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Taxifahrer aus Königswinter rettet Seniorin vor Abzocke - Betrugsversuch durch falsche Polizisten

Betrug durch falsche Polizisten : Taxifahrer aus Königswinter rettet Seniorin vor Abzocke

Taxifahrer Husam Alkhatip hat verhindert, dass eine 78 Jahre alte Frau um ein Vermögen gebracht wurde. Falsche Polizisten hatten sie dazu gebracht, 50.000 Euro von der Bank abzuheben. Doch ihre Pläne wurden durchkreuzt.

Husam Alkhatip war der Trubel um seine Person fast zu viel: Durch sein beherztes Eingreifen hat der 53-Jährige aus Königswinter verhindert, dass eine Seniorin von falschen Polizisten um mehr als 50.000 Euro betrogen wird. Statt zur Sparkasse fuhr er mit ihr zur echten Polizei, während die Betrüger noch am Telefon waren.

In einem anderen Fall war die Masche jedoch erfolgreich, eine Bonnerin verlor unter dem Vorwand von „Sicherheitsvorkehrungen“ einen hohen Geldbetrag. „Das kann man verhindern, indem wir alle aufeinander achten“, sagte Polizeipräsidentin Ursula Brohl-Sowa.

Taxifahrer aus Königswinter rettet Seniorin vor Abzocke

Für Husam Alkhatip begann der Arbeitstag ganz gewöhnlich. Er hatte schon mehrere Touren im Taxi hinter sich, als er am Mittwochvormittag von der Zentrale nach Königswinter geschickt wurde. Vor einem Wohnhaus wartete eine 78 Jahre Frau auf ihn, mit dem Handy am Ohr. „Sie war sehr unruhig und verunsichert, das kam mir schon komisch vor“, erzählt er. Noch misstrauischer wurde er, als die Dame ihm nicht genau sagte, wo es hingehen sollte – sondern lediglich in den Ortsteil Oberpleis. Erst nach mehrfachem Fragen gab sie an, zur Sparkasse zu wollen.

Alkhatip fuhr los und unterhielt sich mit der Seniorin. So, wie er es häufig mit seinen Fahrgästen macht, seitdem er vor einem halben Jahr in Bonn und der Region unterwegs ist. „Irgendwann sagte sie, dass sie 1000 Euro abheben wolle. Später nannte sie dann die Summe von 1900 Euro.“ Zwischendurch flüsterte sie immer wieder in das Klapphandy. Als sie dann noch preisgab, dass nicht sie, sondern die Polizei ihn bezahlen würde, witterte er den Betrug. Für ihn war klar: Es muss zur nächsten Polizeiwache, und nicht zur Bank gehen. „Ich höre zwölf Stunden am Tag Radio. Immer wieder wird von diesen Betrügern berichtet.“ Und so überredete er die Frau, sich den richtigen Polizisten anzuvertrauen.

Alkhatip steuerte die Polizeiwache an

Wie sich später herausstellte, hatte man ihr erzählt, dass sie das Geld abheben und an einen angeblichen Kriminalbeamten übergeben sollte. Der Grund: Weil Falschgeld im Umlauf sei, würde man die Seriennummern der Scheine überprüfen. Wenn alles in Ordnung sei, würde man ihr das Geld später wieder aushändigen. Und weil die Seniorin keine Möglichkeit hatte, selbstständig zur Bank zu gelangen, schickte man ihr ein Taxi.

Als Alkhatip die Wache ansteuerte, hatten sich die Betrüger längst in Sicherheit gebracht. „Trotzdem ist das ein Erfolg“, sagte Ursula Brohl-Sowa, als sie sich am Donnerstag bei Alkhatip bedankte. „Diese Courage hat Schlimmeres verhindert. Ich bin froh, dass es so aufmerksame Bürger gibt. Jeder kann etwas tun, egal ob Taxifahrer, Postbote oder jemand in der Familie.“

20 bis 30 Meldungen pro Tag

In Bonn und Umgebung gibt es jeden Tag solche Vorfälle. „Jetzt gerade vor Weihnachten haben wir wieder eine Welle“, sagt Hauptkommissar Christian Gräßler. Eine Welle heißt: 20 bis 30 Mal pro Tag melden sich Betroffene bei der Bonner Polizei. Zu 99 Prozent scheiterten die Versuche – so wie am Mittwochnachmittag in Duisdorf. Wieder hatten es die Betrüger auf eine Seniorin abgesehen, wieder ging es darum, Geld und Gold von der Bank abzuholen. „Glücklicherweise wurde ein Bankmitarbeiter misstrauisch.“ Anders erging es einer 74-Jährigen am Dienstag in der Innenstadt. Angebliche Polizisten gaben vor, einen Einbrecher festgenommen zu haben. Aus diesem Grund seien „Sicherheitsvorkehrungen“ erforderlich gewesen. Die Betrüger überzeugten die Seniorin einen hohen Geldbetrag an einen Abholer, der angeblich in der Wohnung Spuren sichern sollte, zu übergeben.

Immer, wenn Husam Alkhatip so etwas hört, ist er fassungslos und wütend. „Wie kann man alten Menschen, die schwach sind, die sowieso nicht so viel haben, alles nehmen?“ Seine Forderung: „Ich hoffe, dass alle mehr darauf achten.“ Mit dieser Aussage trifft er genau den Nerv der Polizei. „Die Betrüger schaffen es mit geschickter Gesprächsführung, ihre Opfer zu binden und unter Druck zu setzen“, so Gräßler. Durchbrechen könne man diesen Kreis, indem man eine zweite Person hinzuziehe. Das wollten die Telefon- und Enkeltrickbetrüger tunlichst verhindern. „Wenn die Masche nicht aufgeht, machen sie einfach beim nächsten weiter. Da werden Hunderte Gespräche geführt.“

Husam Alkhatip wird jedenfalls weiterhin wachsam bleiben, nicht nur bei seinen Fahrgästen. Brohl-Sowa will ihn im kommenden Jahr für sein Einschreiten ehren. Viel wichtiger war ihm aber die  alte Dame, die sich rührend bei ihm bedankt hat.