Kommentar zum Großprojekt-Desaster „Urban Soul“ ist ein bitteres Lehrstück für die Stadt Bonn

Meinung | Bonn · Die Stadtverwaltung hat sich vom Investor am Nasenring durch die Arena führen lassen. So wackelige Verträge darf es in Bonn nie wieder geben. Und: Die bitteren Erfahrungen mit Residualkosten sind auch für ein anderes städtisches Großprojekt von Bedeutung, kommentiert unser Autor.

 Die letzte Kaufpreisrate für die „Urban Soul“-Grundstücke zahlte der Investor im September.

Die letzte Kaufpreisrate für die „Urban Soul“-Grundstücke zahlte der Investor im September.

Foto: Meike Böschemeyer

Die Rechnung bitte! Als Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt nehmen wir nun endgültig zur Kenntnis, was beim „Urban Soul“-Projekt für die Öffentlichkeit unter dem Strich steht: Erstens eine Reihe von Neubauten am Hauptbahnhof, deren Architektur nur mit viel gutem Willen als durchschnittlich zu bezeichnen ist. Und zweitens ein Erlös für die Stadtkasse, der von 23,5 auf 8,8 Millionen Euro zusammengeschnurrt ist. Und das nach dem Verkauf von zwei riesigen Stadtgrundstücken in zentraler City-Lage.

Auch am Bonner Bogen verliert die Stadt Millionen

Die Vermutung liegt nah, dass der Investor die Bieterkonkurrenz mit einem unrealistisch hohen Preis aus dem Baufeld geschlagen hat, weil er schon wusste, welche Unsummen er abziehen können würde. Die Abrechnung der berüchtigten Residualkosten war im Kaufvertrag dermaßen unscharf geregelt, dass die Developer mit der Stadt leichtes Spiel hatten. Auffälligerweise lief das beim Grundstücksdeal mit dem Baulöwen Ewald Hohr am Bonner Bogen ähnlich. Auch dort dürften die Residualkosten die Kommune am Ende um Millionen bringen. Da ist man fast schon erleichtert, dass der damals zuständige Abteilungsleiter heute nicht mehr für die Stadtverwaltung arbeitet.

Die Kommune hat Konsequenzen gezogen. Sie setzt seither auf das Vier-Augen-Prinzip bei Verhandlungen mit Investoren (etwas spät) und akzeptiert in Verträgen keinen nachträglichen Abzug von Residualkosten mehr. Die Ratskoalition hat zudem beschlossen, Grundstücke nicht mehr zu verkaufen, sondern nur noch mit Erbbaurecht zu vergeben. Was richtig ist, um das Eigentum der Bürger für kommende Generationen zu sichern.

Die „Urban Soul“-Erfahrung, wie sehr der Teufel in den Baugrunddetails stecken kann, sollte aber auch eine Warnung für die städtischen Pläne am früheren Landesbehördenhaus sein. Dort will die Kommune Wohnungen, eine Kita, eine Schule und ein Hochhaus für die eigenen Ämter bauen oder bauen lassen. Das Land als Verkäufer bürdet ihr aber mit einem Knebelvertrag, wie man ihn allenfalls von einer Finanzheuschrecke erwarten würde, alle Risiken des Grundstücks auf.

Jetzt sollte die Stadt die Kosten für Abriss und Entsorgung, zu denen es widersprüchliche Gutachten gibt, so schnell wie möglich zuverlässig feststellen lassen. Und sich zügig entscheiden, ob sie das Stadthaus sanieren will. Denn gleich zwei Großprojekte diesen Ausmaßes würden die Stadtverwaltung gnadenlos überfordern. Bis 2026 kann Bonn aus dem Kaufvertrag für das Landesbehördenhaus aussteigen. Je später die Stadt dies tut, umso teurer wird es.

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