Trotz Droge im Wein Vorwurf der Vergewaltigung gegen 42-jährigen Bonner zurückgezogen

Bonn · Vom Vorwurf einer besonders schweren Vergewaltigung blieb am Ende der Verhandlung gegen einen 42-jährigen Bonner nichts übrig. In einem anderen Punkt gestand er jedoch seine Schuld.

Eine Frau gießt zuhause Wein in ein Glas. Im Hintergrund sitzt ein Mann. (Symbolbild)

Eine Frau gießt zuhause Wein in ein Glas. Im Hintergrund sitzt ein Mann. (Symbolbild)

Foto: dpa/Finn Winkler

Weil er seiner Bekannten sogenanntes „Liquid Ectasy“ in ihr Getränk geschüttet hatte, wurde ein 42-jähriger Bonner wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Vom Vorwurf einer besonders schweren Vergewaltigung blieb nach drei Verhandlungstagen allerdings nichts mehr übrig: Die Staatsanwaltschaft war ursprünglich in ihrer Anklage von einer solchen ausgegangen, hatte den Vorwurf aber nach der Beweisaufnahme wieder fallen lassen. Ein während der Verhandlung vor der 16. Großen Strafkammer gesichteter Chatverlauf zwischen Täter und Opfer ließ nämlich den Schluss zu, dass der Sex, den die beiden an jenem Abend unstrittig miteinander hatten, einvernehmlich war.

„Hast du mir etwas in den Drink getan?“, hatte die Frau den Mann am Abend des 29. Mai 2022 immer wieder gefragt. Das hatte der Angeklagte auch selber vor Gericht so geschildert. Offenbar war der Frau klar, dass die Stimmung, in der sie sich befand, nicht nur dem Roséwein geschuldet war, den sie mit Kirschsaft gemixt, an jenem Abend getrunken hatte. Dass er der Frau tatsächlich etwas in ihr Getränk gemischt hatte, gab der Mann erst vor Gericht zu. Die beiden hatten einander über einen Job in einem Callcenter kennengelernt; im Frühjahr 2022 wurde das Verhältnis dann enger und man begann sich via Whatsapp „aneinander heranzurobben“, wie es der Anwalt des Mannes, Thomas Ohm, ausgedrückt hatte. Schnell ging es auch um Sex und die Intimitäten an jenem Maiabend in der Wohnung der Frau waren nicht die ersten, die die beiden miteinander austauschten.

Dazu, was den Mann nun bewegt haben könnte, seiner Bekanntschaft das frei verkäufliche GBL (Gamma-Butyrolacton) zu verabreichen, wollte er sich vor Gericht nicht äußern. Jedenfalls kam ein vom Gericht beauftragter Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Substanz in der angenommenen Dosierung das Opfer unterschwellig euphorisch gemacht habe. Man werde emphatischer, die Willensbildung sei aber nicht aufgehoben gewesen, so der Gutachter. Vor dem Geschlechtsverkehr hatte die Frau den Mann gebeten, in einer nahe gelegenen Tankstelle Kondome zu besorgen. Diesem Wunsch kam der nun Verurteilte auch nach. Rund eine halbe Stunde später schlief man zusammen. Die Frau war einige Tage nach der verhängnisvollen Nacht zur Polizei gegangen und hatte den 42-Jährigen angezeigt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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