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Unwetter in Bonn und Rhein-Sieg-Kreis könnte sich wiederholen

Unwetter in Bonn und der Region : Warum sich das Gewitter von Mittwoch wiederholen könnte

Das Unwetter, das am Mittwochabend über Bonn und Teile des Rhein-Sieg-Kreises fegte, war außergewöhnlich - aber nicht unbedingt einzigartig. Warum sich das Schauspiel wiederholen könnte, erklärt Wetterexperte Karsten Brandt.

Die Stärke, in der sich das Unwetter am Mittwoch über manche Teile von Bonn und Umgebung entladen hatte, könnte sich in diesen Tagen theoretisch wiederholen, so der Bonner Klimatologe Karsten Brandt. Am Mittwochabend hätten sich mehrere Gewitterzellen zu einem System vereint, dessen Folgen dann bei dem Hitzegewitter zu spüren gewesen seien.

Bis Anfang der kommenden Woche verändere sich diese tropische Wetterlage nicht, da die Luft über den Benelux-Staaten und Frankreich wortwörtlich stehe. „Diese Zellen sind wie Luftblasen in einem Kochtopf“, sagt Brandt. Was sich abends abregne, würde die Sonne am Vormittag wieder verdunsten lassen und in die Luft bringen, erklärt der Wetterexperte.

Welche Bereiche das Unwetter heftig trifft, entspringe einer gewissen Zufälligkeit. Entscheidend für die Schwere der Schäden sei nicht unbedingt die Wassermenge gewesen. Diese lag am Mittwoch bei 40 Litern pro Quadratmeter. „Da haben wir in der Vergangenheit schon Schlimmeres gehabt“, meint Brandt. Dreiviertel der Regenmenge habe sich in der Zeit zwischen 18 und 19 Uhr ergossen.

„Das passiert vielleicht alle zehn Jahre“

Viel bemerkenswerter sei der Wind gewesen. Böen mit bis zu 84 Stundenkilometern in der Spitze, das entspricht Windstärke 9 oder auch „voller Sturmstärke“. Diese dauerten zwar nur zwei bis drei Minuten an, die verheerenden Konsequenzen sind aber in den Wäldern wie zum Beispiel im Kottenforst zu sehen. „Dort sieht es aus wie nach einem Herbststurm. Das ist für einen August sehr selten, das passiert vielleicht alle zehn Jahre“, sagt Brandt. Der Wind, der das Gewitter möglicherweise weiterbefördert hätte, fehlte jedoch, was die Auswirkungen nochmal verstärkte.

Dass die Bäume in Bonn dringend Wasser benötigen, wird im Hofgarten oder am Rheinufer deutlich. Ob das Gewitter etwas gebracht hat? „Das war viel zu spät“, sagt Brandt. Der Starkregen fließe hauptsächlich oberflächlich ab und führe eher zu großen Problemen. Der „Trockenstress“, den die Bäume mit der Hitzewetterlage seit Anfang August ertragen müssten, sei damit nicht besänftigt. Durch die Regenmassen käme es viel eher zu Erosionen. „Viele Bäume werden sterben“, sagt Brandt. Der Sommer war zuvor schlichtweg zu trocken, weshalb man sich nicht von einer späteren Niederschlagsbilanz irritieren lassen dürfe, wenn es jetzt viel regne.