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Überfall auf Autohändler aus Troisdorf: Männer vor Gericht

Männer stehen vor Gericht : Prozessstart nach brutalem Überfall auf Autohändler in Troisdorf

Zwei Duisburger stehen wegen versuchten Mordes und besonders schwerem Raub vor dem Bonner Schwurgericht. Sie hatten im vergangenen Jahr einen Gebrauchtwagenhändler in Troisdorf lebensgefährlich verletzt.

Es waren Geständnisse, die viele Fragen aufwarfen: Vor dem Bonner Schwurgericht hat am Donnerstagnachmittag der Prozess gegen zwei Männer begonnen, die am 6. November vergangenen Jahres einen Troisdorfer Gebrauchtwagenhändler überfallen haben sollen. Die Anklage geht von einem Mordversuch aus. Über ihre Anwälte ließen sich die beiden – ein 24-Jähriger und ein 22-Jähriger aus Duisburg – gleich zu Prozessbeginn grundsätzlich geständig ein.

Gegen 19 Uhr sei er mit seinem Kompagnon in den Bürocontainer auf dem Verkaufsgelände des italienischen Autohändlers eingedrungen und hätte den Mann mit einer – allerdings ungeladenen – Pistole vom Typ Walther P1 bedroht, ließ der Ältere das Gericht über seinen Anwalt wissen. Nachdem der Mitangeklagte den Händler hinter seinem Schreibtisch hervorgezerrt und zu Boden geworfen habe, habe er sich das Bein eines bei dem Gerangel zerbrochenen Glastisches geschnappt und auf den wehrlos am Boden fixierten Händler eingeschlagen. Weil sich noch Glasreste an dem Tischfragment befanden, erlitt das Opfer schwere Verletzungen.

Auch dass er den 48-Jährigen daraufhin „zielgerichtet und um jegliche Gegenwehr auszuschließen“, wie es in der Anklage hieß, mit Tape geknebelt habe, sei zutreffend. Danach habe er dem Man noch eine „Vielzahl von Tritten und Schlägen“ verpasst. Ziel der ganzen Aktion sei es gewesen „einen bestimmten Schlüssel“ zu beschaffen. Wer ihm den Auftrag dazu gegeben hatte, wollte er aber nicht preisgeben. Einzig, dass die Vergütung insgesamt 4000 Euro betragen sollte, von denen er 2000 bereits vor der Tat als Anzahlung erhalten habe.

Sein Kompagnon habe sich nur auf seine Initiative hin an der Tat beteiligt: „Erst wollte er nicht, ich musste ihn überreden“, ließ er sich über seinen Anwalt ein. Die Hälfte seines Verdienstes habe er ihm dafür versprochen und 1000 Euro auch sofort ausgezahlt. Die einzige Beute der beiden Räuber bestand laut Anklage tatsächlich nur aus dem Wohnungsschlüssel des Opfers und einer Tasche voller Autoschlüssel. Welchen Schlüssel das Duo aber beschaffen wollte, beantwortete der Angeklagte genauso wenig, wie Fragen zu seiner Person. Im Anschluss trug der Anwalt des Jüngeren ein ergänzendes Geständnis vor. Offenbar gibt es einen Videomitschnitt von der Tat und der 22-Jährige gab zu, dass er der Mann mit den unterschiedlichen Handschuhen sei, der auf den Aufnahmen zu sehen ist. Ansonsten bestätigte er alle Angaben seines Mitangeklagten.

Vor Ort sei der relativ einfache Tatplan komplett aus dem Ruder gelaufen: Warum sie derart durchgedreht und ihr Opfer so brutal angegangen seien, könne er sich im Nachhinein nicht erklären. Insbesondere, dass er dem regungslos am Boden liegenden zum Schluss noch einen brutalen Tritt versetzt habe, tue ihm unendlich leid. Er bereue seine Tat und wolle sich entschuldigen.

Beide Angeklagte gaben übereinstimmend an, dass sie drogensüchtig seien und das versprochene Geld zum Kokainkauf nutzen wollten. Vor der Tat hätten sie eine nicht unerhebliche Menge selber konsumiert. Die Kölner Wohnung des Opfers hatten die beiden Angeklagten wohl noch am selben Abend durchsucht, abhanden gekommen soll dort aber nichts sein.

Das schwerverletzte Opfer wurde schließlich nach Zeugenhinweisen von der Polizei am Tatort gefunden, der Mann hatte neben Prellungen, Schnitt- und Schürfwunden lebensgefährliche Verletzungen am Kopf erlitten und musste mehrere Tage auf der Intensivstation behandelt werden. Die mutmaßlichen Täter wurden am 29. November in der Duisburger Wohnung des Jüngeren verhaftet. Dort fand die Polizei auch die mutmaßliche Tatwaffe sowie ein Magazin mit sieben Patronen und weitere Munition.