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Kältester Winter im Jahr 1963: Warum der Rhein selbst bei eisigen Temperaturen nicht mehr einfriert

Kältester Winter im Jahr 1963 : Warum der Rhein selbst bei eisigen Temperaturen nicht mehr einfriert

Der vergangene Winter war mit durchschnittlichen sechs Grad alles andere als frostig - er gilt als zweitwärmster Winter aller Zeiten. Damit der Rhein zufriert, so wie zum Beispiel in den 1960er Jahren, muss es deutlich kälter sein. Heute würde das aber selbst bei eisigen Temperaturen nicht passieren.

Der vergangene Winter in Nordrhein-Westfalen war der zweitmildeste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bei einer durchschnittlichen Temperatur von sechs Grad in den Wintermonaten von Dezember 2019 bis Februar 2020 war an eine Schneedecke auf den Landschaften oder gar Eis auf dem Rhein nicht zu denken. Besonders der Februar dieses Jahres war ungewöhnlich warm und nass.

Anders sah das noch bis vor rund 60 Jahren aus, als sich auf dem Rhein in kalten Wintermonaten durchaus ab und an eine Eisschicht bildete. So zum Beispiel im Winter 1962/1963, der mit einem Mittelwert von minus vier Grad in NRW als kältester Winter des vergangenen Jahrhunderts in die Geschichte einging. Auch im Jahr 1929 war es so kalt, dass sich eine dicke Eisschicht auf dem Rhein bildete und viele Menschen auf den Rhein gingen. Im Mittelwert war es in jenem Winter minus drei Grad kalt, wie Diplom-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn vom Deutschen Wetterdienst sagt. Der Februar 1929 erreichte sogar eine Durchschnittstemperatur von eisigen minus 6,7 Grad. Der Winter 1928/1929 gilt damit als zweitkältester Winter des vergangenen Jahrhunderts in NRW.

„Dass sowas nochmal passiert, ist eigentlich auszuschließen“, meint der Meteorolge zu den Wetterphänomenen dieser Zeit. Ein zugefrorener Rhein ist in Zeiten des Klimawandels fast undenkbar. Dafür würde es auch nicht ausreichen, wenn es mal für eine Woche richtig kalt werde, sagt der Wetterexperte. Da brauche man schon eine mehrere Wochen anhaltende Kälte mit Minusgraden. Hinzu komme, dass sich auch der Rhein selbst verändert habe. Das Wasser des Flusses sei heute durch die Abwärme der Industrie deutlich wärmer, sagt Kesseler-Lauterkorn. Und auch die Fließgeschwindigkeit habe sich durch Flussbegradigungen verändert und sei schneller geworden.

Auch Jan Böhme vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Duisburg bestätigt: „Mittlerweile ist das Wasser im Rhein schlichtweg zu warm.“ Die Wassertemperaturen hätten in den vergangenen zehn Jahren kaum noch die Zwei-Grad-Grenze unterschritten.