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Bonner Köpfe: Warten auf die nächste Ausstellung

Bonner Köpfe : Warten auf die nächste Ausstellung

Die Kessenicherin Johanna Siegberg-Kinast ist seit 30 Jahren freischaffende Künstlerin. Solange es während der Pandemie keine oder nur eingeschränkte Ausstellungen gibt, zeigt sie ihre Werke im Garten.

Wer Johanna Siegberg-Kinast besucht, kann ihre Werke nicht übersehen. Im Vorgarten der Kessenicher Künstlerin und entlang der Hauswände stehen überall Tonfiguren, Männer und Frauen mit neugierigen oder auch kecken Blicken, die jeden Gast interessiert zu begutachten scheinen. Seit Beginn der Corona-Pandemie haben die charmanten Gestalten nach und nach die Grünflächen in Beschlag genommen und sie in eine Art Open-Air-Galerie verwandelt. „Ich wollte den Menschen, die hier entlang in Richtung Friedhof laufen, einfach ein paar freundliche Gesichter zeigen“, sagt Siegberg-Kinast und lächelt. „Die vielen positiven Rückmeldungen, die ich erhalten habe, zeigen mir, dass ich wohl einen Nerv getroffen habe.

Seit 30 Jahren ist Siegberg-Kinast freischaffende Künstlerin, ursprünglich mit einem Schwerpunkt auf Radierungen. „Ich bin quasi auf dem zweiten Bildungsweg zu dieser Berufung gekommen“, erzählt sie. „Mein Ziel war es, die Natur so festzuhalten, wie ich sie empfand. Also habe ich zuerst Kurse im Studio für Kunsterziehung an der Universität Bonn belegt und von 1985 bis 1990 Freie Grafik an der Fachhochschule Köln studiert. Da war ich schon in den 30ern. Davor war ich als Kinderkrankenschwester tätig, aber als mein Mann und ich selbst Nachwuchs hatten, bot mir die Kunst mehr Freiheiten und eine größere Flexibilität. Und irgendwann konnte ich mir auch nichts anderes mehr vorstellen.“

Acryl, Tusche und Aquarelle

Längst hat sich die gebürtige Mondorferin neue Techniken angeeignet und neue Medien erschlossen. Sie malt in Acryl, arbeitet mit Tusche, fertigt Aquarelle oder Radierungen auf der Innenseite von Tetra-Paks an. Letzteres gilt als kostengünstige Upcycling-Methode zum Kratzen und Ätzen auf Kupferplatten. „Mit Alltags-Materialien kann man faszinierende Dinge anstellen“, sagt Siegberg-Kinast. „So bin ich auch auf die Idee für meine Umwelt-Tiere gekommen.“ Dabei handelt es sich um Figuren aus Materialien, die normalerweise in den Müll wandern würden. „Mein Pechvogel besteht zum Beispiel aus Fahrradschläuchen, die wiederum aus Altöl hergestellt werden“, erklärt Siegberg-Kinast. „Und eine Forelle habe ich aus alten Verbänden und Plastik konstruiert. Ich verwende ganz bewusst Stoffe, an denen Tiere elendig zugrunde gehen, um auf die Schäden hinzuweisen, die wir der Natur und ihren Bewohnern täglich zufügen.“

Die Tonfiguren im Garten sind dagegen nicht mit derartigem Subtext aufgeladen. „Diese Technik habe ich vor fünf Jahren erlernt“, sagt Siegberg-Kinast. „Die Formen kommen meist intuitiv: Ich will dann vielleicht ein bestimmtes Gefühl zeigen, und dementsprechend gestalte ich die Gesichter der Figuren.“ Allerdings ist in diesem Bereich seit einiger Zeit nichts Neues dazugekommen. „Früher bin ich immer in das Studio für Kunsterziehung gegangen, denn dort gibt es einen Brennofen, den ich nutzen konnte“, sagt sie. „Mit dem ersten Lockdown war das aber nicht mehr möglich. Außerdem fehlt die Gemeinschaft, die dort herrschte.“

Als Künstlerin sichtbar bleiben

Andererseits habe sie die Ruhe sehr genossen, die vor allem in den ersten Monaten herrschte. „Schade war allerdings, dass die ganzen Ausstellungen abgesagt wurden, die für uns Künstler nicht nur eine Bestätigung unseres Schaffens, sondern zugleich eine der wichtigsten Einnahmequellen sind. Wenn man nichts zeigen kann, ist es eben sehr schwer, wahrgenommen zu werden. Ich habe meine Figuren auch deshalb in den Garten gestellt, um zumindest auf diese Art noch sichtbar zu sein.“

Immerhin besteht jetzt so langsam wieder Hoffnung, dass bald wieder Ausstellungen möglich sein werden. Vielleicht auch mit Siegberg-Kinast.