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Unfall mit Notarztwagen in Mehlem: Beide Fahrer in Bonn vor Gericht

Fußgängerin in Mehlem tödlich verletzt : Unfall von Taxi und Notarzt: Beide Fahrer vor Gericht

Bei der Kollision eines Notarztwagens mit einem Taxi wurde im September vergangenen Jahres eine 26-jährige Fußgängerin in Mehlem tödlich verletzt. Nun sitzen die beiden Fahrer auf der Anklagebank.

Eigentlich waren sie schon auf dem Rückweg zur Wache: Auf der B9 in Mehlem erhielten die Notärztin und ihr 46-jähriger Fahrer dann plötzlich einen neuen Einsatzauftrag. Sie wurden wegen eines möglichen Schlaganfalls in Oberbachem gebraucht. Kurze Zeit später kollidierte das Einsatzfahrzeug mit einem Taxi und überschlug sich mehrmals, bevor es an einem Ampelmast zum Stehen kam. Dabei hatte es auf tragische Weise eine 26-jährige Passantin erfasst, die noch an der Unfallstelle starb. Nun hat die Bonner Staatsanwaltschaft sowohl gegen den Fahrer des Notarztwagens als auch gegen die 62-jährige Chauffeurin des Taxis Anklage wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung erhoben, wie Amtsgerichtsdirektorin Birgit Niepmann am Dienstag mitteilte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beide Fahrer zu schnell unterwegs waren. Mit rund 100 Stundenkilometern soll der Notarztwagen am 29. September vergangenen Jahres um kurz vor halb vier nachmittags von Norden kommend in die Kreuzung mit der Mainzer Straße eingefahren sein. Die Ampel zeigte Rot, und der Fahrer hatte Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet. Die Taxifahrerin soll die für sie grüne Ampel passiert haben, als sie mit dem Einsatzfahrzeug kollidierte. Offenbar traf das Taxi – eine Mercedes-Limousine – das Einsatzfahrzeug vorne links. Dieses soll daraufhin nach rechts gekippt sein und sich mehrfach überschlagen haben. Die beiden Insassen wurden schwer verletzt, der Fahrer sogar eingeklemmt. Offenbar konnte die Notärztin aber trotz blutender Wunden und starker Schmerzen im Becken das Fahrzeug aus eigener Kraft verlassen.

Der verunglückte Notarztwagen in Mehlem im September 2018. Foto: Axel Vogel

Ob es weitere Verletzte gebe, soll sie darauf hinzugeeilte Passanten gefragt haben. „Da liegt noch jemand“, antwortete eine Person und wies auf die schwerstverletzte Fußgängerin. Weder die verletzte Ärztin noch ein später eintreffender Kollege konnten aber verhindern, dass die Frau noch am Unfallort verstarb. Die Polizei hatte die Unfallstelle für die Unfallaufnahme bis in die Nacht hinein gesperrt. Erst um kurz nach halb elf wurde die Kreuzung wieder freigegeben. Zuvor hatten sich dort zum Teil dramatische Szenen abgespielt, offenbar traf auch der Ehemann des Unfallopfers kurz nach dem Unfall ein. Mehrere Personen wurden noch an der Einsatzstelle von Notfallseelsorgern betreut. Die Taxifahrerin sagte wohl zunächst, sie sei unverletzt, klagte dann aber ebenfalls über Schmerzen in der Brust. Die drei Überlebenden wurden nach dem Unfall in ein Krankenhaus gebracht.

Bei dem Einsatzwagen – einem VW-Bus T5 – handelt es sich um ein sogenanntes Notarzteinsatzfahrzeug (NEF). Das dient der präklinischen Versorgung von Notfallpatienten und bringt den Notarzt zum Einsatzort. Bei dem in Nordrhein-Westfalen üblichen Rendezvous-System treffen sich NEF und der Rettungswagen für den Patiententransport erst am Einsatzort.