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Ein Freund auf vier Rädern: Ungewöhnliche Feier in Röttgen

Ein Freund auf vier Rädern : Ungewöhnliche Feier in Röttgen

Burkhard Muschner und sein VW Käfer sind seit 40 Jahren gemeinsam auf Achse. Zur Feier dieser innigen Verbundheit feierte Muschner mit 130 Gästen.

Der Jubilar hat vier Reifen, eine graphitfarbene Karosserie und den Motor unter der Heckklappe. Einen Namen hat ihm sein Besitzer Burkhard Muschner nie gegeben. Und doch ist die Beziehung zwischen den beiden eine ganz besondere.

Der Röttgener Muschner feierte jetzt den runden Geburtstag seines VW 1303 Cabriolets – besser bekannt unter dem Namen „Käfer“ –, für das er an dem Tag vor exakt 40 Jahren die Zulassung erhielt. Dafür kamen rund 130 Gäste, darunter viele alte Wegbegleiter des Cabriolets, die von den „Semmel's Hot Shots“ musikalisch unterhalten wurden.

Muschner ist Erstbesitzer des Käfers

Man trifft nicht viele Menschen, die Erstbesitzer eines Oldtimers sind. Dieser langen Freundschaft, erzählte Muschner, ging ein Abend im „Pub“ voraus, einer damals populären Bonner Altstadtkneipe. Dort wies ihn ein Freund darauf hin, dass ein befreundeter Autohändler am Tresen stand, der noch ein VW Cabriolet auf Lager hatte. Muschner, damals 33 Jahre alt, nahm Kontakt auf und kam so an dieses Schmuckstück, das damals noch sepiabraun lackiert war und über „Extras“ verfügte, die heute Pflicht oder zumindest selbstverständlich sind: Drei-Punkt-Sicherheitsgurte und verstellbare Kopfstützen.

Die beiden waren sehr viel zusammen unterwegs. Mal die Baumschulallee rauf und runter, während Simon & Garfunkels „Bridge over Troubled Water“ aus dem Kassetten-Autoradio schallte. Und sehr oft nach Frankreich, quer durch das Land von Nord nach Süd und immer wieder zum Mont Ventoux, einem hohen Berg in der provenzalischen Alpen.

Im Autokorso durch Frankreich

„Da haben wir gerne die kleinen französischen Bergdörfer aufgesucht und Boule gespielt“, so der Rentner, der später den Bonner Boule-Club mitgründete. „Am Mont Ventoux kennt mein Wagen jeden Stein und jeden Winzer.“

Muschner verlegte sich später auf Fernreisen: Nach Tokio, New York oder Afrika konnte er den VW nicht mitnehmen. Nach der gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaft 1990 veranstalteten er und seine Freunde in Frankreich einen Autokorso mit Deutschlandfahne, fast schon revolutionär damals.

Die letzte größere gemeinsame Reise führte ihn und sein Auto in die ehemalige DDR: Nach dem Mauerfall durchquerte der leitende Regierungsdirektor a. D. dieses Teil des Landes inklusive gemeinsamer Silvesterfeier am Brandenburger Tor. Inzwischen gönnt Muschner seinem Wagen im wahrsten Sinne den Ruhestand, unternimmt nur noch gelegentlich längere Fahrten, aber nie über die Autobahn. Der Volkswagen kommt auch für größere Einkäufe gelegentlich zum Einsatz, ansonsten fährt der Halter vorwiegend mit dem Bus und der Bahn.

Das Kunststoffdach des Cabriolets hat er durch ein weißes Segeltuchverdeck ersetzt. Das Auto hat den dritten Tacho eingebaut, wie viele Kilometer der Wagen gefahren ist, hat sich Muschner ganz bewusst nicht gemerkt. Für die grüne Umweltplakette braucht er einen Katalysator. Sonst hat er an dem Fahrzeug wenig machen lassen.

Und das Auto hat inzwischen das „H“ für historisches Fahrzeug auf dem Kennzeichen. Das sei aber schwer zu bekommen gewesen. Das Problem: „Den Wagen versichert keiner.“ Denn solche Fahrzeuge würden nur als Zweitwagen versichert, Muschner hat aber nur diesen. Als er der Versicherung mit Ärger drohte, einigte man sich auf einen Kompromiss: Muschner sollte seine ÖPNV-Monatskarten vorzeigen. Bus und Bahn sind jetzt quasi als Hauptfahrzeug eingetragen.