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Studenten-Rallye in Bonn: Tausend Bonner Erstsemester machen den Kneipen-Bachelor

Studenten-Rallye in Bonn : Tausend Bonner Erstsemester machen den Kneipen-Bachelor

Bei einer Rallye durch die Lokale lernen die neuen Studenten die Bonner Kneipenszene kennen. Zur Belohnung gab es einen "akademischen Abschluss".

Etwa tausend Bonner Erstsemestern stand eine erste, wenn auch nicht allzu ernste Aufgabe bevor: In höchstens fünf Stunden konnten sie einen Bachelor-Abschluss durch Abgabe von einem mit mindestens zehn Stempeln versehenen „Prüfungsbogen“ bekommen. Allerdings war dieser akademische Titel nicht innerhalb der Uni-Mauern zu erwerben.

Das Wissen, das den Teilnehmern mit der Übergabe einer Urkunde im Club „Untergrund“ in der Kesselgasse bescheinigt wurde, bezog sich ausschließlich auf die zuvor erworbene fundierte Kenntnis der Bonner Kneipenlandschaft, an der in diesem Jahr fünfzehn Lokale in Innen- und Altstadt beteiligt waren.

Bereits zum 6. Mal organisierten die drei Bonner Masterstudenten Robert, Nico und Dario den „Kneipen-Bachelor“ in Bonn. Die Idee hatten sie aus ihrer Studienzeit in Münster mitgebracht, wo ihr Studienfreund Stefan Hugenroth (39) bereits vor sechs Jahren den ersten überraschend erfolgreichen „Bier-Bachelor“ veranstaltet hat.

Der damalige Jura- und Wirtschaftspolitikstudent war schon 2004 nach seinem Grundstudium vor die Entscheidung gestellt, entweder weiter Gesetze zu pauken oder seine bereits erfolgreich angelaufenen Veranstaltungsideen gewinnbringend weiterzuentwickeln. Mit seinen Kommilitonen hatte er schon die erste Idee erfolgreich umgesetzt, Dozenten von Uni und Fachhochschule in Münster außerhalb der Hörsäle zusammenzubringen.

Stempel auch ohne Alkohol

Daraus entstand einerseits die inzwischen vielfach kopierte „Night of the Profs“, bei der bis zu 20 Professoren aus verschiedenen Fachbereichen die Plattenteller in den angesagten Clubs der Stadt für eine Nacht übernehmen, und andererseits Hugenroths Eventagentur „studenta“, die mittlerweile viele Ideen und Veranstaltungen für Studenten organisiert. So wie auch den „Kneipen-Bachelor“, der inzwischen von Münster aus bereits zehn Studentenhochburgen erobert hat. Darunter auch Bonn und Köln. Wer nun in der Montagnacht in den Bonner Kneipen seinen Bachelor bescheinigt bekam, konnte sich gleich am Dienstag in Köln mit seiner „Matrikelnummer“ um den Master bewerben, der zwei Stempel mehr auf der Stempelkarte erforderte.

„Das ist eine super Veranstaltung“, bestätigt Helena, „dadurch habe ich die Kneipenszene in Bonn erst kennengelernt.“ Damit spricht die Viersenerin das an, was sich Hugenroth von seinen Events erhofft. „Es geht nicht ums Trinken“, sagt er, „wir wollen, dass Erstsemester die Kneipenszene kennenlernen, neue Freunde gewinnen und Spaß haben. Die Stempel bekommt man bei uns auch ohne Alkohol.“

Boris aus Wuppertal, der in einer Runde von Studentinnen der einzige ist, der noch seinen „Bachelor“ machen muss, freut sich allerdings schon auf das Kölsch in den neun noch vor ihm liegenden Kneipen Bonns Medizinstudentin Sophia, die ebenfalls aus Viersen stammt und ihren „Bachelor“, „Master“ und „Doktor“ in den vergangenen Semestern schon absolviert hat, freut sich darauf, an diesem Abend noch zur „Professorin“ ernannt zu werden. Danach bleibt ihr nur noch der Titel des Dekans. Doch dann dürften ihr auch alle Bonner Studentenlokale und Clubs, die beim „Kneipen-Bachelor“ auch „Hörsäle“ genannt werden, bekannt geworden sein.