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Neue Ausstellung in Bonn: Verborgene Kunst in Mineralien

Neue Ausstellung in Bonn : Verborgene Kunst in Mineralien

Kunst in Steinen und Mineralien: In einer Sonderausstellung im Bonner Museum Koenig zeigt Michael Raith Mondlandschaften, Totenköpfe und Strandgemälde.

Wenn die betrachtend-kühle Objektivität der Naturwissenschaften auf die Schöpfungskraft der Kunst trifft, kann daraus bisweilen eine ungeahnte Ästhetik entstehen. Eine Schnittstelle zwischen diesen beiden so häufig hermetisch voneinander abgeriegelten Disziplinen beschreibt die aktuelle Sonderausstellung „Im Zwischenreich“ des emeritierten Professors Michael Raith im Museum koenig.

Der ehemalige Lehrstuhlinhaber für Geologie und Mineralogie an der Universität Bonn präsentierte am Dienstag bei einer Presseführung 30 seiner sogenannten Petrografiken. Dabei handelt es sich um Fotografien von Dünnschliffen verschiedener Gesteine und Mineralien in einem Polarisationsmikroskop. Die feingeschliffenen und polierten Probenscheibchen sind lichtdurchlässig, sodass mittels eines Polarisationsfilters, abhängig von betrachtetem Mineral, verschiedene Interferenzeffekte auftreten können.

Diese fängt Michael Raith mithilfe einer am Mikroskop montierten Kamera ein und schafft damit mitunter atemberaubende Abbildungen von geologischen Strukturen im Mikrometerbereich. Vereinzelte Bilder bearbeitet er anschließend für den Feinschliff mit einem Fotobearbeitungsprogramm. Die subjektive Rezeption der Werke sei dabei jedem selbst überlassen, so Raith. „Jeder erkennt in den Bildern etwas anderes“ stellte der ehemalige Bonner Professor fest. Die überraschend abwechslungsreichen Motive von Chloridkristallen oder Eisencarbonat können in der Tat als zerklüftete Mondlandschaften, kosmische Katastrophen oder lieblich-abstrakte Strandgemälde beschrieben werden.

Während manches Motiv an Claude Monets Seerosen erinnert, ähnelt eine andere Illustration dem wilden Action Painting eines Jackson Pollock. Ganz ohne Assoziationshilfe belässt es der 1940 in Madrid geborene Raith jedoch nicht und gibt den Betrachtern bei vielen seiner Werke ein deutendes Haiku mit auf den Weg. Düster erscheinende Illustrationen stellt er thematisch zusammenhängend auf. So schuf der musisch begabte Geologe beispielsweise aus Bildern von Dünnschliffen industrieller Schlacke ein „Triptychon des Todes“. Mit nur wenig Fantasie kann man dort finstere Totenköpfe erkennen und daneben verzerrte, dem Wahnsinn verfallende Gesichter. In einem weiteren Mikroschliff entdeckt man leicht eine gekreuzigte Gestalt.

Die Abbildung des Probescheibchens eines Leucit-Kristalls von 0,5 mm Größe liefert eine geradezu unnatürliche Geometrie, die Raith selbst an Franz Kafkas „Der Prozess“ erinnert, in dem der Protagonist Joseph K. von geheimnisvollen Kräften gepeinigt wird. „Ich erkenne hier labyrinthische Flure, aus denen es keinen Ausweg gibt“, interpretiert es der Wissenschaftler. „Es gibt in der Natur überall Schönheit und Inspiration zu entdecken“, findet Michael Raith, der in seiner Forscherkarriere häufig Feldstudien in entlegenen Gegenden der Welt durchführte. „Ich habe 50 Jahre Mikroskopie hinter mir. Und dennoch finde ich immer noch völlig neue Strukturen. Jeder Schliff ist etwas absolut eigenes“, erklärt Raith, der als Pensionär nun sein Beruf zum künstlerischen Hobby gemacht hat.

Die Ästhetik und Schönheit der Petrografiken können Besucher des Museums koenig, Adenauerallee 160, noch bis zum 29. November ohne gesonderten Aufpreis bestaunen.