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Titanenwurz blüht im Botanischen Garten in Bonn

Naturschauspiel in den Botanischen Gärten : Titanenwurz zeigt ihre Blüte in Bonn

Wieder hat sich eine Titanenwurz in den Botanischen Gärten in Bonn entfaltet. Das außergewöhnliche Naturschauspiel können sich Interessierte derzeit im Internet über die Webcam anschauen.

Die Titanenwurz gehört zu Bonn mittlerweile wie Beethoven oder das Münster. Fast in jedem Frühjahr blüht mindestens eine der Riesenpflanzen im Gewächshaus der Botanischen Gärten. Schön anzuschauen, aber ein wenig übel und nach Aas riechend. Diesmal sind zwei Pflanzen an der Reihe, von denen die kleinere, gut 1,65 Meter groß, sich in der Nacht auf Mittwoch entfalten soll. Die andere, ein Meter höher, ist einen Tag später dran. Das Naturschauspiel kann jeder live über eine Webkamera verfolgen. Wegen der Pandemie ist ein persönlicher Besuch, wie auch im vergangenen Jahr, nicht möglich.

„Die Leute interessiert das, man kann sie immer noch damit begeistern“, sagt Markus Radscheit, der technische Leiter des Botanischen Gartens, zur mittlerweile 30. Blüte in Bonn. Bis ins Jahr 1937 habe man mittlerweile Blühverläufe dokumentiert. Derzeit gebe es im Haus vier Titanenwurze. Ein regelrechter Ansturm entstand ab 2008, als sich das Spektakel rumgesprochen hatte – auch, weil es entsprechend beworben wurde. 2013 folgte dann der Eintrag ins Guinness-World-Records-Buch mit einem stattlichen Exemplar von 3,10 Metern.Mit dem Einzug der Webcam vor zehn Jahren habe der Andrang dann spürbar nachgelassen, sagt Radscheit. Er vermutet, dass das an der Sättigung liegt. „Oder die Bilder reichen aus.“

Pflanze nimmt weibliches Geschlecht an

Die Blüte der aus Sumatra beheimateten Titanenwurz ist immer nur wenige Stunden offen, und zwar ab abends. Für vier bis fünf Stunden nimmt die Pflanze dann das weibliche Geschlecht an. „Sie stinkt und lockt Bestäuber an“, sagt Radscheit und meint damit Hunderte von Aaskäfer, die in der Pflanze gefangen gehalten werden. Dann wendet sich in wenigen Stunden das Blatt, die Amorphophallus titanum wird zum Mann. Dann sind die Pollen verfügbar, mit denen die Käfer eingepudert und in die Freiheit entlassen werden. „Sie fliegen dann 30 bis 40 Kilometer weit“, sagt der Experte. Der Kreislauf beginnt beim nächsten Wurz. Das System ist übrigens so angelegt, dass eine Inzucht nicht möglich ist. Praktisch genauso funktioniert das bei heimischen Aronstabgewächsen wie sie etwa im Kottenforst zu beobachten sind. In deren Blüten hocken auch unzählige Insekten, so Radscheit.

Cornelia Löhne, die Kustodin der Botanischen Gärten, plant in diesen Tagen eine Bestäubung von der kleinen auf die große Titanenwurz. Danach bringt die Pflanze mehrere 100 Samen, geht aber mit großer Wahrscheinlichkeit ein, weil es sie so auslaugt. So habe man schon mal 390 Samen im Bonner Gewächshaus geerntet. „Ist nur die Frage, wo will ich mit all den Samen hin“, sagt Radscheit. Eine Titanenwurz braucht im Schnitt zwölf Jahre bis zur Geschlechtsreife und wiegt dann 75 Kilogramm.

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