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USA, Sowjetunion, England und Frankreich in Bonn

Erst ans rote Telefon, dann ins Bett : Hotel Rheinland eröffnet weitere Botschaftszimmer in Bonn

Das Hotel Rheinland an der Kennedybrücke eröffnet weitere Botschaftszimmer. USA, Sowjetunion, England und Frankreich sind eingezogen.

Das Traditionshotel Rheinland an der Kennedybrücke möchte seinen Gästen etwas bieten, das es so nur in Bonn geben kann. Vor diesem Hintergrund dachten sich Betreiber Michael Schlößer und Hoteldirektor Johannes Jungwirth ein einzigartiges Konzept aus: Warum nicht die Botschaften in die Bundesstadt zurückholen?

Die „Botschaft der USA“ ist im Stil der 60er Jahre gestaltet. Neben Fotografien der Bonn-Aufenthalte der Präsidenten Kennedy und Nixon und Luftaufnahmen des Botschaftsgebäudes versetzt auch der Röhrenfernseher, in den ein modernes TV-Gerät eingebaut wurde, die Gäste zurück in die Zeit des Kalten Krieges.

Detailverliebt bis auf die Zeitschrift

„Und eine Flasche Bourbon mit stilechten Kristallgläsern, wie man es aus amerikanischen Filmen kennt, darf natürlich nicht fehlen“, erklärt Jungwirth. Öffnet man die Schreibtischschublade, blickt einem Tricia Nixon vom Cover einer Originalausgabe des „Life“-Magazins aus dem Jahr 1971 entgegen.

Schnell wird deutlich – hier wurde nichts dem Zufall überlassen. In nächtelanger Recherchearbeit und mit einer Portion Detailverliebtheit ist es Jungwirth gelungen, Mobiliar, Accessoires, Unikate und Zeitdokumente aus den 60er, 70er und 80er Jahren zu sammeln und mit ihnen die Bonner Republik wieder aufleben zu lassen.

Wodka Gorbatschow und das Frankreich von Mitterand

Außer den roten Telefonapparaten, dem heißen Draht im Kalten Krieg, haben die Zimmer der USA und der Sowjetunion wenig gemein. In Letzteren stehen die Lenin-Werke und eine Flasche Wodka Gorbatschow auf dem Schreibtisch. Neben den Fotos vom Moskauer Roten Platz und dem Bruderkuss ist dort auch Jungwirths Lieblingsbild zu sehen: Willy Brandt und Leonid Breschnew mit verwehten Frisuren im Mai 1973 auf dem Flughafen Köln/Bonn.

Nach den beiden Themenzimmern „USA“ und „Sowjetunion“ ist in diesem Frühjahr auch noch die „französische Botschaft“ in die fünfte Etage des Hotels Rheinland eingezogen. „Wir befinden uns jetzt in den 80er Jahren, Mitterand ist zu dieser Zeit französischer Staatspräsident“, erklärt Jungwirth die Inspiration für diesen Raum. In den vier Zimmern beschreitet man nämlich nicht die Botschaften der vier Siegermächte, sondern unternimmt auch eine Reise durch die Zeit – von den USA der 60er Jahre über die Thatcher-Jahre bis ins Frankreich der 80er Jahre. Klischees und Assoziationen mit einem Augenzwinkern aufgreifen, ohne die Räume dabei verkitscht wirken zu lassen – das ist den Hotelbetreibern gelungen.

Der Anspruch ist: Historisch korrekt

Doch das Konzept, das in Kooperation mit dem Bonner Stadtarchiv verwirklicht werden konnte, hat durchaus auch den Anspruch, historisch korrekt zu sein und den Gästen die reiche Geschichte Bonns näherzubringen. In jedem Zimmer liegt eine Botschaftsmappe aus, in der man sich über geschichtliche Hintergründe informieren kann. „Im Endeffekt ist es trotzdem ein Hotel, kein Museum oder Mitmachspielplatz“, sagt Jungwirth.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Augenzwinkernde Rückkehr der Botschaften nach Bonn