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Unwetter in Ahrweiler: Hilfe aus Bonn nach dem Unwetter

Hilfe nach dem Starkregen : Wie den Unwetteropfern in Bonn geholfen wird

Die Hilfsbereitschaft in Bonn ist riesig. Mehr als 1000 Menschen haben sich bei der Stadt gemeldet und wollen Hochwasseropfern ein Quartier bieten. Senioren aus überfluteten Pflegeheimen in Bad Neuenahr haben bereits in Bonner Hotels eine Unterkunft gefunden.

An Tag zwei nach der Hochwasserkatastrophe mit vielen Toten an Ahr und Erft erreicht die Menschen dort eine Welle an Hilfsangeboten. In Bonn, wo das Unwetter am Mittwoch lediglich Sachschäden angerichtet hat, haben sich mittlerweile nach einem Aufruf der Stadt mehr als 1000 Bürger gemeldet, die Menschen aufnehmen wollen, die kein Dach mehr über dem Kopf haben.

Darunter sind auch Bonner Hotels wie der Königshof an der Adenauerallee. Dort sind rund 50 Seniorinnen und Senioren untergekommen, die aus einem Pflegeheim in Bad Neuenahr evakuiert werden mussten. Auch das Hilton am Rheinufer beherbergt aktuell Evakuierte aus einer überfluteten Senioreneinrichtung.

Ausnahmezustand am Uniklinikum Bonn

Ausnahmezustand auch am Uniklinikum Bonn (UKB) auf dem Venusberg: Mehr als 50 Patienten mit teils schweren Verletzungen haben Krankenwagen und Rettungshubschrauber bisher aus den Katastrophengebieten ins UKB transportiert, berichtet Professor Christof Burger vom Chirurgischen Zentrum des UKB. „Die Verletzungen reichen von Schnittwunden an Armen und Beinen, Knochenbrüchen, Herzinfarkten bis hin zur Unterkühlung“, schildert der Mediziner den Zustand vieler Patienten. Weil manche Betroffene lange in ihren Häusern, zum Teil auch auf den Dächern der Gebäude sitzend, ausharren mussten, bis Hilfe kam, waren ihre Wunden zum Teil auch so verschmutzt, dass sie zunächst noch nicht vernäht werden konnten. Glücklicherweise habe die Uniklinik bislang unter diesen Patienten noch keinen Toten zu beklagen. „Wir rechnen, dass die nächsten Tage weitere Patienten eintreffen werden“, sagte Burger.

Die meisten Patienten kamen und kommen vornehmlich aus den betroffenen Gebieten im Kreis Ahrweiler, Rhein-Sieg-Kreis und aus dem Kreis Euskirchen. „Sie wurden zum Großteil mit dem Rettungsdienst oder vom Technischen Hilfswerk zu uns transportiert. Unsere Teams waren dafür rund um die Uhr im Einsatz“, ergänzt Professor Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKB. Sein Klinikum habe das Unwetter unbeschadet überstanden. Im Falle eines Falles verfüge das UKB über eine ausreichende Anzahl von Notstromaggregaten, mit denen alle kritischen Bereiche der Patientenversorgung am UKB abgesichert seien, versichert er. „Daneben verfügt das UKB auch noch über ein mobiles Notstromaggregat, das bei Bedarf auf dem Gelände aufgestellt werden kann."

50 Senioren in Bonner Hotel eingetroffen

Im Ameron Hotel Königshof sind inzwischen rund 50 Senioren eingetroffen. Ein Reisebus hat sie aus ihrem bisherigem Domizil in Bad Neuenahr in die Bundesstadt gebracht, berichtet Hoteldirektor Florian Pick. Viele hätten nur noch das Nötigste zusammenraffen können, was gerade in eine Tüte passt. Eine Frau sei gar mit leeren Händen, nur mit einem Nachthemd bekleidet und in Pantoffeln eingetroffen.

