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Mediator gibt Workshop in Beuel: Warum man bei Konflikten nicht rumeiern soll

Mediator gibt Workshop in Beuel : Warum man bei Konflikten nicht rumeiern soll

Wenn zwei sich streiten, weiß Mediator Michael Joswig, was zu tun ist. In einem Workshop zeigt er Wege auf, wie sich Konflikte lösen lassen. Doch es muss nicht immer zu einer Einigung kommen.

In einem Konflikt kommt es nicht nur darauf an, was man sagt, sondern auch, wie man sich dabei ausdrückt. In einem 90-minütigen Workshop lassen sich mit dem Beueler Mediator, Coach und Trainer Michael Joswig wesentliche Methoden einer Streitkultur erlernen. „Neben allen Ausbildungen ist es vor allem auch meine Lebenserfahrung, auf die ich in der Mediation zurückgreifen kann“, sagt der Erziehungswissenschaftler. Seit acht Jahren ist der heute 67-Jährige freiberuflich in der Streitschlichtung unterwegs. In Beuel ist er ehrenamtlich als Schiedsmann und Berater der Beueler Badminton-Akademie sowie für die Mobbing-Hotline NRW (☎ 02 11/83 79 11) tätig. Mehr als 30 Jahre war er bei der Telekom beschäftigt – als Programmierer und im Personal- und Qualitätsmanagement. Als Sicherheitsbeauftragter und Mitglied des Betriebsrats hat er unzählige Seminare abgehalten.

„Mediation ist ein schweres Feld“, sagt Joswig, der sich nicht erklären kann. Es könne es sehr hilfreich sein, unlösbare erscheinende Konflikte mit Nachbarn, in der Familie oder am Arbeitsplatz mit professioneller Hilfe, also einem Mediator, zu klären. Immer dann, wenn „Das innere Team“, wie der Workshop in der Beueler Arbeiterwohlfahrt überschrieben ist, nicht mehr so widerspruchslos funktioniert, wie es sollte. „Wer einmal nicht weiß, was zu tun ist, hat oftmals verschiedene Fürsprecher in sich“, so der Mediator. Wer dann anfange, manche davon nicht zu mögen, unterdrücke sie. Dann würden sie zwar für eine Weile verschwinden, aber meldeten sich immer wieder zurück. „Um damit kommunizieren zu können, muss ich sie akzeptieren“, sagt Joswig.

Für ihn ist der Weg zu einer inneren und äußeren Konfliktlösung klar vorgezeichnet. „Manchmal ist es einfacher für meine Klienten, mit mir zu sprechen als miteinander.“ Dabei bietet er keine Lösungen an, sondern lässt sie sein Gegenüber selber entwickeln. „Wenn ich Mediation mache, kann ich nicht versprechen, dass man sich einigt“, so der Coach, aber danach würden alle Beteiligten etwas klarer sehen.

Wenn man bei einer Mediation zu dem Ergebnis komme, sich trennen zu müssen, dann könne auch das ein klärendes und befreiendes Ergebnis sein. „Wir eiern eben viel zu oft herum und verschleppen die Dinge“, so Joswig.

Auch die Trainer des BC Beuel, für die Joswig tätig ist, wissen seine Hilfe zur gewaltfreien Kommunikation zu schätzen. Die Methode nach Marshall Rosenberg (siehe „Kommunikation in vier Schritten“) stellt eine andere Frage: Welches Bedürfnis versucht man sich mit seiner Vorgehensweise zu erfüllen? Die Strategien können uns jedoch trennen, da sie beispielsweise in einer bestimmten Situation, einer Kultur, einer Religion oder einem anderen Kontext entwickelt wurden. Ob die Gewaltfreie Kommunikation nur eine Technik oder mehr ist, soll in Joswigs Workshop geklärt werden. Darin wird die Methodik der Mediation mit den Teilnehmern in praktischen oder persönlichen Beispielen erlebbar gemacht. Wer dadurch fähig wird, die Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten seines Gegenübers wahrzunehmen, kann lernen, ein Nein zu akzeptieren oder ein respektvolles Streitgespräch zu führen.

„Das innere Team“, ein Workshop zur Mediation mit Michael Joswig, Dienstag, 15. September, 18 Uhr, Kosten fünf Euro, Anmeldung ☎ 02 28/47 16 87, Stadtteilzentrum der AWO Beuel, Neustraße 86.