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Kommentar zum Martinszug in Bonn: Von Mensch zu Mensch

Kommentar zum Martinszug in Bonn : Von Mensch zu Mensch

Martinszüge sind Brauchtum. Sie erinnern an die Geschichte des späteren Bischofs von Tours, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Unser Autor meint: An diesen Ursprung sollten sich Bürger und Händler erinnern.

Man kann trefflich darüber streiten, was zum großen Martinsumzug in der Bonner Innenstadt gehört. Muss die Münsterkirche für gut 2600 Euro beleuchtet werden, wenn doch an diesem Tag die Fackeln der Kinder im Mittelpunkt stehen sollten? Ganz offenbar liegt den Bonnern das Martinspferd besonders am Herzen. Zumindest war es der erste Posten, der über den Onlinespendenaufruf direkt komplett finanziert wurde. Die Kernfrage, die sich angesichts des neuen Crowdfunding-Projektes stellt, ist aber eine andere: Werden die Bürger und vor allem die Händler in der City bereit sein, den traditionellen Zug mitzufinanzieren?

Sie sollten sich den Hintergrund dieser Veranstaltung noch einmal vor Augen führen. Der römische Soldat Martin, damals noch nicht Bischof von Tours, teilte an einem Wintertag seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte an einen frierenden Bettler weiter. Ein Akt der Gnade. Seit dem 4. Jahrhundert rührt diese Geschichte die Herzen der Menschen. Daran erinnern Hunderte von Kindern jährlich bei einem der größten Umzüge im Rheinland. Es ist eine Geschichte aus der Mitte Europas und keine, die wie Halloween ihren Weg über Irland, die USA und von dort nach Deutschland fand. Gerade die Geschäftsleute – und unter ihnen besonders die großen Unternehmen, die ihre lokale Verbundenheit zu selten zeigen – sollten diese Tradition unterstützen. Allzu große Freude kann es schließlich nicht machen, nur noch am 31. Oktober zu Halloween die Frontscheiben mit Eiern vollgeklatscht zu bekommen.

Und noch ein Satz zur Umstellung auf „Crowdfunding“: Es ist schon äußerst bedauerlich, dass das Spendensammeln nun nicht mehr von Mensch zu Mensch erfolgt.