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Viktoriabad Bonn: Fenster wird restauriert

Viktoriabad-Fenster in Gefahr : Fensterfassade des Viktoriabades wird restauriert

Die 30 Meter breite bemalte Glasfassade des Viktoriabades ist trüb und matt. Sie soll saniert werden. Doch die Konservierung von Kunststoffen ist restauratorisches Neuland. Eine Studie mit dem Bonner Bad als Pilotprojekt soll weiterhelfen.

Die pulsierenden Geysire und fließenden Wasseradern auf der 50 Jahre alten Glasfassade des Viktoriabades waren schon mal lebendiger, frischer, brillanter. Witterung, Dreck, Schmierereien und Abgase haben dem einzigartigen, 30 Meter breiten, acht Meter hohen und aus 300 einzelnen Kunstharzelementen bestehenden Werk zugesetzt. Die Fenster sind trüb und matt geworden.

Drei Elemente wurden für eine Analyse ausgebaut. Stark vergrößerte Aufnahmen des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC in Würzburg zeigen eine rissige, schartige, stumpfe Oberfläche, die früher einmal glänzend war. Das Ensemble ist in Gefahr. Die Oberfläche erinnert Marc Peez, den Chefrestaurator des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) für organische Materialien, an das Krakelee eines alten Gemäldes. Man wisse aber noch nicht, was diese Risse in den schichtweise im Sandwichverfahren hergestellten Kunstharzelementen anrichten könnten, meinte er vor Ort im seit 2010 geschlossenen Viktoriabad.

Abschleifen keine Option

Sicherlich wäre abschleifen und polieren kaum die geeignete Option. Bei der Konservierung von Kunststoffen stehe man noch ganz am Anfang, räumte der Experte ein. Daher wurde vom LVR und der Stadt Bonn eine vom LVR geförderte Machbarkeitsstudie zur Konservierung angeregt und begonnen – mit dem Viktoriabadfenster, das seit Oktober 2013 in die Bonner Denkmalliste eingetragen wurde, als Pilotobjekt. Im LVR wurde eigens eine Stelle für „moderne Materialien“ eingerichtet und mit der Restauratorin Maria Lörzel besetzt.

Die Kölner Glaswerkstatt Botz & Miesen hatte in den frühen 1970er Jahren technisches Neuland betreten, als sie das von Wilhelm Jungherz aus der Werkstatt des renommierten Architekten Gottfried Böhm entworfene Fenster in glasfaserverstärkten Polyesterplatten umsetzte, erzählt LVR-Landeskonservatorin Andrea Pufke. Die Firma realisierte auch die Fenster der Kölner Kirche Christi Auferstehung von Böhm. „Mit diesem Projekt kommen wir ein Schritt weiter, was das Erhalten und die zukünftige Nutzung des Viktoriabades angeht“, sagte Pufke – die als Denkmalschützerin ein besonderes Interesse hat, dass das Bad erhalten bleibt – mit Seitenblick auf Oberbürgermeisterin Katja Dörner. „Das Werk hat für uns eine besondere Bedeutung“, sagte diese, „wir haben ein großes Interesse, es zu erhalten“. Dörner freut sich, dass „unser Fenster“ für das Pilotprojekt ausgesucht wurde.

 Trüb und Matt: Restaurator Marc Peez zeigt eines der 300 Kunststoffelemente aus der Glasfassade.
Trüb und Matt: Restaurator Marc Peez zeigt eines der 300 Kunststoffelemente aus der Glasfassade. Foto: Benjamin Westhoff

Östlichen Teil will die Uni für ein Forum

„Schön wäre es, wenn es einen großen Raum gäbe, in dem man das konservierte Kunstharzgemälde in seiner ganzen Pracht sehen könnte – am liebsten mit Wasser, aber das wird ja nicht mehr möglich sein“, legte Pufke angesichts des blau gefliesten, leeren Schwimmbeckens und der bunten Glasfassade nach, durch die das Licht hereinfällt. Pufke spricht einen zentralen Punkt an. Denn das schönste restaurierte Glasfenster bleibt ohne Wirkung, wenn der Raum extrem verändert wird.

Was das Thema angeht, liegt der Ball derzeit im Feld des Stadtplanungsamtes. Amtsleiterin Petra Denny will die städtebauliche Entwicklung im Viktoriakarree insgesamt nach der Sommerpause voranbringen und „auf die Politik zugehen“. Einfließen sollen die Strukturkonzepte der Bürgerwerkstatt, die sich nach der Schließung des Viktoriabades formiert hatte. Zwei Varianten, die in enger Absprache mit der Universität entstanden, will sie vorlegen, „die dann in die Bürgerbeteiligung gehen“, so Denny. „Wir stellen einen Bebauungsplan für das Karree auf, wobei die Universität den östlichen Teil für ein Forum des Wissens mit Bibliotheksflächen und Büroräumen nutzen möchte.“ Die Entwürfe sollen der Öffentlichkeit vorgestellt und diskutiert werden. Noch ist die Stadt Eigentümerin des östlichen Teils des Karrees, dann geht es über an den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. Bis vor den Herbstferien könnte die Bürgerbeteiligung abgeschlossen sein, meint Denny.

„Wir müssen die Erhaltung langfristig hinbekommen“, sagte Pufke auf das Fenster bezogen. Bis März 2023 soll die Studie, so Peez, abgeschlossen sein, „dann wissen wir mehr, wie wir mit diesem Material umgehen können“. Dann erst könne man auch die Kosten kalkulieren, meint Pufke.