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Stadt Bonn plant Neugestaltung: Viktoria-Unterführung soll freundlicher werden

Stadt Bonn plant Neugestaltung : Viktoria-Unterführung soll freundlicher werden

Die Fußgängerverbindung zwischen Endenicher Straße und Altem Friedhof in Bonn ist berüchtigt - für seinen Gestank und die beklemmende Ausstrahlung. Jetzt soll sie freundlicher und barrierefrei werden.

Es stinkt, es ist dunkel, und die Wände in der Unterführung an der Viktoriabrücke sind beschmiert. Im Zuge der Brückensanierung will die Stadt nun auch den Tunnel und die umliegenden Flächen neu gestalten. Kernpunkte sind Barrierefreiheit, mehr Grün und eine „stimmungsvolle Ausleuchtung“, wie es im Beschlussvorschlag für die Bezirksvertretung heißt, die Anfang September darüber berät. Es sollen aber auch die Bürger befragt werden.

Mit „Stadtachsen“ und „Im Fluss“ stehen zwei Entwürfe zur Auswahl. Beide kosten etwa 5,7 Millionen Euro. „Es gibt momentan noch keinen Favoriten“, so Stefanie Zießnitz vom Presseamt.

Für die Stadtplaner ist die Viktoria-Unterführung in erster Linie eine wichtige Verbindung zwischen der Weststadt und der Bonner City. Zudem verbindet der knapp 30 Meter lange Tunnel die Universitätsstandorte, den Hauptbahnhof, das Zentrum und das Gebiet um die Immenburgstraße. Doch Rollstuhlfahrer kommen die steilen Treppen nicht hinunter. Die Verwaltung drückt es deutlich aus: „Die Unterführung ist eng, dunkel und befindet sich in einem schlechten Zustand.“ Sie werde sogar als „Angstraum“ wahrgenommen.

Überwachungskameras für mehr Sicherheit?

So sehen es auch viele Bonner. „Wenn dir hier einer was will, dann hast du keine Chance“, sagt Stephan Reidel. Er geht die Strecke mehrmals täglich, wohnt nur wenige Meter entfernt. „Die Unterführung ist bedrückend.“ Er kennt auch die Konflikte mit den Leuten, die im angrenzenden Park am alten Friedhof ihre Zeit verbringen. „Die trinken, die brüllen sich an, es gibt immer mal Schlägereien.“ Das schrecke ab, doch von den Wenigsten müsse man sich bedroht fühlen. Für mehr Sicherheit würden seiner Meinung nach nur Überwachungskameras sorgen.

Rentner Werner Flandorffer fühlt sich nicht unsicher. Er stört sich auch kaum am Aussehen des Tunnels, sondern vielmehr an seiner Funktionalität. „Die Graffiti machen die grauen Wände bunter. Aber die Treppen sind ein Hindernis“, sagt er. Der Gestank sei dagegen penetrant. Obwohl die Stadtwerke nach eigener Aussage die Unterführung täglich reinigten, riecht es beißend nach Urin und Erbrochenem. Nicht nur mit dem Gestank, sondern auch mit dem schummrigen Licht soll bei der Neugestaltung Schluss sein. Das Lichtkonzept beinhaltet neben gewöhnlichen Lampen in den Boden eingelassene LED-Bänder. Die projizieren eine sich langsame bewegende Lichtinstallation auf Wände und Decke, die Gräsern ähneln soll. „Durch die abstrakte Darstellung einer großzügigen Feldflur öffnet sich der Raum optisch“, heißt es in der Vorlage. Kosten: 238.000 Euro. Eine Videoüberwachung soll es laut Ordnungsamt nicht geben.

Investitionen: rund 3,5 Millionen Euro

Aber auch faktisch wird die Unterführung größer. Weil alte Leitungen und eine Mittelwand entfernt werden, wäre sie künftig doppelt so breit. Der größte Umbau wird durch die Rampe nötig, die die Unterführung auch für Rollstuhlfahrer erschließen soll. Dabei wird der Tunnel um 30 Meter verlängert und ein zusätzlicher Eingang auf der Grünanlage neben dem Alten Friedhof geschaffen. Die Bäume vor dem Friedhof will die Stadtverwaltung so weit wie möglich erhalten, zwischen Bahnstrecke und Thomastraße soll eine Baumallee angelegt werden.

Wie die zukünftige Grünanlage aussehen soll, dafür gibt es zwei Entwürfe: „Stadtachsen“ und „Im Fluss“. Bei den Stadtachsen verläuft die Rampenanlage parallel zur Friedhofsmauer, die Wege sind gerade und direkt. So werden sie auch auf der anderen Seite am Viktoriadreieck – zwischen Viktoriabrücke, Endenicher Straße und der Bahnlinie – weitergeführt. „Im Fluss“ orientiert sich an den jetzigen geschwungenen Wegen vor dem Friedhof.

Das Viktoriadreieck wird in beiden Entwürfen begehbar und zu einem kleinen Park gemacht. Durch eine Baumreihe vor den Häusern soll der Straßenzug attraktiver werden. An der Ecke Endenicher Straße/Herwarthstraße wird eine Fläche für die Feuerwehr geschaffen, damit sie bei Bränden Platz zum Löschen hat. Die dortigen Parkplätze verlegt man wenige Meter weiter.

Die Kosten für die Varianten sind etwa gleich. „Stadtachsen“ liegt bei rund 3,42 Millionen Euro, „Im Fluss“ bei etwa 3,5 Millionen Euro. Hinzu kommen beide Male zwei Millionen Euro für Leitungen, die wegen der Verbreiterung der Unterführung verlegt werden müssen.