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Vandalismus Rheinufer Bonn: Bilder von Eitel zerstört - Staatsschutz ermittelt

Staatsschutz ermittelt : Kunstwerke von Till Eitel am Rheinufer zerstört

Einige Bilder des Künstlers Till Eitel am Rheinufer wurden zerstört. Die Polizei vermutet eine rassistische Motivation der Täter. Ob die Bilder erneut aufgehängt werden, ist derzeit unklar.

Kaum aufgehängt und schon wieder zerstört: Die Aktion „Kunstspaziergang am Rheinufer“ des Bonner Künstlers Till Eitel ist in der Nacht zu Montag zum Opfer der Zerstörungswut unbekannter Täter geworden. Von den 40 Straßenfotografien, die er und seine Helfer erst am Samstag in stundenlanger Arbeit auf 1,2 Kilometern entlang der Promenade zwischen Tempelstraße und Wasserwerk aufgehängt hatten, wurden 19 Motive von den Laternen heruntergerissen und zerstört, andere blieben verschwunden. Ein Passant hatte Eitel am Montag darüber informiert.

„Bei einer solchen Aktion im öffentlichen Raum muss man damit rechnen, dass mal ein Bild verändert oder auch mitgenommen wird“, sagt Eitel zwar; die Umstände dieser Tat sind aber womöglich anders gelagert: „Sie erleben mich ziemlich geschockt“, sagt der 61-Jährige, denn: Die Zerstörung weise ein deutlich erkennbares Muster auf: Abgerissen wurden ausschließlich jene Bilder, die Menschen mit dunkler Hautfarbe oder mit Kopftuch, Juden oder Homosexuelle zeigen. Für den Künstler, der sein Atelier an der Adenauerallee hat, „eine schockierende Art, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen“.

Jetzt ermittelt der Staatsschutz

Unterdessen ermittelt in der Sache auch die Bonner Polizei, die den Vorgang angesichts des Tatmusters ihrer Abteilung Staatsschutz übergeben hat. Die Ermittler teilten die Einschätzung, dass vieles auf eine fremdenfeindliche Motivation des Täters oder der Täter hinweist, so ein Sprecher. Bislang gebe es keine konkreten Anhaltspunkte zu Verdächtigen. Hinweise nimmt die Polizei unter 0228/150 entgegen.

Till Eitel ist noch unschlüssig, wie er mit der Situation umgehen wird. „Einerseits würde ich die Bilder trotz des hohen Aufwands natürlich gerne nachproduzieren; andererseits ist es vielleicht auch wirkungsvoller, die hinterlassene Lücke zu dokumentieren“, wog er am Dienstag ab. Auf ein „Pingpong-Spiel“ mit den Tätern habe er jedenfalls keine Lust.

Der „Kunstspaziergang“ war in Kooperation mit dem Sport- und Kulturdezernat der Stadt zustande gekommen. „In erster Linie sollen diese Bilder Zuversicht geben und Freude machen“ – mit diesen Worten hatte Eitel seine Kunstaktion ursprünglich präsentiert. Die Bilder stammen aus seinem Privatarchiv, zu dessen Sortierung er den ersten Corona-Lockdown genutzt hatte. Unter der Adresse eswareinmal.eyetill.com sind die Bilder auch im Internet zu sehen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Zerstörungen hat der Name der Seite nun traurige Zweideutigkeit erlangt.