Stadthaus Bonn Verankerung der Scheiben ist nicht mehr sicher

BONN · Wenn ab April Bauarbeiter auf den Stadthaus-Türmen zu sehen sind, ist das noch lange nicht der Auftakt zur geplanten Sanierung des maroden Verwaltungssitzes am Berliner Platz. Die steht voraussichtlich erst ab 2017/18 auf dem Programm.

 Der Blick von unten auf die Fassade des Stadthauses: Die Verankerung der vorgehängten Scheiben hat sich gelockert.

Der Blick von unten auf die Fassade des Stadthauses: Die Verankerung der vorgehängten Scheiben hat sich gelockert.

Foto: Volker Lannert

Die Arbeiter werden zunächst nur die Fassadenverkleidung abnehmen. Die Verankerung der Scheiben hat sich an vielen Stellen gelockert, wie eine Untersuchung im vorigen Jahr ergab. Um kein Risiko einzugehen, sollen sie nun komplett entfernt werden.

Exakt 3186 Glasscheiben, je 1,12 Meter mal 1,32 Meter groß und rund 50 Kilogramm schwer, sollen mit Hilfe eines Außenaufzugs demontiert werden, teilte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann auf Nachfrage mit. "Die Ausschreibung ist derzeit in Arbeit und soll in den nächsten Wochen abgeschlossen werden", sagte er.

Etwa sechs Monate hat das Städtische Gebäudemanagement (SGB) für die Demontage kalkuliert. "Wenn die Witterung nicht einen Strich durch die Rechnung macht", so Hoffmann. Die Scheiben werden mit der Aufzugsanlage auf das jeweilige Turmdach und von dort mit einem Lastenaufzug auf die darunter liegende Dachfläche transportiert, zerkleinert und dann zu einem zentralen Abtransportpunkt gebracht.

Nach GA-Informationen liegen die Kosten bei rund 250.000 Euro. Bereits im nächsten Jahr sollen allerdings die Planungen für die Stadthaus-Sanierung beginnen. Rund 700.000 Euro hat die schwarz-grüne Ratsmehrheit dafür im Doppelhaushalt für 2014 bereitgestellt.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und sein Stadtkämmerer Ludger Sander hatten in ihrem Haushaltsentwurf dagegen keine Mittel für das Stadthaus vorgesehen. Sie wollten das Thema auf Eis legen. Nach jahrelanger Diskussion um Abriss oder Sanierung des in den 1970er Jahren errichteten Stadthauses hatten CDU und Grüne im vorigen Jahr einen Schlussstrich gezogen und sich für die Sanierung entschieden.

SPD und FDP hatten dagegen für einen Abriss und den Neubau der Verwaltungszentrale plädiert. Zur Rede stand unter anderem das Areal des ehemaligen Polizeipräsidiums an der B 9. Ein Projekt, das vor allem die SPD forcierte, zumal man damals glaubte, einen großzügigen Stifter gefunden zu haben, der der Stadt für dieses Vorhaben mit rund 50 Millionen Euro unter die Arme greifen würde. Doch davon war bald keine Rede mehr.

Schwarz-Grün überzeugte letztlich ein Papier des SGB, nach dem eine Sanierung mit geschätzten 138 Millionen Euro deutlich preiswerter käme als Abriss und Neubau. Für Letzteres hatte das SGB mehr als 200 Millionen Euro an reinen Baukosten kalkuliert.

Nach bisherigem Stand der Überlegungen soll das Stadthaus rund um die Ebene des oberen Parkdecks entlang der Max- und Weiherstraße bebaut werden. Rund 17.000 Quadratmeter Fläche könnten so dazu gewonnen werden. Die Erweiterungsflächen stünden dann während der Sanierung der Stadthaustürme, die in Etappen erfolgen soll, als Büros für die Mitarbeiter der Verwaltung zur Verfügung.

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