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Verkehr: Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis sehen in der Pandemie eine Chance

Ideen zur Alltagsmobilität : Bonn und Rhein-Sieg-Kreis wollen aus dem Lockdown lernen

Die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis sehen Chancen, den Ausbau von Homeoffice-Arbeitsplätzen für eine Entlastung der Straßen zu nutzen. Ließe sich der Effekt gegen künftige Stauprobleme wiederholen?

Der Lockdown kam, und die Autos blieben in den Garagen: Auf diesen Nenner lassen sich Beobachtungen von Stadt, Rhein-Sieg-Kreis und dem Landesbetrieb Straßen NRW bringen. In Zahlen gesprochen ist der Landesbetrieb jene Behörde, die mit einem Rückgang von 70 Prozent des sonst üblichen Verkehrsaufkommens auf den Straßen die höchsten nennt. Der Rhein-Sieg-Kreis beziffert in Bezug auf den öffentlichen Nahverkehr den Rückgang des Fahrgastaufkommens auf 90 Prozent zum Höhepunkt der pandemiebedingten Einschränkungen im März und April. Staumeldungen gab es so gut wie keine, Beschwerden über die Ausdünnung des Nahverkehr-Fahrplans durchaus.

Quasi über Nacht richteten die IT-Abteilungen von kleinen und größeren Unternehmen Homeoffice-Arbeitsplätze ein, wo das zuvor als schwierig galt. Zugleich ward mit den deutlich leereren Straßen ein Effekt beobachtet, von dem die Kommunen sich fragen: Ließe er sich nicht ohne Zwangseinschränkungen wiederholen, um die künftigen Stauprobleme durch umfassende Bauprojekte wie den anstehenden Neubau des Tausendfüßlers oder die Sanierung der Rheinbrücken abzumildern?

Robert Follmer, Verkehrforscher für das Infas-Institut, kam in einer Mitte Mai veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis: „Nach einem Tiefpunkt vor Ostern gewinnt unsere Alltagsmobilität mehr und mehr ihr altes Niveau zurück. Noch sind die Kurvenverläufe nicht zuletzt aufgrund verschiedener Feiertage ein wenig flatterhaft, aber ein Zurück in Richtung alter Muster ist eindeutig erkennbar.“

Hebel für bessere Verkehrssteuerung

Doch Stadt und Rhein-Sieg-Kreis sehen in der Ausweitung der Homeoffice-Arbeitsplätze einen Hebel, um das Verkehrsaufkommen in Stadt und Umland in der Zukunft besser steuern zu können. Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan sagte: „Es gibt drei positive Aspekte, die wir aus der Corona-Krise mitnehmen.“ Neben der gezeigten Solidarität seien das die geschaffenen Homeoffice-Arbeitsplätze und die flexibleren Arbeitszeiten. Hinzu käme das Einrichten von Video- und Telefonkonferenzen, die zu weniger Reisen geführt hätten. Von der Stadt hieß es aber, die Chancen, die darin für eine Entlastung des Verkehrs liegen, seien noch nicht absehbar. Unternehmen und Arbeitnehmervertretungen müssten die Erfahrungen der vergangenen Monate zunächst auswerten.

Antonius Nolden von der Pressestelle des Rhein-Sieg-Kreises teilte mit, nach Schätzungen des Kreises seien vor Corona 25 Prozent der Berufstätigen mit Homeoffice in Berührung gekommen. Der Kreis gehe nun davon aus, dass weitere 25 Prozent erste Erfahrungen gemacht hätten. Die Einschätzung des Kreises: „Der Ausbau der Homeoffice-Arbeitsplätze kann mit Sicherheit den Berufspendleranteil verringern.“ Sowohl Stadt als auch Kreis sehen im Rahmen des gemeinsamen Projekts ‚Jobwärts’ eine Chance, die Mobilitäts- und Arbeitsveränderungen zu erfassen. Das Projekt soll, finanziert durch Bundesgelder für „Lead City“, an einem besseren betrieblichen Mobilitätsmanagement arbeiten.

Bonns Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe betont: „Grundvoraussetzung für ein zügiges und sicheres Arbeiten aus dem Homeoffice ist die Verfügbarkeit von hohen Netzbandbreiten, sprich Glasfaser, sowie der Schutz vor Datendiebstahl auf dem Weg vom häuslichen Rechner zum Server des Unternehmens.“ Sowohl dem Glasfaserausbau als auch dem Thema Cyber Security räume die Stadt „einen sehr hohen Stellenwert“ ein.