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Uni Bonn: Forschungsbau soll ohne Architektenwettbewerb errichtet werden

Campus Poppelsdorf : Uni Bonn will Forschungsbau ohne Architektenwettbewerb errichten

Ein geplanter Neubau der Uni am Poppelsdorfer Katzenburgweg sorgt bei der Politik für Ärger. Dabei geht es um einen nicht vorgesehenen Architektenwettbewerb und Fördergelder.

Unmittelbar angrenzend an den Nutzpflanzengarten der Botanischen Gärten soll ein Neubau für die Universität entstehen, wo heute alte Sattelbauten der Landwirtschaftlichen Fakultät stehen. Der Bonner Planungsausschuss hat sich mit dem Vorhaben am Dienstagabend erstmals befasst und war wenig erfreut von den Details der Verwaltungsstellungnahme. Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn nahm das Wort „Erpressung“ in den Mund. Frank Fremerey von der Volt-Fraktion sagte, das NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerium setze nicht nur der Universität und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb als Bauherrn, sondern auch den Kommunalpolitikern „die Pistole auf die Brust“. Der Vorsitzende des Städtebaubeirats, Rolf Westerheide, blieb diplomatisch. Er sprach von „Irritationen“.

Stein des Anstoßes: Aus der städtischen Beschlussvorlage, die letztlich denn doch gegen die Stimme des BBB und bei Enthaltung der Linken eine breite Mehrheit fand, ging die Verwaltungsempfehlung hervor, Baurecht auf dem Areal zwischen Katzenburgweg und Verlängerung der Karlrobert-Kreiten-Straße in Poppelsdorf ohne einen vorgeschalteten, sonst üblichen Architektenwettbewerb zu schaffen. Gabriel Kunze von der SPD erinnerte allerdings daran, dass „der Universität erhebliche Fördergelder verloren gehen, wenn wir der Befreiung nicht zustimmen“. Eine hohe Bauqualität wäre in die Ausschreibungsunterlagen mit hineinzuschreiben, „um am Ende doch einen guten baulichen Entwurf zu bekommen“, sagte der Planungssprecher der CDU, Bert Moll.

Bonns Planungsamtsleiterin Petra Denny hatte ausgeführt, dass das Ministerium die erheblichen Fördergelder an die Bedingung knüpfe, keine solchen Wettbewerbe durchzuführen, um die Projektziele nicht zu gefährden. Eine GA-Nachfrage zu diesem Punkt beantwortete das Ministerium am Mittwoch nicht. Die Uni hat im Februar bereits einen Förderantrag für die Förderphase ab 2024 gestellt. Die Projektkosten von 71,5 Millionen Euro ist das Land bereit, mit 90 Prozent zu unterstützen. Durch eine Öffnungsklausel sei es möglich, von Architektenwettbewerben abzusehen, wenn „vor allem wirtschaftlich nicht vertretbare Auswirkungen absehbar sind“, heißt es in der Verwaltungsstellungnahme. Einer im März von der Uni beantragte Befreiung von einem Wettbewerb schlage man deshalb vor zu folgen.

Alternativweg: Verhandlungsverfahren für Planungsleistungen

Der BLB als Bauherr skizziert als möglichen Alternativweg, ein Verhandlungsverfahren für Planungsleistungen zu vollziehen und einen Generalplaner mit der Vergabe zu beauftragen. Die Gestaltungskriterien könnten Stadt und BLB gemeinsam festlegen. Drei „geeignete Bieter“ sollen dann Vorschläge zu den Punkten städtebauliche Einbindung, Architektur und Funktionalität der Labore unterbreiten. Vertreter von Stadt und Städtebaubeirat und Denkmalpflege könnten sich zu den vorgelegten Entwürfen äußern.

Der Forschungsbau soll nach Auskunft der Universität dazu dienen, gemeinsame Forschungsprojekte mit dem Fokus auf eine nachhaltige Pflanzenproduktion zu ermöglichen. So wolle sie die Lücke zwischen der Forschung auf molekularer, pflanzlicher und feldbezogener Ebene schließen und das Ziel verfolgen, einen grundlegenden Wandel der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit zu fördern.

Bereits heute sei auf dem Campus Poppelsdorf das Exzellenzcluster PhenoRob der Uni untergebracht, das sich mit Robotik und Phänotypisierung für Nachhaltige Nutzpflanzenproduktion beschäftige. Die Förderung für dieses Projekt gehe bis 31. Dezember 2025, eine zweite siebenjährige Förderperiode strebe die Uni an. „Der Forschungsbau wird wesentlich dazu beitragen, diese Förderung zu erhalten, sagte Uni-Sprecher Andreas Archut: „Derzeit sind die Forschungsteams des Clusters dezentral an verschiedenen, weit auseinanderliegenden Standorten untergebracht. Der Forschungsbau schafft optimale Rahmenbedingungen für die Forschenden und hilft damit, das Exzellenzcluster über die erste Förderperiode hinaus zu erhalten und so Arbeitsplätze und Expertise langfristig zu sichern.“