Rutschgefahr am Hauptbahnhof Bonn Treppenabgang zum Maximiliancenter sorgt trotz Handlauf für Stürze

Bonn · Auch ein neuer Handlauf kann Unfälle nicht vermeiden: Bei Regen kommt es auf dem Treppenabgang von der Poststraße ins Maximiliancenter immer noch zu vielen Stürzen. Die Stadt Bonn will von alledem nichts wissen.

 Der Treppenabgang am Hauptbahnhof sorgt trotz zusätzlichem Handlauf nach wie vor für viele Stürze.

Der Treppenabgang am Hauptbahnhof sorgt trotz zusätzlichem Handlauf nach wie vor für viele Stürze.

Foto: Meike Böschemeyer

Die Fußabdrücke auf der Treppe an der Poststraße, die hinunter zum Bonner U-Bahnhof führt, schimmern in matschigem Braun. Ein feuchter Schmierfilm aus Regenwasser und Dreck hat sich über die gefliesten Stufen gelegt. Der Passantenstrom fungiert wie eine Kette kleiner Eimerchen. Tropfen um Tropfen wird hinunter in das Maximiliancenter getragen. Am Fuß der Treppe hat sich bereits eine kleine Pfütze gebildet. Ein aufgestelltes gelbes Schild warnt: „Achtung Rutschgefahr!“

Wer schnell noch seine Bahn erwischen will und die Stufen hinunterspurtet, ist besonders gefährdet, wissen Nicole Markic und Sandra Tolksdorf. Die beiden Frauen arbeiten als Verkäuferinnen der Kette Backwerk, direkt gegenüber dem Treppenaufgang. „Die Leute landen hier reihenweise auf der Nase“, schildert Markic ihre Beobachtungen. Vor allem bei Regen und Glätte.

Immer wieder Stürze und Verletzungen

Immer mal wieder müsse aufgrund der Stürze der Notarzt gerufen werden. Umgeknickte, verstauchte und gebrochene Füße, ein geprelltes Knie, selten auch mal ein aufgeschlagener Kopf – all das haben die beiden Frauen bereits beobachtet. Dass die Stadt Bonn im Frühjahr einen zusätzlichen Handlauf in der Mitte der Treppe angebracht hatte, scheint dabei kaum zu helfen.

„Ich bin ja froh, dass sie sich überhaupt etwas einfallen lassen, um die Situation zu verbessern, aber wenn es nass ist, hilft das wenig“, findet Tolksdorf. Sie selbst nehme deshalb immer den überdachten Aufgang zur Cassius-Bastei wenige Meter weiter. Die dortige Rolltreppe sei zwar kaputt, aber trocken und sturzsicher, so die Verkäuferin.

Für alle, die den direkten Weg wählen, sei gerade der Bereich am Fuß der Treppe besonders gefährlich, wie ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes immer wieder feststellt. „Wenn sich hier unten das Wasser ansammelt, ist es gerade mit Sneakern extrem rutschig“, beschreibt er und zeigt auf den von der Nässe schimmernden Fliesenbereich.

Aufzug ist keine wirkliche Alternative

Der Handlauf habe den Abgang für Passanten lediglich minimal sicherer gemacht. Ein Kollege, dessen Rundgang ihn wenige Minuten später an der Treppe vorbeiführt, wird sogar noch deutlicher: „Die Situation ist beschissen. Das ist Selbstmord. Es gibt hier reihenweise Stürze.“ Seiner Meinung nach habe weder der Handlauf noch das Austauschen der Treppenfliesen 2021 durch einen weniger rutschigen Belag die Situation wirklich verbessert.

Dass es bei den Stürzen vor allem bestimmte Personengruppen trifft, können weder die Sicherheitskräfte noch die Backwerk-Mitarbeiterinnen bestätigen. Egal ob jung oder alt, glatt sei es für alle. Gerade ältere Leute, vermeintlich anfälliger für Stürze, würden sogar eher zur Haltestange greifen und sich Unterstützung holen als jüngere Passanten.

Für diejenigen, denen das als Sicherheit immer noch nicht reicht, gibt es die Möglichkeit, den Aufzug zu nehmen, der sich unterirdisch kurz hinter dem Lidl in Richtung der Cassius-Bastei befindet. Zumindest theoretisch. „Den will eigentlich keiner benutzen, weil er von Obdachlosen als Toilette benutzt wird“, schildert eine Verkäuferin aus dem türkischen Lebensmittelmarkt Seldi im Maximiliancenter.

Stadt Bonn weiß nichts von Problemen

Ein vorsichtiger Gang am Geländer sei demnach die beste Möglichkeit, um sicher die Treppe von der Poststraße ins Center herabzusteigen. Auch wenn es noch immer viele Stürze gebe, „viele sind mittlerweile auch vorsichtiger“, berichtet die Verkäuferin, die selbst einmal fast mit ihrer Tochter an der Hand auf der Treppe gestürzt wäre und sich erst im letzten Moment festhalten konnte. Ein schlechter Ruf, der Gutes bewirkt. Vielleicht sogar mehr als die bisherigen baulichen Maßnahmen.

Bei der Stadt Bonn will man von den nach wie vor vorhandenen Problemen jedoch nichts wissen. Auf die Anfrage des GA, wie die Stadt Bonn die Situation und die Anbringung des zusätzlichen Handlaufs beurteile, antwortete das Presseamt knapp, dass in den vergangenen Monaten weder Beschwerden noch Unfälle bekannt geworden seien. Zum Stand möglicher Verbesserungen – die Verwaltung hatte im Frühjahr eine Überdachung der Aufgänge zur Poststraße ins Spiel gebracht – hieß es, dass weder diese noch andere Maßnahmen zurzeit geplant seien.

Weitere Sicherheitsmaßnahmen nicht in Sicht

Eine Überdachung der Treppe und des gegenüberliegenden Rolltreppenaufgangs, die erstmals im Dezember vergangenen Jahres vom Bürger Bund Bonn als mögliche Lösung angeregt worden war, sei aus technischer Sicht auch für die Langlebigkeit der Rolltreppen förderlich, heißt es in der Vorlage der Verwaltung aus dem Februar. Allerdings ließe sich durch ein Dach nicht gänzlich verhindern, dass die Stufen nass würden.

Als kritisch hatte die Verwaltung zudem die Störung der Sichtachse zwischen Münsterplatz und Bahnhof beurteilt. „Ein möglicher Lösungsansatz wäre nur in einer adäquaten hochwertigen Gestaltung zu suchen." Eine Idee, die offenbar bislang nicht weiter verfolgt wurde.

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