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Tierheim in Bonn: Umzug wegen des Tausendfüßlers-Ausbaus ungewiss

Albert-Schweitzer-Tierheim : Tierheim-Umzug wegen des Tausendfüßlers-Ausbaus ungewiss

Mehr als 500 Tiere warten im Albert-Schweitzer-Tierheim in Bonn auf ein neues Zuhause. Schäden des Starkregens sind mittlerweile beseitigt. Der Umzug wegen des Ausbaus des Tausendfüßlers ist jedoch weiter ungewiss.

Die anhaltende Corona-Krise hat bei vielen Menschen den Wunsch nach einem Haustier ausgelöst. In vielen Tierheimen werden nun aber die Hunde oder Katzen zurückgegeben: Weil der Urlaub naht, weil die Besitzer sich das Zusammensein mit den Tieren anders erträumt hatten, weil die Einsamkeit im Homeoffice ein Ende gefunden hat oder man nicht mehr weiß, wohin mit dem neuen Mitbewohner. „Es hat sich bewährt“, sagt Regina Rademächers vom Bonner Albert-Schweitzer-Tierheim, „dass unsere Tiervermittlung so gewissenhaft und verantwortungsvoll abläuft.“ Manche würden das als „streng“ bezeichnen, lacht sie und freut sich darüber, dass es in Bonn während der Corona-Zeit nicht zu Vermittlungen gekommen ist, die nun wieder rückgängig gemacht werden müssten.

Wer sich für einen der zurzeit 53 Hunde, eine der 120 Katzen, 312 Kleintiere oder auch beispielsweise für eine Ringeltaube, eine Elster oder einen Igel aus der Gruppe der 44 Wildtiere, die keinem Besitzer zuzuordnen sind, interessiert, wird im Bonner Tierheim am Lambareneweg fündig. Vermittelt wird das Tier allerdings erst nach einem ausführlichen Beratungsgespräch, in dem sich für beide Seiten herausstellen soll, wie realistisch der Wunsch ist, mit einem Tier zusammenleben zu wollen.

Zeit und Kosten müssen eingeplant werden

„Neben der Zeit, die man für ein Tier haben sollte, ist es vor allem auch wichtig, dass alle Beteiligten den Wunsch nach einem Tier teilen und gemeinsam die Verantwortung dafür übernehmen“, sagt Rademächers. „ Zudem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Tier auch Kosten verursacht. Neben Steuer, Haftpflichtversicherung und Futterkosten sollten Tierarztrechnungen nicht übersehen werden. So wurden beispielsweise bei Rademächers soeben 1500 Euro für eine Zahnsanierung ihrer beiden sechs und zehn Jahre alten Hunde fällig.

Seit etwa zwei Wochen dreht sich im Tierheim wieder die Trommel einer soeben neu angeschafften Industriewaschmaschine. Der dazugehörige Trockner dürfte ebenfalls bald wieder in Betrieb genommen werden können. Der Starkregen im Juli hatte den Keller des Vereins komplett unter Wasser gesetzt. Die beiden Maschinen mussten ebenso wie die Heizungsanlage erneuert werden.

Alles, was im Keller lagerte, ob Unterlagen oder Spenden, die im Secondhandladen des Vereins an der Brüdergasse verkauft werden sollten, musste entsorgt werden. „Dabei war es eindrucksvoll“, sagt Rademächers, „wie uns alle Ehrenamtlichen unterstützt hatten.“ So habe man auch im Tierheim gemerkt, wie groß die Anteilnahme der Menschen an der Flutkatastrophe ist. Spendengelder machten die dringend notwendigen Neuanschaffungen möglich. „Wir sind froh, dass wir nur mit einem Starkregen zu tun hatten und nicht an einem Fluss lagen, wo vielleicht auch Tiere zu Schaden gekommen wären.“

Lage am Tausendfüßler problematisch

Doch auch die Lage des Tierheims unmittelbar an dem Tausendfüßler wurde bisher als bedrohlich eingestuft. Der ursprünglich mehrspurig geplante Ausbau der Bonner Stadtautobahn würde große Bereiche des Tierheimgeländes beanspruchen. „Wir hatten uns ja riesige Sorgen gemacht“, sagt Rademächers, „aber die Situation ist zurzeit völlig ungeklärt.“

Hatte man vor Corona noch den Plan vom Landesbetrieb Straßen NRW verfolgt, das Tierheim-Grundstück parallel zum Tausendfüßler zu beschneiden und dafür auf der anderen Seite mit provisorischen Bauten wieder zu ergänzen, läge das Projekt nun erst mal auf Eis. „Auch seitdem unsere neue Oberbürgermeisterin da ist, haben wir nichts mehr gehört.“ Rademächers vermutet, dass man noch lange mit den Flutschäden an der A61 zu tun haben werde, was bereits jetzt zu einer Überlastung des Verkehrsnetzes rund um Bonn führt. In dieser Situation sei in naher Zukunft mit einem Ausbau des Tausendfüßlers nicht zu rechnen, ist sie überzeugt. „Mit uns hat seit dem letzten Jahr niemand mehr gesprochen“, sagt sie, gelassen in die Zukunft blickend.

50 ehrenamtliche Gassigänger sind unterwegs

Langsam kehrt nach den Corona-Lockdowns und den dadurch erschwerten Besuchsbedingungen und eher verminderten Vermittlungen der Tiere sowie dem überfluteten Keller wieder ein Stück Normalität in das Albert-Schweitzer-Tierheim zurück. Die Tiere lassen sich wieder regulär mittwochs bis samstags von 14 bis 17 und von 18 bis 21 Uhr besuchen. Jeden Tag sind allerdings rund 50 ehrenamtliche Gassigänger mit den Hunden des Tierheims unterwegs. „Für manch einen Hund, den wir aus dem Ausland bekommen“, so Rademächers, „ist das hier das reinste Paradies.“

Man merke schnell, wie sehr sie den Ort und die damit verbundene Pflege zu schätzen wüssten. Eher schlecht ginge es dagegen den Tieren, die als Familienhund dem Tierheim übergeben würden. „Das sind Hunde, die hier wirklich leiden“, sagt sie. Hunde, die ein Familienleben gewohnt waren, brauchten eine lange Zeit zur Eingewöhnung. Sie weinten, seien apathisch und verweigerten oft auch das Fressen. So erklärt sich auch die anfangs von Rademächers beschrieben „Strenge“ bei der Vermittlung der Tiere. Man versuche alles dagegen zu tun, dass ein Tier wegen einer nicht reiflich überlegten Wunscherfüllung wieder zu ihnen zurückgebracht wird.