situation inzwischen wieder normalisiert haben könnte, spricht das Erlebnis eines anderen Lesers: „Während wir auf das Essen im Außenbereich warteten, schlug auf meiner Anzughose ein fetter Taubenschiss ein. Das war super eklig und ich konnte anschließend nach Hause fahren und meine Garderobe wechseln“, schreibt er an den Betreiber eines Lokals in der Innenstadt.

Auch wenn er dem betreffenden Pächter keinen Vorwurf mache, will er das Lokal einstweilen meiden. Es sei aber nicht in ihrer Verantwortung, sondern bei der Stadt Bonn, die sich nicht um das Taubenproblem kümmere und von ihnen nur die Gebühren für den Außenbereich kassiere.