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Cop23 in Bonn: Teilnehmer der Klimakonferenz bei Bonnern zu Gast

Cop23 in Bonn : Teilnehmer der Klimakonferenz bei Bonnern zu Gast

500 Bonner Privathaushalte beherbergen Teilnehmer der Weltklimakonferenz. Darunter Kämpfer gegen den Klimawandel wie Ibrahim Mbamoko aus Kamerun und die indische Journalistin Chaitrali Chandokar.

Ibrahim Mbamoko bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der Kameruner mit dem freundlichen Lächeln nimmt das Chaos bei seiner Anreise mit der Deutschen Bahn genauso gelassen hin wie die Tatsache, dass er am Frühstückstisch zwei sich ständig streitende pubertierende Mädchen ertragen muss. Aber als die Mitglieder des Alten Beueler Damenkomitees in der Linie 62 nach der Sessionseröffnung plötzlich Karnevalslieder anstimmen, kann auch er nicht widerstehen und zückt das Handy für ein Bild. „Schatzi, schenk mir ein Foto“, schallt es zurück. Der 42-Jährige muss herzhaft lachen, auch wenn er den Scherz der Deutschen nicht versteht. Aber dass es eine freundliche Geste ist, ist ihm klar.

Überhaupt: Verständigung ist nicht das Problem von Ibrahim Mbamoko. Der Cop23-Teilnehmer spricht gut Englisch und – da er einen Zweitwohnsitz in Frankreich hat – noch besser Französisch. Für eine private Unterkunft hat sich der Klimaaktivist, der zu den Mitbegründern der Association Carre Geo & Environment, einer Co-Organisation in Kamerun und Frankreich, die sich dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben hat, bewusst entschieden. „Ich möchte andere Kulturen kennenlernen, wissen, wie sie denken, was sie bewegt.“

Klimawandel in Afrika deutlicher als in Europa

Drei Schwerpunkte sind es, die den zweifachen Familienvater bewegen. Zum einen die Anerkennung der Menschen, die wegen des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen, als Flüchtlinge. Da sieht er, nach den Gesprächen und Diskussionen auf dem Campus, die Weltgemeinschaft auf einem guten Weg. Zum anderen will er die Arbeit seiner Organisation vorstellen. Diese arbeitet nicht mit der Regierung in Kamerun zusammen, sondern mit den lokalen Bürgermeistern. Ziel ist, mit grüner Energie die Regionen in Kamerun, die bis heute ohne Strom auskommen müssen, zu elektrifizieren. „Wir machen da große Fortschritte“, erzählt er beim Abendessen und sucht nach den passenden englischen Worten.

Das Thema ist ihm ein großes Anliegen, es ist ihm wichtig, dass seine Gesprächspartner ihn verstehen. Die Familie lauscht gespannt. „Wir leisten nur die Anschubfinanzierung, den Rest muss die Gemeinde selbst stemmen. Gleichzeitig schaffen wir mit den Projekten Jobs.“ Er hält dieses Vorgehen für sehr viel erfolgversprechender als Investitionen durch große Firmen, „die am Ende natürlich ihren Profit machen wollen“. Und dann ist da noch die Zusammenarbeit der afrikanischen Staaten, um die in Paris vereinbarten Ziele zu erreichen. Denn in Afrika, sagt er, spüre man den Klimawandel schon viel deutlicher als in Europa. Den halben Sonntag verbringt er damit, die gemeinsame Marschrichtung für die entscheidende Woche der Konferenz abzusprechen. „Wir haben eine Strategie“, sagt er zufrieden.

Kulturaustausch in Beuel

Bei Monika Mai (73) in Beuel wird gerade das Essen vorbeigebracht. Von Freunden, nicht vom Lieferdienst. Eigentlich wollte Chaitrali Chandokar für die Gruppe indisch kochen, doch der Zeitplan wurde ein wenig durcheinandergewirbelt. Und so bereitet die 35-jährige Journalistin aus Indien diesmal nur den Reis und das Dessert zu, der Hauptgang kommt vom Inder um die Ecke.

Chandokar hat durch die finanzielle Unterstützung einer Organisation die Möglichkeit bekommen, an der Klimakonferenz in Bonn teilzunehmen. „Meine Zeitung wollte mir die Reise nicht zahlen, weil ich schon vor zwei Jahren in Paris war“, erzählt sie. Deshalb meldete sie sich auch beim Private Host Programm an, bei dem die Bonner Tourismus und Congress GmbH (siehe Infokasten) Gästezimmer von Privatleuten vermittelt – kostenfrei. Netter Nebeneffekt: „Ich lerne die deutsche Kultur viel besser kennen als in einem Hotel“, sagt Chandokar. In Paris übernachtete sie gemeinsam mit anderen Journalistenkollegen in einer Jugendherberge, in der es kein heißes Wasser gab. Deshalb lautete eine der ersten Fragen an Monika Mai, ob es heißes Wasser bei ihr gebe. „Da musste ich erst mal lachen“, sagt Mai. Das Missverständnis war schnell ausgeräumt.

Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb. Und so wurde das gemeinsame Frühstück zum allmorgendlichen Ritual. Gegen 8.30 Uhr macht sich Chandokar mit Bus und Bahn auf den Weg in die Zeltstadt, meist ist sie gegen 18 Uhr zurück. „Bis 17 Uhr muss ich alle meine Texte fertig geschrieben haben, dann ist Redaktionsschluss“, erzählt sie. Danach bleibt Zeit, um die Region kennenzulernen. Monika Mai nahm sie mit auf einen Martinszug, ging mit ihr Karneval feiern und zeigte ihr Bonn. „Das würde ich alles nicht mitbekommen, wenn ich nicht bei ihr wäre.“

Die Entscheidung, jemanden zu beherbergen, fiel bei Mai spontan. Angst hatte sie nicht. Sie freute sich vielmehr auf den Besuch und neue Erfahrungen. „Wir reden viel über das, was auf der Klimakonferenz passiert“, sagt sie. Chandokar erzählt von ihrer Heimatstadt Pune. Von der fehlenden nachhaltigen Technologie, die das Entwicklungsland dringend benötigt. „Sonst war das immer alles so weit weg, jetzt erlebe ich hautnah, was die Erderwärmung für Auswirkungen haben wird“, erzählt Mai.