Raum für Erholung und Behandlung Uniklinik Bonn weiht „Generationenwald“ auf dem Venusberg ein

Bonn · Mitten auf dem Venusberg-Campus des Universitätsklinikums Bonn liegt ein kleines Waldstück. Nachdem es über Jahrzehnte der Natur überlassen wurde, nutzt das UKB den „Generationenwald“ nun zur Erholung und sogar Behandlung.

 Ein Paar spaziert durch den neuen "Generationenwald" des UKB. Ein Ort der Entspannung für Patienten, Besucher und Personal.

Ein Paar spaziert durch den neuen "Generationenwald" des UKB. Ein Ort der Entspannung für Patienten, Besucher und Personal.

Foto: Stefan Knopp

Eine Mutter spaziert mit zwei Kindern durch das Wäldchen, liest sich die Infotafeln durch. Ein betagtes Ehepaar, Patient und Besucherin, spaziert die Wege entlang, sie genießen einfach die Ruhe und die Natur. Und auf einer Bank entspannt sich eine Mitarbeiterin des Universitätsklinikums Bonn. Schauplatz ist der "Generationenwald", der am Dienstag eingeweiht wurde.

„Ich bin im zwölften Jahr hier“, erzählte Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKB. „Als ich kam, war ich begeistert von diesem Campus. Aber ich habe auch gesehen, dass es diesen Binnenwald gab. Ich fand es merkwürdig, dass der gar nicht zugänglich war.“ Das wollte er schon die ganze Zeit über ändern, und vor zwei Jahren hat er dieses Projekt angestoßen. Alleine konnte das Klinikum das aber nicht stemmen. Mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und der NRW-Stiftung fanden Holzgreve und sein Team spendable Partner.

Vertreter beider Organisationen besichtigten das Wäldchen. Der Präsident der NRW-Stiftung Eckhard Uhlenberg lobte, dass der Wald stehen gelassen wurde, statt dien Fläche auch zu bebauen. Ihm zufolge hat seine Stiftung 30.000 Euro zugeschossen – da sie die aber nicht direkt an die Bonner Universität geben durfte, kooperierte sie mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft, die als Projektträger auftrat und bei der Planung und Umsetzung viel Fachwissen einbrachte. Wichtig war, die verwilderte 1,3 Hektar große Waldfläche so weit wie möglich als natürlichen Lebensraum zu erhalten, zugleich aber einen Erholungsraum für Patienten, Besucher und Klinikpersonal zu schaffen. Auch sollte es nicht allzu pädagogisch daherkommen, aber man hat doch einige Infotafeln zu Vogelarten, Insekten, Totholz und Feuchtbiotopen – auch kleine Tümpel wurden am Waldrand angelegt – sowie zum Wald als Erholungsort aufgestellt.

Also wurden Wege angelegt – bei der ersten Begehung hatte Charlotte Kaspari, Leiterin des Facility Managements des UKB, Pfade vorgefunden, konnte aber nicht sagen, ob sie durch die Tierwelt entstanden oder von Menschen geschaffen worden waren. Und im September letzten Jahres hatte ihr Team gut 2000 neue Pflanzen eingebracht, welche die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft zu ihrem 20-jährigen Bestehen geschenkt hatte und die laut dem Vorstandsvorsitzenden Bernhard Conzen „der natürlichen Umgebung entsprechen“, also der Flora im Kottenforst. Dem Geschäftsführer der Stiftung Thomas Muchow zufolge könne man dort mindestens zwölf Vogelarten singen hören, und viel Totholz habe man als Lebensraum und Verstecke für Tiere liegen gelassen – im Zentrum ist das Wäldchen nach wie vor verwildert und soll auch so bleiben.

Der gute Einfluss der Natur auf das Genesen sei inzwischen wissenschaftlich erwiesen, sagte Holzgreve. Andrea Döring-Ruppert und Christian Schleichert, Pflegekräfte an der benachbarten UKB-Psychiatrie, machen sich das auch zunutze, für „Waldbaden“, Achtsamkeitsübungen und den Aufbau von Beziehungen beim Spaziergang. Die Umgebung bewusst wahrnehmen, Baumrinde fühlen, den Moment genießen: „Die Patienten haben viele Probleme, die auf ihnen lasten“, so Schleichert. Im Generationenwald können sie und alle anderen Nutzer abschalten.