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Vögel in Bonn: Nachtigall und Wendehals beinahe ausgestorben

Studie zu Vögeln : Nachtigall und der Wendehals sind in Bonn fast ausgestorben

Innerhalb von 50 Jahren haben sich die in Dottendorf vorkommenden Vogelarten verändert. Das hat eine vergleichende Forschungsstudie ergeben. So sind Nachtigall und Wendehals lokal ausgestorben – was seine Gründe hat.

In Dottendorf hat die Zahl der Brutvogelarten in den vergangenen 50 Jahren deutlich abgenommen. Viele Spezies wurden seltener oder sind lokal ausgestorben, wenige neue kamen hinzu, und ein paar Arten wurden deutlich häufiger. So sind Nachtigall und Wendehals nicht mehr zu hören und sehen. Ein Team von ehrenamtlichen Biologen, Förstern und Geographinnen der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft (OAG) Bonn am Museum Koenig und Forschern der Universität Bonn hat eine entsprechende Vergleichsuntersuchung durchgeführt. Die stützt sich auf eine Kartierung von 1969. Die Ergebnisse stehen nun im Fachjournal „Bird Study – The Journal of the British Trust for Ornithology“, wie die Uni mitteilt.

Mit den Veränderungen der Siedlungen hat sich auch die Tierwelt verändert. „Lokale Besonderheiten gehen verloren und mit ihnen die spezialisierten Arten“, sagt Privatdozent Stefan Abrahamczyk vom Nees-Institut der Uni, der an botanischen und ornithologischen Themen wie etwa der Vogelbestäubung forscht. So überleben am Ende anpassungsfähige Arten – in hoher Dichte –, was biologische Homogenisierung genannt wird, so Darius Stiels, Vorsitzender der OAG.

Brutvogelgemeinschaft 2019 kartiert

Die Forscher hatten nun im Frühling und Sommer 2019 die Brutvogelgemeinschaft in Dottendorf kartiert. Kamen 1969 noch 57 Brutvogelarten in Dottendorf vor, waren es heute nur noch 39. Insgesamt verschwanden 22 Arten und vier neue kamen hinzu.

Neben Nachtigall und Wendehals, sie kamen 1969 mit maximal drei Paaren vor, verschwanden auch einige ehemals häufige Arten wie Feldsperling oder Gartenrotschwanz. Es nahmen aber viele Gebäudebrüter wie Mauersegler oder Mehlschwalbe ab oder verschwanden, „was wahrscheinlich mit dem Verlust von Brutplätzen begründet werden kann“, so die Forscher.

Abrahamczyk vermutet, dass auch der Klimawandel und neu auftretende Krankheiten eine Rolle spielen. Im Gegenzug haben sich nun Waldarten breitgemacht: Ringeltaube, Mönchsgrasmücke und Singdrossel. Sie profitieren wohl von den sich verändernden Gärten in Dottendorf. „Viele Büsche und Bäume sind in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen und bilden damit Lebensraum für Vogelgemeinschaften der Wälder“, heißt es.

„Zu unserem großen Erstaunen konnten wir trotz des massiven Verlustes der Artenvielfalt weder einen Rückgang der Zahl der Brutpaare noch eine Abnahme der Biomasse feststellen“, sagt Stiels. Seltenere Arten wurden offenbar durch Vertreter häufigerer Arten zahlenmäßig kompensiert. Fazit: Viele der lokal ausgestorbenen Arten seien auch großräumig gefährdet, so die Wissenschaftler. „Obwohl die Studie auf Dottendorf begrenzt war, dürften ähnliche Veränderungen an vielen Orten zu beobachten sein.“