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Unwetter und Starkregen in Bonn: So groß sind die Schäden

Unwetter : Das sind die Schäden nach dem Starkregen in Bonn

Verglichen mit der Katastrophe im Umland sind die Schäden des Unwetters in Bonn gering geblieben. Vollgelaufene Keller, Stillstand am Hauptbahnhof und erneute Schäden im Maximiliancenter sowie an städtischen Gebäuden sind die Folge.

Während im Umland Menschen um ihr Leben kämpften, hatte sich die Lage in Bonn bereits am späten Mittwochabend weitgehend beruhigt. Insgesamt an die 250 Einsätze zählte die Einsatzleitung der Bonner Berufsfeuerwehr bis Donnerstagmittag. Die gute Nachricht für die rund 300 Einsatzkräfte und alle Bonner: In der Bundesstadt kamen nach bisherigen Erkenntnissen keine Menschen zu Schaden.

Umgestürzte Bäume, überschwemmte Straßen, vollgelaufene Tiefgaragen und überlaufende Gullys forderten den Stadtordnungsdienst zudem bei 55 Einsätzen. Das Tiefbauamt war derweil damit beschäftigt, die Unterführung Am Propsthof vom aufgestauten Wasser freizupumpen. Dort war laut Verwaltung die Pumpstation ausgefallen. Schäden gab es erneut auf dem Rosenburgweg in Kessenich, wo gerade erst die Arbeiten zur Behebung der Unwetterschäden aus dem vergangenen August im Gange waren.

Bonner Feuerwehr hilft an der Ahr

Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) dankte am Donnerstag allen Rettungskräften und Helfern und sagte mit Blick auf die Region: „Wir sind in Gedanken bei den Menschen, die so viel schlimmer von dem Unwetter betroffen sind.“ Parallel zu den Arbeiten in der Bundesstadt entsandte die Bonner Feuerwehr 20 Einsatzkräfte und geländegängige Fahrzeuge sowie ihren Gerätewagen Wasserrettung in den Kreis Ahrweiler, um die dortigen Retter zu unterstützen.

In Bonn bot sich hingegen bereits am Donnerstag die Gelegenheit, das Ausmaß der Schäden zu überblicken. Hart getroffen war erneut das Maximiliancenter am Hauptbahnhof, wo es nach dem Gewitter vor knapp vier Wochen zu einem erneuten schweren Wasserschaden kam. Wie die Bayerische Versorgungskammer als Eigentümerin am Donnerstag mitteilte, war offenbar Regenwasser in großen Mengen aus dem Durchgang zwischen Busbahnhof und U-Bahn in die Ladenpassage gelaufen. Gemeinsam mit der Feuerwehr habe man das Wasser abgepumpt und mit Nasssaugern aufgenommen. „Die genaue Ursache muss noch geklärt werden, allerdings wurden die Ladenflächen in der Passage des ersten Untergeschosses in Mitleidenschaft gezogen“, berichtete eine Sprecherin. Inwieweit weitere Bereiche betroffen sind, müsse aktuell noch untersucht werden. Was der Starkregen von Mittwoch nun für die Wiedereröffnung bedeutet, lasse sich noch nicht abschätzen, so die Sprecherin. „Die aktuelle Situation stellt für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar, und wir tun unser Möglichstes zur Behebung der Schäden“, sagte sie. Bei dem Gewitter am 20. Juni hatte im Maximiliancenter die Hauptstromversorgung Schaden genommen; seitdem ist das erst zwei Jahre alte Einkaufszentrum mit seinen mehr als 40 Ladenlokalen komplett geschlossen.

