Acht Verletzte bei Zusammenstoß von Bus und Bahn Ursachensuche nach schwerem Unfall am Bertha-von-Suttner-Platz

Bonn · Nach dem Zusammenstoß eines Busses und einer Bahn am Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn mit acht Verletzten liegt ein Mann noch in der Klinik. Derweil läuft die Ursachenforschung, ermittelt wird in alle Richtungen.

 Suttner-Platz, Dienstagabend: Eine Straßenbahn der Linie 62 ist mit einem Bus kollidiert, der daraufhin in die Haltestelle geschoben wurde.

Suttner-Platz, Dienstagabend: Eine Straßenbahn der Linie 62 ist mit einem Bus kollidiert, der daraufhin in die Haltestelle geschoben wurde.

Foto: Matthias Kehrein

Nach dem schweren Unfall am Dienstagabend, bei dem am Bertha-von-Suttner-Platz eine Straßenbahn und ein Linienbus der Stadtwerke zusammengestoßen waren, laufen die Ermittlungen zu Hergang und Ursachen. Ein 21-jähriger Fußgänger, der von dem Bus getroffen wurde, wird weiterhin in der Uniklinik behandelt. Über seinen Gesundheitszustand war am Mittwoch darüber hinaus nichts zu erfahren.

Busfahrer kam die Sandkaule herab

Wie berichtet, hatte sich der Unfall am Dienstagabend gegen 21.20 Uhr am Bertha-von-Suttner-Platz ereignet. Zeugenaussagen zufolge fuhr der 26-jährige Busfahrer von der Sandkaule in Richtung Belderberg. Mitten auf der Kreuzung kollidierte er mit der von links kommenden Straßenbahn der Linie 62, die gerade von der Kennedybrücke auf den Suttner-Platz einfuhr. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass der Bus gedreht und in die Bahnhaltestelle geschoben wurde. Dort hatte der 21-jährige Mann gewartet. Vier Fahrgäste der Straßenbahn wurden bei dem Unfall leicht verletzt, ebenso der 26-jährige Busfahrer. Weil sich auch der Fahrer der Straßenbahn noch in der Nacht zur ärztlichen Begutachtung in ein Krankenhaus begeben hatte und überdies psychologisch betreut wird, stieg die Zahl der Verletzten insgesamt auf acht.

„Einen Unfall dieser Art und mit dieser Anzahl an Verletzten hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Dieses Ereignis macht uns sehr betroffen. Wir hoffen auf eine schnelle Genesung der Verletzten, vor allem des Schwerverletzten“, sagte SWB-Sprecherin Stefanie Zießnitz am Mittwoch. Die Unfallstelle hatte bis in den späten Abend hinein gesperrt werden müssen.

Keine Festlegung auf mögliche Ursachen

Unklar blieb bis auf Weiteres, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Die Frage nach möglichen Ursachen ließen die Stadtwerke am Mittwoch offen. So vermochten die Verkehrsbetriebe weder etwas über eine Störung oder Missachtung der Signalanlagen noch über mögliche Geschwindigkeitsüberschreitungen zu sagen. Busse und Bahnen dürfen auf den beiden Straßenzügen 50 Stundenkilometer fahren. Man müsse jetzt erst einmal die Ermittlungen der Polizei abwarten, sagte die SWB-Sprecherin und ergänzte: „Die Bahn wurde für die Ermittlungen sichergestellt, und der Fahrtenschreiber wird ausgewertet.“

Seit der Nacht zu Mittwoch ist die Strecke wieder für den Verkehr freigegeben, Beeinträchtigungen im städtischen Bahnverkehr gibt es seitdem nicht mehr. Allerdings hatte das Ereignis am Unfallort seine Spuren hinterlassen: So wurde das beschädigte Geländer an der Haltestelle durch mobile Absperrgitter ersetzt. Auch ein Ampelmast und eine Straßenlaterne nahmen bei dem Unfall Schaden, konnten inzwischen aber wieder in Betrieb gehen. Die Polizei hatte den entstandenen Sachschaden noch am Mittwochabend auf rund 250.000 Euro geschätzt.

Bahnen haben längeren Bremsweg

Unabhängig von den Ursachen im konkreten Fall ist der Bremsweg einer Straßenbahn generell deutlich länger als der eines Reifenfahrzeugs. So gilt die Faustregel, dass eine Straßenbahn – unter gleichen Voraussetzungen wie einer Reaktionszeit der jeweiligen Fahrer von einer Sekunde – bei einer Vollbremsung aus einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern einen um zehn Meter längeren Bremsweg zurücklegt als ein Auto oder ein Bus: Die Bahn kommt unter diesen Voraussetzungen erst nach etwa 22 Metern zum Stillstand. Der Grund liegt darin, dass bei der Bahn eben nicht Profilreifen aus Gummi im Einsatz sind. Die Stahlräder der Bahn schlittern auf den Schienen weiter – und das umso mehr, wenn Nässe oder Laub im Spiel sind.

Viele Unfälle mit Bahnen haben entsprechend mit dem längeren Bremsweg zu tun. Diese Erfahrung hatte just an derselben Stelle vor einem Jahr auch eine Streifenwagenbesatzung der Bonner Polizei machen müssen: Die Beamten waren am Suttner-Platz zunächst in Richtung Brücke gestartet und auf der Kreuzung nach links in die Sandkaule abgebogen. Dabei stießen sie mit einem Zug der Linie 66 zusammen. Die Folge: Drei verletzte Polizisten und ein zerstörter Streifenwagen.