Telefonieren in Bonn Telekom baut Telefonzellen ab

BONN · Kein Anschluss unter dieser Nummer... Die Deutsche Telekom will einige ihrer unrentablen öffentlichen Telefonanlagen in Bonn abbauen. Der Konzern argumentiert mit hohen Reparaturkosten und wenig Ertrag.

 Nicht rentabel: Die Telefonsäule Am Mühlenbach in Lengsdorf wird abgebaut.

Nicht rentabel: Die Telefonsäule Am Mühlenbach in Lengsdorf wird abgebaut.

Foto: Barbara Frommann

Die Pläne gehen aus einer Vorlage für die Bezirksvertretungen hervor. Betroffen sind in Bonn die Fernsprecher am Alten Herweg, an der Thomastraße, Siemensstraße, Röttgener Straße, Im Mühlenbach und Quirinusplatz, die Anlagen an der Hochkreuzallee in Bad Godesberg sowie in Beuel an der Königswinterer und Stiftsstraße.

Als Gründe nennt das Unternehmen zu wenig Umsatz sowie zu hohe Kosten durch die Reparaturarbeiten aufgrund von Vandalismus. „Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Siegeszug des Handys abgenommen“, begründet André Hofmann von der Telekom die Entscheidung. „Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens ein Handy. Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen nimmt dementsprechend ab.“

Für den Unterhalt fallen allerdings monatlich Kosten an, beispielsweise für Strom, Standortmiete und Wartung. Gleichzeitig sind die Umsätze wegen des technologischen Fortschritts immer weiter zurückgegangen. Nach einer Vereinbarung mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände darf die Telekom deshalb Anlagen abbauen, wenn ein öffentlicher Fernsprecher weniger als 50 Euro Umsatz im Monat macht. „Das ist für uns ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung durch die Bevölkerung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht. Der Kunde ist der Architekt des Telefonzellen-Netzes“, erklärt Hofmann.

Die CDU geht nicht davon aus, dass der Abbau zu Nachteilen führt. Mittlerweile sei fast niemand mehr auf einen öffentlichen Fernsprecher angewiesen. Deshalb „können wir mit dem Vorschlag leben“, sagt Georg Fenninger. "Wer nutzt sie denn noch?", fragt auch Rolf Beu (Grüne). „Für viele Jugendliche sind sie Gegenstände aus einer anderen Welt. Und wenn sie überhaupt bedient werden können, dann fehlt garantiert das notwendige Münzgeld oder die Telefonkarte. Selbst jeder Senior hat heute ein Handy“, erklärt der Vorsitzende des Planungsausschusses.

„Obwohl wir in der Vergangenheit den Abbau von Telefonzellen im größeren Stil bedauert haben, können wir ihn nachvollziehen“, argumentiert Dieter Schaper (SPD). Allerdings gebe es noch immer Bürger – gerade ältere –, denen eine Telefonzelle unterwegs ein Gefühl von Sicherheit gebe.

Für die Bonner Polizei stellt der Abbau kein Problem dar. Denn sie registriert, dass immer weniger Anrufe über öffentliche Fernsprechanlagen eingehen, die meisten würden Handy oder Festnetz nutzen, weiß Ruth Braun von der Polizeibehörde.

Wie viele Telefonzellen es aktuell in Bonn gibt, vermag Hofmann nicht zu sagen. „Die Zahlen verändern sich sehr schnell. Bundesweit gehen wir von etwa 30 000 aus.“ Allerdings gibt es immer noch Standorte mit hohem Nutzen, beispielsweise an Bahnhöfen und Flughäfen.

„Trotz der geplanten Standortreduzierungen werden wir weiterhin eine Basisinfrastruktur erhalten und betreiben, die im Rahmen der partnerschaftlichen Beziehung zwischen der Kommune und der Deutschen Telekom eine gute und tragfähige Lösung darstellt“, heißt es in der entsprechenden Vorlage seitens des Unternehmens an die politischen Gremien. „

Sollte die Kommune an einem Standort festhalten, dann bieten wir eine kostengünstige Alternative wie etwa ein Basistelefon an“, verspricht der Telekomsprecher. Übrigens: Wer eine ausrangierte Zelle kaufen möchte, der kann sich per E-Mail an info@telekom.de melden.

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