Mitarbeiter des Hotels seien mit der Leiterin des Pflegeheims deshalb gleich losgezogen, um in der Innenstadt Kleidungsstücke, Unterwäsche und Hygieneartikel zu besorgen. „Ich bin so stolz auf mein Team“, freut sich der Hoteldirektor über die spontane Hilfsbereitschaft seiner Mitarbeiter. Weil einige der neuen Hotelbewohner pflegerische Unterstützung benötigten, seien nun auch Mitarbeiter des Pflegeheims eingetroffen. Verpflegt werden die Senioren durch die Hotelküche, so Pick. „Das Küchenteam ist flexibel und kann sich auf alle Bedürfnisse einstellen.“ Gegessen wird in Veranstaltungssälen, die die Hotelmannschaft im Handumdrehen in Speisesäle umgewandelt hat. Wie lange die Betroffenen noch im Hotel Königshof bleiben können, sei derzeit noch ungewiss. „Hauptsache ist doch, sie sind erst einmal in Sicherheit“, so der Direktor.

Viele der Bewohner sind hochbetagt und von den Geschehnissen sehr mitgenommen, sagt Pick. Er ist deshalb froh, dass die katholische und evangelische Kirche in Bonn umgehend die Notfallseelsorge übernommen haben. „Wir werden in den Gemeinden tun, was wir können, um die Evakuierten auch seelsorglich zu begleiten. Man kann sich vorstellen, dass viele traumatisiert sind und entsprechenden Beistand benötigen“, sagt Stadtdechant Wolfgang Picken. Beide Kirchen haben ebenfalls Abfragen gestartet, welcher Wohnraum in den Gemeinden kurzfristig zur Verfügung gestellt werden kann.

Superintendent Dietmar Pistorius hat sich diesbezüglich unmittelbar an seine Amtskollegen der Kirchenkreise Bad Godesberg-Voreifel, An Sieg und Rhein sowie Koblenz, zu dem auch das Gebiet an der Ahr gehört, gewandt. Die Wohlfahrtsverbände beider Kirchen – Caritas und Diakonie – haben zudem Spendenkonten für die Menschen in den Katastrophengebieten eingerichtet. Für Sonntag laden die Kirchen in Bonn alle Menschen, die einen Ort suchen, um Trauer und Anteilnahme angesichts der Unwetterkatastrophe miteinander zu teilen, zu einem zentralen ökumenischen Gebet ab 16.30 Uhr in der Namen-Jesu-Kirche, Bonngasse 6, ein.

Spontane Hilfe mit Trinkwasserkanistern

Einer, der spontan als privater Helfer losgezogen ist, ist Giacomo Zucca. Der 32-jährige Bonner ist viel mit seinem Rennrad im Ahrtal unterwegs, für ihn ist die Gegend sein zweites Zuhause, sagt er. Zumal auch die Schwiegereltern in Niederzissen wohnen und vor acht Monaten seine Tochter im Krankenhaus in Bad Neuenahr zur Welt gekommen ist. Mit einem Freund hat er am Freitagmorgen 180 Liter Trinkwasser in Kanistern und Kleidung zu einer Bekannten seiner Schwiegereltern nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gebracht, weil auch sie und die gesamte Nachbarschaft vom Hochwasser stark betroffen sind und zurzeit weder Trinkwasser noch Strom haben. „Es ist schon krass, wie das hier aussieht“, sagte er dem GA am Telefon hörbar fassungslos.

Die Stadt Bonn meldete am Freitagnachmittag, dass mittlerweile mehr als 1000 Angebote von Privatpersonen und von Hotels zur Unterbringung vorliegen. Mehr benötige man zurzeit nicht. Am Wochenende stünden zahlreiche Beschäftigte der Stadtverwaltung bereit, um Unterkunft Suchende und Anbietende zusammenzubringen. „Wir sind überwältigt von der Vielfalt und der Fülle der Angebote“, sagte Oberbürgermeisterin Katja Dörner. Auch die Bonner Feuerwehr sei im Bundesland übergreifenden Einsatz. „Wir haben dort von Beginn an geholfen und werden das auch mindestens noch einige Tage fortsetzen“, verspricht Feuerwehrchef Jochen Stein.

Menschen, die durch das Unwetter in Not geraten sind und eine Unterkunft suchen, können sich bei der Stadt Bonn unter der Telefonnummer 0228/ 771000 melden.