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„Delfin 4“-Test: Viele Bonner Kinder ohne Kita-Platz haben Sprachprobleme

„Delfin 4“-Test : Viele Bonner Kinder ohne Kita-Platz haben Sprachprobleme

Der „Delfin 4“-Test untersucht die Diagnostik, Elternarbeit und Förderung der Sprachkompetenz in Nordrhein-Westfalen bei Vierjährigen. Er verdeutlicht, was viele schon wussten: Besonders Kinder ohne Kita-Platz haben Sprachprobleme.

Der Sprachstand von bis September 2019 vierjährigen Bonner Kindern, die zu dem Zeitpunkt keine Kindertagesstätte (Kita) besuchten, ist weiterhin nicht befriedigend. Das zeigen die Ergebnisse des neusten „Delfin“-Feststellungsverfahrens, das 282 Bonner Kinder zwei Jahre vor ihrer Einschulung untersuchte. Das Zahlenwerk wurde am Dienstagabend dem Schulausschuss vorgelegt. Danach befasst sich der Integrationsausschuss damit.

Das von der Technischen Universität Dortmund entwickelte Instrument „Delfin 4“ ist die Abkürzung für „Diagnostik, Elternarbeit, Förderung der Sprachkompetenz in Nordrhein-Westfalen bei 4-Jährigen“. Es will auf Defizite aufmerksam machen, damit Kinder, die eine Sprachförderung benötigen, doch noch optimal auf die Schule vorbereitet werden.

Förderbedarf hat die Hälfte der Bonner Kinder 

26,24 Prozent der untersuchten Bonner Kinder hatten im September 2019 eine altersgemäße gute Sprachentwicklung, im Jahr davor waren es 20,82 Prozent gewesen. Bei 53,90 Prozent, also insgesamt 152 Vierjährigen, wurde 2019 jedoch ein Förderbedarf festgestellt, 2018 waren es 44,58 Prozent gewesen. Eingeschränkt wird die aktuelle Studie dadurch, dass 13,83 Prozent Kinder, etwa wegen Wegzugs, dann doch von dem Test befreit wurden oder nicht erschienen. Von letzteren wurden in 17 Fällen Bußgeldverfahren aufgrund unentschuldigter Nichtteilnahme eingeleitet. 2018 hatten sogar 29,91 Prozent der Vierjährigen ohne Kita-Betreuung nicht untersucht werden können. Der aktuelle Test bringt also relevantere Zahlen.

Bei festgestelltem Sprachförderbedarf stammten 2019 sogar 5,26 Prozent der Kinder aus rein deutschsprachigen Familien (2018: 5,92 Prozent). 21,71 Prozent wuchsen in zweisprachigen Familien auch mit Deutsch auf (2018: 9,21 Prozent), und 72,37 Prozent in nicht deutschen Familien (2018: 84,87 Prozent).

Optimismus verbreiten die aktuellen Delfin-Untersuchungsergebnisse aber insofern, als von Oktober bis Dezember 2019 zumindest 25 Prozent der Vierjährigen mit Sprachdefiziten umgehend in Kitas vermittelt werden konnten.

„Das Beste, um die Sprache zu lernen, ist und bleibt der Kita-Besuch“

„Der Test zeigt erneut, wie entscheidend es für die Sprachentwicklung ist, dass jedes Kind in Bonn einen Kita-Platz bekommt“, sagte im Ausschuss Dörthe Ewald, SPD. Es sei zudem sehr wichtig, dass Gelder dafür da sind, damit auch Kinder ohne Kita-Platz sprachliche Fördermaßnahmen erhalten, schloss sich Ulrich Meier, Grüne, an.

Sozialdezernentin Carolin Krause betonte, dass die Stadt für alle Kinder über drei Jahre Kita-Plätze zur Verfügung stelle und dass über 90 Prozent der Familien diese auch nutzten. „Wir müssen aber Eltern weiter überzeugen, dass sie ihre Kinder auch dann schicken, wenn die Plätze nicht an ihrem Wunschstandort zur Verfügung stehen.“ Selbstverständlich sorge die Stadt auch außerhalb der Kitas für Möglichkeiten der Sprachförderung. „Aber das Beste, um die Sprache zu lernen, ist und bleibt der Kita-Besuch“, so Krause.