Mütter starten durch Verein hilft Migranten bei Einstieg in den Arbeitsmarkt

BONN · Leila Hamila kann sich noch gut an die schwerste Zeit in ihrem Leben erinnern. Mit 15 Jahren heiratete sie in Tunesien und kam kurze Zeit später mit ihrem Mann nach Deutschland. Mit 16 bekam sie das erste Kind, zwei Jahre später wurde ein zweiter Sohn geboren. Als sie sich kurz darauf von ihrem Mann trennte, hatte sie keinen Beruf, kein eigenes Einkommen und sprach nicht ein Wort Deutsch. "Ich weiß ganz genau, wie sich Frauen in dieser Situation fühlen", erzählt sie heute selbstbewusst.

 Otilia Duran schaut genau hin, wie ihre Mentorin Leila Hamila (links) die Pflegepuppe im Bett dreht.

Otilia Duran schaut genau hin, wie ihre Mentorin Leila Hamila (links) die Pflegepuppe im Bett dreht.

Mittlerweile arbeitet sie in der Altenpflege in einem Bonner Seniorenheim. "Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe", ergänzt sie strahlend. Als Mentorin will sie jetzt anderen Frauen mit Migrationshintergrund helfen, ebenfalls in einem Pflegeberuf Fuß zu fassen. Mit dem Programm "Stark im Beruf - Mütter mit Migrationshintergrund steigen ein" erleichtert der Bonner Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe ganz konkret die Eingliederung von Müttern mit ausländischen Wurzeln in den Arbeitsmarkt. Denn: "Viele sind gut qualifiziert und möchten gerne arbeiten", weiß die Geschäftsführerin des Vereins, Edith Kühnle. Unabhängig von bestehenden Qualifikationen haben die Frauen durch dieses von Bund und der EU geförderte Projekt die Chance auf einen sicheren Arbeitsplatz mit einer praxisnahen Ausbildung und attraktiven Aufstiegsmöglichkeiten. Derzeit werden 29 Frauen mit ausländischen Wurzeln "fit" für den Beruf gemacht.

Eine Ausbildung zur Altenpflegehelferin möchte auch Otilia Duran machen. "Aber ich muss erst noch die Sprache besser lernen", erzählt die 42-Jährige, die aus Kolumbien kam. Sie kennt sich bereits ein wenig in der Altenpflege aus, weiß, wie sie Demenzkranke ansprechen und motivieren kann. In den nächsten Wochen wird sie ein Praktikum bei der Caritas in Poppelsdorf machen, dann geht es zurück auf die Schulbank. Denn bevor Otilia Duran eine Ausbildung beginnen kann, muss sie einen Schulabschluss nachholen.

"Viele Mütter ausländischer Herkunft verfügen über gute Qualifikationen. Aufgrund von Sprachbarrieren, Nichtanerkennung ihres Bildungsabschlusses oder kulturellen Unterschieden sind sie jedoch deutlich seltener erwerbstätig als Frauen ohne Migrationshintergrund. Und das, obwohl ihre Fähigkeiten in Deutschland dringend benötigt werden", weiß Edith Kühnle nur zu gut. Aber wer in einem Pflegeberuf arbeiten will, der brauche immer zwei Herzen. "Das eine Herz muss für das Fachwissen schlagen, das andere für die Empathie", so die Geschäftsführerin. Beides würde man den engagierten Müttern vermitteln. Und: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Frauen mit ausländischer Herkunft besonders respektvoll mit alten Menschen umgehen."

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