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Kommentar zum Azubi-Ticket des VRS: Teurer Luxus

Kommentar zum Azubi-Ticket des VRS : Teurer Luxus

Das Azubi-Ticket ist nicht gerade günstig, vor allem im Vergleich zu den gezahlten Löhnen für Lehrlinge. Die Arbeitgeber sollten dem Vorschlag des Verkehrsministeriums folgen und sich an den Kosten beteiligen.

Es ist ein Luxus, den niemand missen möchte, der einmal in seinen Genuss gekommen ist. Wenn man sich jeden Tag gedankenlos in sämtliche Straßenbahnen, Busse und Züge setzen kann, ohne zuvor einen Fahrschein am Automaten kaufen zu müssen, dann ist das eine komfortable Reisefreiheit, die sich nicht von der Hand weisen lässt. Alle Studenten in Nordrhein-Westfalen genießen diese Freiheit seit Jahren, denn in ihren Studentenausweis ist ein Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr integriert.

Ab dem 1. August könnten auch Auszubildende ohne Einschränkungen durch das ganze Bundesland fahren. Die Betonung liegt auf könnten, denn es ist fraglich, ob sich auch alle Lehrlinge diesen Luxus leisten können. 80,70 Euro soll das neue Azubi-Ticket im Monat kosten. Wie soll das ein Koch bezahlen, der im ersten Lehrjahr durchschnittlich 500 Euro verdient? Wie eine Hotelfachfrau, die nicht bei ihren Eltern lebt und deshalb Miete für eine eigene Wohnung zahlen muss?

Viele junge Menschen müssen dennoch irgendwie zu ihrer Arbeitsstelle kommen. Wer darauf verzichtet, mit Bus oder Bahn durch das ganze Bundesland fahren zu können, zahlt „nur“ 60,70 Euro im Monat – und ist damit in der Region Rhein-Sieg mobil. Aber auch das reguläre Azubi-Ticket ist nicht gerade günstig. Nicht für jemanden, der im Monat 800 Euro verdient, und schon gar nicht für jemanden, dem sein Arbeitgeber am Monatsende 400 Euro überweist. Ja, das Ticket für den Lehrling ist teuer. Ebenso, wie Bahnfahren im Allgemeinen nicht erschwinglich ist. Und zwar für alle Generationen. Aber allemal günstiger als ein eigenes Auto, das ist es schon.

Und wenn Arbeitgeber dann dem Vorschlag des Verkehrsministeriums folgen und sich an den Kosten für die Monatskarte beteiligen würden, hätten Auszubildende wohl ein optimales Ergebnis. Preiswerter wäre die Fortbewegung dann nur noch zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Doch wer sich die Radwege in Bonn und der Region ansieht, weiß: Da wären wir schon wieder mitten auf der nächsten Baustelle angekommen.