Wasser in vielen Bonner Schulen

Auch an städtischen Gebäuden hat das Unwetter Schäden hinterlassen: In der Dreifachsporthalle An der Josefshöhe wurde der gesamte Hallenboden überflutet. In den Kindergarten an der Ostpreußenstraße drang Wasser über die Dachterrasse ein. Ebenso im Kunstmuseum, wo einige Kunstwerke in einem Depot in Sicherheit gebracht wurden. Wasserschäden meldeten auch das Clara-Schumann-Gymnasium, die Schulzentren Tannenbusch und Hardtberg, die Rochusschule, der Kindergarten Hainstraße, die Till-Eulenspiegel-Schule, das Ludwig-Erhard-Berufskolleg, die Schloßbachschule, die Laurentiusschule, die Finkenhofschule, die Elsa-Brandström-Schule, die Hedwigschule sowie die Theaterwerkstätten. Auf der Waldau beschädigten umstürzende Bäume den Zaun des Wildgeheges. Er konnte repariert werden, ohne dass Tiere entliefen.

Keine Züge am Hauptbahnhof

Am Bonner Hauptbahnhof ging am Donnerstag nichts mehr. Seit den Nachmittagsstunden des Vortags stand dort eine Mittelrheinbahn, geparkt auf Gleis 1. Vorne auf der Lok zu lesen: „Psst! Zug schläft“. Mancher verirrte sich denn trotzdem zum Zentralbahnhof. So etwa Pia Finder, die ins heimische Münster reisen wollte: „Ich muss jetzt schauen, wie ich da hinkomme. Ein paar Bahnen sollen ja noch fahren“, sagte sie und machte sich auf den Weg, den der freundliche DB-Servicemitarbeiter ihr beschrieben hatte, nämlich mit der Straßenbahnlinie 62 nach Beuel und von dort weiter über die rechtsrheinische Bahntrasse Richtung Köln. Ausgang ungewiss. Die Deutsche Bahn sprach im Laufe des Donnerstags von „massiven Beeinträchtigungen“ in ganz Nordrhein-Westfalen. Im Gegensatz zur linksrheinischen sei die rechtsrheinische Trasse zwischen Koblenz und Köln befahrbar, wenn auch mit Verspätungen zu rechnen sei. Auch werde nach dem Unwetter nicht jede Haltestelle angefahren. Wann wieder mit einem geregelten Betrieb zu rechnen sei, konnte die Deutsche Bahn noch nicht abschätzen. Am Bonner Hauptbahnhof hieß es vom Bahnpersonal, das Unwetter habe Schäden an den Stellwerkanlagen angerichtet, deren Auswirkungen zumindest am Nachmittag noch nicht absehbar gewesen seien.

Und auch der innerstädtische Bahnbetrieb blieb am Donnerstag gestört. Viele Bahnen blieben in der Nacht zu Donnerstag auf offener Strecke stehen, die Fahrer wurden am Morgen von den Stadtwerken zu den Bahnen gefahren, um den Fahrplan halbwegs einhalten zu können. Wegen Überflutung der Gleise an der Brühler Straße war dort für die Linien 18 und 68 aus Richtung Hauptbahnhof Schluss. Ob der Betrieb an diesem Freitag wiederaufgenommen werden kann, blieb zunächst unklar. Auch zwischen Dransdorf und Bornheim konnten die Bahnen nicht fahren. Hinzu kam eine Störung der Einfahrtsweiche am Betriebshof Dransdorf. Wegen Sperrungen der Bahnhofstraße in Duisdorf, des Kreisverkehrs Brüser Damm/Pascalstraße sowie der Unterführung Am Propsthof mussten zudem die Busse der Linien 608, 609, 610, 611 und 630 und 632 teilweise auf Ausweichstrecken umgeleitet werden. „Unter den gegebenen Umständen ist der Betrieb einigermaßen reibungslos gestartet. Ich bin den Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar für ihren Einsatz“, sagte Anja Wenmakers, Geschäftsführerin SWB Bus und Bahn.

Unterdessen weist Bonorange darauf hin, dass Mobiliar, das von den Wassermassen zerstört wurde, kostenlos von den beiden Wertstoffhöfen Am Dickobskreuz und Südstraße entgegengenommen werde. Das Angebot gilt für Abfall, der auf Bonner Stadtgebiet angefallen ist. Bürger sollten sich entsprechend ausweisen können. Normalerweise kostet die Entsorgung von Sperrmüll 15 Euro pro Kofferraumladung.