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„Selten Salon“ von Uni Bonn und Köln: Warum es Helikoptereltern und Tiger-Mamas gibt

„Selten Salon“ von Uni Bonn und Köln : Warum es Helikoptereltern und Tiger-Mamas gibt

Der Wirtschaftswissenschaftler Matthias Doepke sprach beim neuen "Selten Salon" über Bildung und Ungleichheiten in der Gesellschaft. Das Thema sprach so viele Menschen an, dass der Raum kurzfristig gewechselt werden musste.

Ein Vortrag mit dem Titel "Von Ungleichheit, Helikoptereltern und Tiger-Mamas" lockt die Leute an. So sehr, dass der Abend mit Professor Matthias Doepke am Montag vom Universitätsforum kurzfristig in den Universitätsclub verlegt werden musste. Die Veranstaltung war Auftakt der Reihe "Selten Salon", zu der das Excellenzcluster der Unis Köln und Bonn eingeladen hatte.

So erklärte der international renommierte Ökonom Doepke das Phänomen der Helikoptereltern, die sich dadurch definierten, "dass sie wie Helikopter über ihre Kinder kreisen und stets aufpassen, dass in deren Leben bloß nichts schief geht". Ziel des Vortrags sei es weniger zu überlegen, ob diese Erziehung richtig oder falsch ist, sondern vielmehr nach den Gründen für das Verhalten der Eltern zu suchen. "Es geht in erster Linie darum, dass Eltern ihre Kinder lieben und wollen, dass sie später ein gutes Leben haben. Wir überlegen uns, was verspricht Erfolg in der Welt, in der wir leben?", stellte Doepke fest.

Matthias Doepke ist ein international renommierter Wirtschaftswissenschaftler. Foto: Sebastian Flick

Erfolg sei heute wichtiger denn je

"Eltern möchten, dass es ihren Kindern später einmal gut geht, doch die Bedingungen, denen Eltern heute ausgesetzt sind, sind andere." Die Kluft zwischen gebildeten und weniger gebildeten Menschen, zwischen armen und reichen Familien sei über die Jahre deutlich größer geworden. "Der Trend zu höherer Ungleichheit führt zu mehr Druck bei der Erziehung der Kinder", so der Wirtschaftsexperte. Eltern wollten, dass ihre Kinder für die Schule hart arbeiten und gute Noten mit nach Hause bringen - in den USA, der Wahlheimat Doepkes, sähen das zwei Drittel aller Eltern so.

Anders ist das in Skandinavien: Nur elf Prozent finden es wichtig, dass ihre Kinder in der Schule zu den erfolgreichsten Schülern zählen. Wichtiger ist es den Menschen dort, dass ihre Kinder viel Freiheit bekommen. So werden sie in Schweden erst mit sieben Jahren eingeschult. In den USA ist die Zeit, die Eltern mit ihrem Kind verbringen in den vergangenen Jahrzehnten stark angestiegen. "Kindererziehung ist heute viel intensiver geworden", meinte Doepke.

Soziale Ungleichheit führt zu unterschiedlichen Erziehungsmethoden

Die soziale Ungleichheit und die wachsende Schere zwischen Arm und Reich habe jedoch zu sehr unterschiedlichen Erziehungsmethoden geführt, da weniger gebildete Eltern nicht in der Lage seien, dieselbe Erziehung zu bieten wie reiche Eltern. Kinder von Helikoptereltern sind im Schnitt wirtschaftlich erfolgreicher. "Auch wenn Helikoptereltern lediglich individuell für ihre Kinder das Beste wollen, kann es auf der Ebene der Gesellschaft Probleme geben", so Doepke. Das finge schon damit an, dass die ständige Begleitung der Kinder bei den Helikoptereltern zu Stress führen kann.

Die neue Reihe "Selten Salon" ist nach dem Reinhard Selten Institute (RSI) benannt, das der Förderung exzellenter Forschung im Bereich der Wirtschaftswissenschaften dient. Der Salon soll künftig einmal im Jahr stattfinden und sich an ein breites Publikum richten. Ebenfalls in Planung ist eine Projektreihe unter dem Titel "Selten Lecture" für ein wissenschaftliches Publikum.