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Unwetter und Gewitter in Bonn: Wie verhalte ich mich richtig?

Aufgeheizte Luft : Warum es in Bonn und der Region derzeit zu starken Gewittern kommt

Nachdem am Wochenende mehrere Gewitter über Bonn und die Region gezogen sind, bleibt das Wetter auch zum Wochenbeginn weiter unruhig. Der GA erklärt, warum es derzeit zu Unwettern in Bonn und der Region kommt und wie man sich bei Gewitter verhalten sollte.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte am Montag erneut vor schauerartigem Regen, aber auch vor vereinzelten Gewittern mit Starkregen und Hagel. Schon am Wochenende in der Nacht zu Sonntag entlud sich der Himmel nach der Hitze der vergangenen Tage mit Gewittern und Starkregen über Bonn und der Region. Alleine im Rhein-Sieg-Kreis rückte die Feuerwehr zu 130 Einsätzen aus. Am Bonner Hauptbahnhof sorgte das Unwetter für einen Stromausfall.

Das Unwetter am Wochenende war typisch für diese Zeit im Jahr, sagt der Bonner Wetterexperte Dr. Karsten Brandt von der Donnerwetter.de GmbH. Die Luft hatte sich in den vergangenen Tagen extrem aufgeheizt. In die subtropische Luft drang dann die wesentlich kühlere Luft vom Atlantik ein und ließ das starke Gewitter entstehen. „Das ist nicht nur bei uns so, sondern ein mitteleuropäisches Phänomen, das normalerweise Ende Mai, Anfang Juni zu beobachten ist“, sagt Brandt. Der große Temperaturunterschied zwischen der subtropischen und der atlantischen Luft, viel Feuchtigkeit und auch die Tageszeit, wann sich das Gewitter entlädt, sind entscheidend für dessen Stärke. Entlade es sich wie am Wochenende gegen Nachmittag oder Abend, sei es meist wesentlich stärker als am Vormittag.

„Das Gewitter in der Nacht zu Sonntag war spektakulär. Es war sehr blitzreich und die Regenmenge hat sich in den einzelnen Regionen stark unterschieden“, sagt Brandt. Während westlich des Rheins in der Region und in der Eifel 10 bis 15 Liter pro Quadratmeter gefallen sind, waren es in Bonn 25 Liter und entlang der Linie vom Siebengebirge bis nach Much 80 bis 90 Liter.

Für die kommenden Tage sei es laut Brandt eher unwahrscheinlich, dass es wieder zu einem so starken Gewitter komme. „Die Luft hat sich abgekühlt und bleibt bis circa Donnerstag auch kühl. Erst am Wochenende wird es wieder wärmer, dann kann es auch wieder Gewitter geben.“ Bis Ende Juli sind starke Gewitter typisch, so der Wetterexperte, weil dann die Sonneneinstrahlung wegen der Länge der Tage am höchsten ist. Und je stärker sich die Luft erwärmt, desto höher sei die Gewittergefahr.

Mehr als zwei Millionen Blitze werden in Deutschland nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) jährlich registriert. Die meisten davon sind sogenannte Wolkenblitze, von denen keine Gefahr ausgeht. Erdblitze dagegen, die – wie der Name schon sagt – aus den Wolken in die Erde gehen und von denen zwischen 200.000 und 400.000 jährlich niedergehen, haben es in sich. Schließlich kann ein Blitzschlag eine Stromstärke von bis zu 40.000 Ampere erreichen.

So verhält man sich bei Gewitter im Freien

„Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen“ – so lautet eine alte Volksweisheit zum Schutz vor Gewitter. Dieser sollte man allerdings nicht folgen. Bäume stellen immer eine mögliche Gefahr dar, da Blitze meistens in den höchsten Punkt der Umgebung einschlagen – egal, um was für einen Baum es sich handelt. Daher sollte man sich von hohen Bäumen ebenso wie von Masten oder ähnlichem fernhalten.

Auch sich flach auf den Boden zu legen hilft nicht. Zwar bietet ein liegender Mensch wenig Erhöhung, dafür jedoch sehr viel Angriffsfläche. Besser ist es, sich möglichst klein zu machen: Füße zusammen, in die Hocke gehen und die Beine umfassen. Wer ein Fahrrad dabei hat sollte dies zudem besser abstellen und ein wenig abseits Schutz suchen, da das Metall des Rahmens ebenfalls anziehend wirken kann.

Sollte man beim Baden vom Unwetter überrascht werden, heißt es: Raus aus dem Wasser! Seen, Freibäder und sonstige Gewässer sind bei beginnendem Gewitter besonders gefährlich, da Wasser ein besonders guter Leiter von Strom ist.

So verhält man sich bei Gewitter im Gebäude

Grundsätzlich ist man in festen Gebäuden sicher. Da für Wohnhäuser in Deutschland jedoch keine Blitzableiter-Pflicht besteht, gilt es auch hier einige Dinge zu beachten. In Häusern ohne Blitzschutz sollten elektrische Geräte ausgeschaltet oder noch besser vom Strom genommen werden, da sie leicht kaputt gehen. Wer auf Nummer sicher gehen und seine Geräte dennoch weiter nutzen möchte, kann einen Überspannungsschutz direkt am Stecker installieren. Mobile Elektroteile können natürlich auch ohne diese Sicherung weiter in Betrieb bleiben. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass neben dem Mobilteil noch eine Telefonbasis oder ein Router existieren, die wiederum direkt mit dem Strom verbunden und somit gefährdeter sind.

So verhält man sich bei Gewitter in Auto, Bahn und Flugzeug

Auto, Bus oder Bahn bieten Schutz vor Unwettern, da sie einen faradayschen Käfig bilden. Da sie genau wie Flugzeuge aus Metall bestehen, leiten sie die Energie eines Blitzes – aber nicht nach innen. Solange die Fenster geschlossen sind, kann hier nichts geschehen.

(ga)