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Tierheim in Bonn bestreitet Einigung im Streit um Provisorium

Ausbau des Tausendfüßlers : Bonner Tierheim bestreitet Einigung im Streit um Provisorium

Die Stadt spricht von einer Einigung im Tierheim-Streit. Dessen Chefin Barbara Töpfer bestreitet das. Während der Arbeiten am Tausendfüßler soll ihr Haus auf dem Gelände der Kleingarten-Anlage „Flora“ unterkommen.

Der Streit um die Zukunft des Bonner Tierheims ist offenbar noch nicht beigelegt. Während die Stadtverwaltung in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage des GA von einer Lösung spricht, die von allen Beteiligten getragen werde, widerspricht Tierheim-Chefin Barbara Töpfer vehement. „Es gibt keine Einigung, die der Oberbürgermeister erzielt hat. Die Stadt ist völlig außen vor“, sagt sie.

Schon seit 2016 ist klar: Teile des Tierheimgeländes stehen beim geplanten Neubau des Tausendfüßlers im Weg. Das Tierheim würde daher gerne auf Flächen der benachbarten Kleingarten-Anlage „Flora“ ausweichen. Stellvertretend für den Verein lehnt Peter Terlau, Vereinschef im Stadtverband der Gartenfreunde, eine dauerhafte Abtretung von drei der 32 Parzellen mit einer Grundfläche von rund 1200 Quadratmetern ab. Mit Oberbürgermeister Ashok Sridharan habe er sich aber auf eine temporäre Lösung geeinigt, berichtet Terlau. Während der Bauphase sollen drei Parzellen von Straßen NRW für einen Zeitraum von rund 15 Monaten planiert und dem Tierheim zur Verfügung gestellt werden. Dort könnten dann Containerbauten und Ausläufe entstehen. „Vorher werden Gutachter den Wert ermitteln. Anschließend stellt Straßen NRW die Gärten wieder so her, wie sie waren“, erklärt Terlau. Auf Schadenersatz für die ausfallende Nutzung werde man verzichten.

Diese Lösung ist das Ergebnis von zwei runden Tischen, die im Auftrag von Straßen NRW mit den Beteiligten und den Ratsfraktionen im Frühjahr stattgefunden haben. Allerdings hatte Tierheim-Chefin Töpfer an der zweiten Runde, die im Mai per Videokonferenz stattfand, nicht teilgenommen. Als Provisorium sei die geplante Lösung mit Kosten von mindestens 1,5 Millionen Euro für den Steuerzahler inakzeptabel, sagt sie nun. Allein 400 000 Euro würden für neue Zäune benötigt, die gemäß behördlicher Auflagen einen halben Meter in die Erde eingegraben werden müssten. Auch könne ein Teil der nötigen Gebäude nur auf dem Tierheim-Gelände neu entstehen. „Für die dann fehlenden Auslaufflächen will ich einen Ersatz“, sagt Töpfer. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie die zusätzliche Fläche nach wie vor gerne dauerhaft hätte. Der Verwaltungsspitze der Stadt wirft sie offen Versagen bei der Suche nach einem neuen Standort für die Kleingartenkolonie und bei einer Dauerlösung für das Tierheim vor. Dabei spare der Trägerverein der Stadt mit Eigenleistung und selbst erbrachten Personalkosten von rund 600.000 Euro im Jahr erhebliche Kosten bei der Pflichtaufgabe der Fundtieraufbewahrung. Ob sie sich auf dieser Grundlage mit Straßen NRW auf einen Vertrag einlasse, sei weiter offen. Mögliche Ausweichflächen für die Kleingartenanlage habe die Stadt intensiv geprüft, berichtet hingegen Andrea Schulte aus dem Presseamt, „es standen jedoch keine geeigneten Flächen zur Verfügung“. Das Protokoll des runden Tisches werde derzeit abgestimmt und anschließend dem Rat zur Kenntnis gegeben.

Der Tausendfüßler soll voraussichtlich ab Ende 2021 in sechsjähriger Bauzeit von jetzt vier auf dann sechs Fahrspuren und zwei Standstreifen erweitert werden. Die Kostenschätzung des Landesbetriebs liegt derzeit bei rund 300 Millionen Euro. Die Bezirksregierung Köln bereitet derzeit die Planungsunterlagen zur öffentlichen Auslegung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens vor. Dann können Bürger und Betroffene ihre Einwände geltend machen.