1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Ungewisse Zukunft: "Klösterchen" in Kessenich steht seit Monaten leer

Gebäude steht seit November leer : Zukunft des „Klösterchens“ in Kessenich ist ungewiss

Seit November vergangenen Jahres steht das „Klösterchen“ in Kessenich leer. Was mit der Immobilie genau passiert, ist noch unklar. Anwohner fragen sich, ob Teile des Gebäudes und die Kapelle nicht unter Denkmalschutz stehen.

Das „Klösterchen“ in Kessenich war in Bonn über Jahrzehnte hinweg eine feste Institution in der medizinischen Versorgung. Besonders in den 1950er und 1960er Jahren genoss das kleine Krankenhaus am Venusberghang zwischen Rosenburg und Nikolausstraße einen guten Ruf als Entbindungsklinik. Nicht nur aus der Stadt, sondern auch aus dem Umland kamen Schwangere, um dort ihre Kinder zur Welt zu bringen. Die Babys konnten bereits wenige Tage nach der Geburt in der kleinen Kapelle auf dem Grundstück getauft werden. Heute gehört das Sankt-Franziskus-Hospital (so der offizielle Name) seit der Fusion des St. Marien-Hospitals in Poppelsdorf mit dem St. Josef-Hospital in Beuel und dem Cura Krankenhaus Bad Honnef zu den GFO Kliniken.

Geburtshaus, Klinik für internistische oder psychosoziale Behandlungen sowie Sozialstation: Das Haus hinter der massiven Steinmauer hat eine wechselvolle Geschichte. Seit einiger Zeit steht das Gebäude allerdings leer und der Durchgang vom kleinen Parkplatz vis-à-vis des Denkmals für die Gefallenen aus dem Ort ist versperrt. Im November des vergangenen Jahres hat die Gemeinschaftsklinik den Standort in Kessenich aufgegeben. Zuvor wurden dort psychosomatische Krankheiten diagnostiziert und behandelt sowie Psychotherapie angeboten.

Eigentümer sind Kirche und Klinik gemeinsam

„Wir würden gerne wissen, was aus dem ehemaligen Klösterchen wird“, sagt Alfred Kerger, der in direkter Nähe des kleinen Krankenhauses lebt. Nicht nur die Nachbarschaft interessiere sich dafür, sondern auch Spaziergänger beäugen mit Interesse die Entwicklung. „Schade, dass das Haus jetzt leer steht“, meint Dorothea Jüp, die fast täglich mit ihrem Hund dort unterwegs ist. „Wenn sich nicht bald etwas ändert, dann verfällt das Haus mehr und mehr und wird am Ende wohl nicht mehr erhalten werden können.“

Eigentümer des Areals sind Kirche und Klinik gemeinsam. „Das Grundstück gehört anteilig der GFO und der katholischen Kirche“, erklärt Kliniksprecherin Eike Pawelko. „Im Zuge der Zusammenführung der Fachabteilungen Psychosomatik, Psychiatrie und Psychotherapie zu einer für den rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis einzigartigen, gemeinsamen Fachabteilung an den GFO Klinken Troisdorf wurde die Abteilung nach Troisdorf verlagert“, ergänzt sie. Zuvor konnten im Klösterchen bis zu 40 Patienten stationär behandelt werden.

Was mit der Immobilie passiert, steht noch nicht fest

Was mit der Immobilie genau passiert, steht derzeit noch nicht fest. Zwar gab es immer wieder Interessenten für das Areal, aber „das Grundstück steht nicht zum Verkauf“, betont Pawelko auf GA-Anfrage. „Wir haben noch keine konkreten Pläne zur weiteren Nutzung. Wenn, dann erfolgen diese Pläne in enger Abstimmung mit der Gemeinde“, so die Kliniksprecherin.

Allerdings fragen sich viele im Ort, ob Teile des Gebäudes und die Kapelle nicht unter Denkmalschutz stehen. Denn dann könnten bauliche Veränderungen nur in enger Abstimmung mit den Behörden erfolgen. „Das Eintragungsverfahren ruht, da der fachliche Austausch über einen möglichen Schutzumfang kapazitätsbedingt zurückgestellt werden musste und zudem noch kein akuter Handlungsbedarf erkennbar ist“, erklärt das Presseamt auf eine GA-Anfrage zum Denkmalschutz. Den wünschen sich allerdings viele im Ort. „Das Klösterchen ist und bleibt eine Institution hier im Ort“, sagt ein Anwohner aus der Karthäuserstraße.

Viele verbinden das „Klösterchen“ allerdings auch nach knapp 65 Jahren mit einem besonders tragischen Ereignis: Am 14. Dezember 1956 starben dort bei einem Brand auf der Wöchnerinnenstation fünf Säuglinge. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, so ermittelte damals die Staatsanwaltschaft, hatte zu der Tragödie geführt. Dieses traurige Ereignis beschäftigte die Kessenicher sehr lange. „Dieser Vorfall war erschütternd und schmerzlich“, kommentierte der damalige Pfarrer Jansen von der Nikolausgemeinde. „Wir alle haben den Schmerz der Eltern zutiefst mitempfunden“, wurde er in der Zeitung zitiert.