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Bekannte Schriftstellerin: Ulla Lenze wird Bonns neue Stadtschreiberin

Bekannte Schriftstellerin : Ulla Lenze wird Bonns neue Stadtschreiberin

Ab September lebt und schreibt die Berliner Autorin Ulla Lenze für drei Monate im Villenviertel. Der Verein Lese-Kultur Godesberg hat sie zur Stadtschreiberin gewählt.

Die Schriftstellerin Ulla Lenze wird ab September Bonns Stadtschreiberin 2020. Am Mittwoch entschied sich die Jury des veranstaltende Vereins Lese-Kultur Godesberg für die 46-jährige bekannte Autorin aus Berlin, die erfolgreich Romane u.a. bei DuMont („Schwester und Bruder“, 2003), Frankfurter Verlagsanstalt („Die endlose Stadt“, 2015) und Klett-Cotta („Der Empfänger“, 2020) publiziert. Erst kürzlich wurde Lenze der Niederrheinische Literaturpreis der Stadt Krefeld zuerkannt. Ihr neuester Roman „Der Empfänger“ ist für den Uwe-Johnson-Preis nominiert.

Man habe unter 109 Bewerbern aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählen können, erklärt Barbara Ter-Nedden für den Vereinsvorstand. „Es gab vor allem so viele gute Autorinnen darunter, dass wir den Preis gerne mehrfach vergeben hätten.“ Für Ulla Lenze habe ihr gesamtes literarisches Werk gesprochen, erläutert Ter-Nedden das Votum. Der neuen Bonner Stadtschreiberin wird von den Feuilletons etwa für ihren neuesten Roman bescheinigt, über Schuld, Moral und politische Verantwortung in brillant lakonischem und zugleich mitreißendem Stil zu schreiben. Wichtig für die Juryentscheidung sei auch gewesen, dass die in Mönchengladbach geborene Autorin aktuell an einem Projekt arbeitet, das sie wieder mit dem Rheinland verbinden soll, so Ter-Nedden.

„Mit diesem Preis geben wir Ulla Lenze die Möglichkeit, drei Monate in Bonn zu leben und zu schreiben“, erläutert Ter-Nedden. Das Stipendium beträgt 2500 Euro im Monat und soll das schriftstellerische Schaffen der Stadtschreiberin unterstützen. Der Verein stellt ihr eine Wohnung im Godesberger Villenviertel zur Verfügung. Schirmherrin des Amtes ist Bonns Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger.

Ulla Lenze selbst reagiert hoch erfreut auf die Nachricht. „Literaturstipendien sind wunderbar. Sie sind eine wichtige Form der Anerkennung, speziell in diesem Jahr, in dem aufgrund der Pandemie auch meine Lesereise komplett abgesagt werden musste“, erklärt die Autorin, die schon durch zahlreiche Stipendien und Auslandsaufenthalte etwa durch das Goethe-Institut gefördert wurde. Ein Stadtschreiberamt könne zusätzlich durch den Ortswechsel helfen, „eine neue, frische Perspektive auf die eigene Arbeit zu finden“. Und natürlich sei gerade in der Coronakrise auch die finanzielle Dimension wichtig. Sie werde die drei Monate ab September nutzen, ihr neues Buch voranzutreiben. „Und dazu ist Bonn ein sehr guter Ort, auch weil ich für das Buch in die Vergangenheit zurückgehe.“

Sie kenne Bonn und Bad Godesberg von Familienausflügen aus der Kindheit, erläutert die Schriftstellerin. „Da habe ich nur schöne Erinnerungen, Fahrten auf dem Rhein zum Drachenfels zum Beispiel. Einen Besuch im Beethovenhaus empfand ich damals als Kind als zutiefst bedeutsam“, so Lenze. Sie sei gespannt, ihre Erinnerungen mit der heutigen Stadt abzugleichen. Neben Lesungen und vielleicht einer Schreibwerkstatt werde sie die Zeit natürlich für ihr neues Buch nutzen. Außerdem reize sie es sehr, in Bonn in Schulen aufzutreten. Sie selbst habe ja auch in Musik und Philosophie auf Lehramt studiert. „Und mir gefallen die manchmal überraschenden, unzensierten Gedanken und Reaktionen junger Menschen.“