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Wanderausstellung in Bonn gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit

Wanderausstellung : Bonner sprechen sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus aus

Die Wanderausstellung „Wir miteinander gegen Hass und Antisemitismus“ ist in verschiedenen Stadtteilen zu sehen. Sie zeigt klare Kante gegen Rechts.

Stadtdechant Wolfgang Picken ist auf einem von zwölf Plakaten, die vor dem DHL Posttower stehen, zu sehen. „Jeder Antisemitismus ist ein Angriff auf die Fundamente von Demokratie und Christentum“, wird er darauf zitiert. Auf einem anderen Plakat ruft Superintendant Dietmar Pistorius mit ernstem Blick zu mehr Engagement gegen Rassismus auf. „Wer glaubt kann weder Rassist sein noch Antisemit“, sagt Pistorius. Die Wanderausstellung „Wir miteinander gegen Hass und Antisemitismus“ ist seit Mitte Juni in Bonn an verschiedenen öffentlichen Orten zu sehen.

Sie wurde unter Federführung der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Bonn zusammengestellt. Am Projekt beteiligt ist außerdem die evangelische Friedenskirchengemeinde in Bonn. Ihre Gemeindemitglieder Jochen Peter (61) und Reinhold Gerhard (70), die Teil der Arbeitsgruppe „Gegen rechts“ sind, wollen nun mit Passanten ins Gespräch kommen.

„Wir wählen Ausstellungsorte, wo zur Mittagszeit viele Menschen unterwegs sind und an der Ausstellung vorbeikommen“, erklärt Peter. Die Arbeitsgruppe möchte ein Statement gegen rechte Strömungen setzen, betont Gerhard. „Wir wollen auf versteckten Antisemitismus sowie Ausländerfeindlichkeit aufmerksam machen“, sagt der Bonner. Dabei gehe es um Aufklärungsarbeit, so Hidir Çelik, Leiter der EMFA. „Es gibt in der Bevölkerung viele Vorurteile gegenüber Juden“, beobachtet er. Man wolle daher besonders Menschen erreichen, die sich teilweise fremdenfeindlich verhalten und Vorurteile abbauen.

Mit den Menschen anderer Kulturen ins Gespräch kommen

In Tannenbusch etwa sei man durch die Ausstellung schon mit Muslimen ins Gespräch gekommen, berichtet Çelik. „Die Stimmung war positiv. Die Menschen haben sich hinter uns gestellt und gesagt, dass es solche Ausstellungen braucht.“ Einige seien verwundert gewesen und sagten in den Gesprächen, dass sie nichts gegen Juden hätten. Dennoch seien einige Fragen zu klären, so Çelik: „Gerade in der Trennung zwischen Glauben und Politik.“

Unter den Zitatgebern sind auch Coletta Manemann, Integrationsbeauftragte der Stadt, und Martin Finke, Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Realschule. „In unserer vielfältigen Gesellschaft müssen wir hart daran arbeiten, über Erinnerungskultur hinaus jeden Tag klarzustellen, dass Antisemitismus und Rassismus unsere Gesellschaft bedrohen“, sagt Manemann und Finke fordert: „Die Schule ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos. Sie kann und muss mit Bildung gegen Hass und Rassismus beitragen.“

Verteilung von Postkarten an den Ausstellungsorten

30.000 Postkarten wurden mit Porträts und Zitaten für die Ausstellung bedruckt. Sie werden an den Ausstellungsorten verteilt und im Anschluss an Bonner Schulen verschickt, sagt Çelik. Die Arbeitsgruppe „Gegen rechts“ der Friedenskirchengemeinde in Bonn zeigt die Ausstellung noch in Dottendorf und Kessenich: an diesem Freitag von 14 bis 17 Uhr auf dem Vorplatz von St. Quirin an der Quirinstraße und an diesem Samstag von 9 bis13 Uhr an der Ecke Hausdorff- und Pützstraße. Die Gemeinde lädt außerdem zum Gottesdienst „Wir gemeinsam gegen Hass und Antisemitismus“ am Sonntag, 15. August, ab 10 Uhr in der Friedenskirche, Franz-Bücheler-Straße 10, ein.

Es folgt noch eine Abschlussveranstaltung anlässlich der Interkulturellen Woche im Haus Migrapolis – am Sonntag, 19. September, von 12 bis 14 Uhr an der Brüdergasse 16-18.