30 Jahre Gabi in Bonn So nah kommen Mitarbeiter der Bonner Innenstadtwache an die Drogenszene

Bonn · Die Bonner Innenstadtwache Gabi von Polizei und Ordnungsamt ist ein einmaliges Kooperationsprojekt in NRW. 30 Jahre nach ihrer Gründung zeigt eine Ausstellung den Arbeitsalltag der Gabi-Mitarbeiter. Aus diesem erzählen sie auch dem GA.

Nachts auf Streife: Mitarbeiter der Wache Gabi im Einsatz (Archivfoto).

Nachts auf Streife: Mitarbeiter der Wache Gabi im Einsatz (Archivfoto).

Foto: Nicolas Ottersbach

Seit über 30 Jahren gibt es die Wache Gabi in der Innenstadt. Die „Gemeinsame Anlaufstelle Bonn Innenstadt“ dient Polizei und Ordnungsamt als Ausgangspunkt, um von hier aus täglich auf Streife zu gehen und unter anderem auch Angehörigen der Drogen- und Alkoholszene als Ansprechpartner unterstützend zur Seite zu stehen. Tiefe Einblicke in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter gewährt derzeit eine Fotoausstellung im Foyer des Bonner Polizeipräsidiums, die am Montag eröffnet wurde und noch bis Freitag, 19. April täglich von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden kann. Während der Öffnungstage stehen auch Mitarbeiter der Wache interessierten Bürgern für Gespräche zur Verfügung.

Christian Ladleif von der Bonner Polizei und Andreas Wollenschein vom Ordnungsamt haben die Fotoausstellung initiiert: „Wir möchten unsere Arbeit den Bürgern nahebringen und ihnen Fragen beantworten, die sie möglicherweise zur Szene haben“, erklärt Ladleif. Seit dreieinhalb Jahren schiebt er Dienst auf der Wache Gabi und ist täglich auf Streife in der Innenstadt. Dabei beobachtet Ladleif auch, wie sich die Szene verändert, welche Gefahren auftreten und hat stets den direkten Kontakt zu den Betroffenen. „Persönliche Gespräche sind sehr wichtig. Wir haben das Personal, das sich auch mal Zeit nehmen kann, eine Stunde mit den Szeneangehörigen zu reden“, sagt Ladleif. Dabei seien eine gute Personenkenntnis und jede Menge Einfühlungsvermögen von großer Bedeutung.

Ein einmaliges Kooperationsprojekt

Gabi ist landesweit ein einmaliges Kooperationsprojekt zwischen Polizei und Ordnungsamt. Ins Leben gerufen wurde es 1992, als man erkannte, dass man sich um die offene Drogen- und Alkoholszene im damaligen Bonner Loch am Hauptbahnhof kümmern muss. Das Bonner Loch existiert schon seit Jahren nicht mehr, aber die Szene ist noch da und hat sich unter anderem rund um das Rondell am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) verlagert. „Auch viele kleine Treffpunkte in der Innenstadt gehören jetzt zum Zuständigkeitsbereich der Wache Gabi“, berichtet Ladleif. Aufgabe der Mitarbeiter sei es nicht, die Szene zu verdrängen, sondern Hilfsangebote zu bieten.

 Christian Ladleif von der Bonner Polizei (l.) und Andreas Wollenschein vom Ordnungsamt haben eine Ausstellung ins Leben gerufen, die den Arbeitsalltag auf der Wache Gabi anschaulich darstellt. Im Bild: Ein nachgebautes Schlaflager eines Obdachlosen.

Christian Ladleif von der Bonner Polizei (l.) und Andreas Wollenschein vom Ordnungsamt haben eine Ausstellung ins Leben gerufen, die den Arbeitsalltag auf der Wache Gabi anschaulich darstellt. Im Bild: Ein nachgebautes Schlaflager eines Obdachlosen.

Foto: Sebastian Flick

Neben großformatigen Fotos werden in der Ausstellung im Polizeipräsidium auch viele Utensilien und Objekte gezeigt, die ebenfalls sehr aufschlussreich sein können: Zu sehen ist beispielsweise ein Infobrett auf der Wache, an dem neben dem Dienstplan, Urlaubskarten von Kollegen und Geburtstagsglückwünschen auch Vermisstenanzeigen und Bekanntgaben von Todesfällen in der Szene hängen: „Das gehört alles zu unserem Alltag“, sagt Ladleif.

Großer Schriftzug, der zeigt, wie einige in die Abhängigkeit rutschen

Ins Auge fällt auch der in großer Schrift verfasste Satz „Der erste Cocktail ist immer umsonst“: „Das ist ein Zitat eines Szeneangehörigen, das zeigt, wie Menschen in die Szene reinrutschen“, erklärt Ladleif. Der Bonner Polizist arbeitet seit dreieinhalb Jahren auf der Wache Gabi. „Man erlebt hier eine ganze Menge“, sagt Ladleif. Er hat bereits Szeneangehörige an ihrem Konsum sterben sehen – Menschen, die er über einen längeren Zeitraum begleitet hatte. „Da sind Menschen dabei, die sind keine 30 Jahre alt geworden. Wenn man die persönlich kannte, ist man natürlich betroffen – bei aller Distanz, die man bewahren muss“, sagt Ladleif.

Das Team der Wache Gabi ist oft auch als erstes vor Ort, wenn eine Reanimation stattfinden muss – nicht immer mit gutem Ausgang: „Wir hatten auch schon einen Fall, wo eine Person wenige Tage nach der geglückten Reanimation verstorben ist“, berichtet Ladleif.

Es gebe aber auch viele schöne Momente, auf die er und seine Kollegen zurückblicken können: „Bürger kommen häufiger mal auf uns zu und danken uns, dass wir da sind“, berichtet Wollenschein.

Überhaupt setzt die Wache Gabi sehr auf die Unterstützung der Bürger: „Es rufen uns auch schon mal Bürger an, denen ein Obdachloser aufgefallen ist. Sie fragen sich, ob es ihm möglicherweise nicht so gut geht oder er vielleicht sogar nicht mehr atmet, und informieren uns umgehend. Wir schauen dann nach und sind dankbar über den Anruf“, sagt Ladleif.

Dank Kooperationen mit karitativen Einrichtungen ist es der Wache Gabi auch schon gelungen, Szeneangehörige aus der Abhängigkeit zu holen. „Manche haben sogar noch eine Familie gegründet und grüßen uns beim Spaziergang mit dem Kinderwagen aus der Ferne“, sagen Ladleif und Wollenschein.

Die Ausstellung über den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden der Wache Gabi ist noch bis Freitag, 19. April täglich von 10 bis 16 Uhr im Foyer des Bonner Polizeipräsidiums zu sehen. Vom 17. bis 21. Juni wird die Ausstellung auch im Bonner Stadthaus gezeigt.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort