Übergabe an Festausschuss Bonner Karneval Was seine 300 Karnevalsorden über Hans Riegel erzählen

Bonn · Die Kaiserschild-Stiftung hat dem Festausschuss Bonner Karneval die gesammelten Orden des verstorbenen Haribo-Chefs Hans Riegel überreicht. Sie sind jetzt im Haus des Karnevals zu sehen. Was die Orden über Riegel erzählen.

 Marco Alfter überreicht Marlies Stockhorst die gesammelten Orden von Hans Riegel.

Marco Alfter überreicht Marlies Stockhorst die gesammelten Orden von Hans Riegel.

Foto: Stefan Knopp

Für einen Karnevalsspaß war Hans Riegel immer zu haben. Einst überreichte man ihm eine Kette, auf deren Anhänger er als „Oberbürgermeister von Haribo City“ betitelt wird. Wer ihm die geschenkt hat, weiß Marco Alfter nicht mehr, vielleicht waren es Mitarbeiter des 2013 verstobenen Haribo-Chefs. „Damit hat man ihm immer eine Freude gemacht“, ist sich der Vorstandsvorsitzende der von Riegel gegründeten Kaiserschild-Stiftung sicher.

Die Kette hängt nun mit gut 300 anderen Karnevalsorden und -plaketten mit Bonn-Bezug im Haus des Karnevals: Die Kaiserschild-Stiftung, die der Wahl-Österreicher 2007 laut Alfter aus seinem Privatvermögen aufgebaut hat und die deshalb auch den privaten Nachlass verwaltet, überlässt die Orden dem Festausschuss Bonner Karneval. Riegel bewahrte sie in seinem Haus in Wachtberg-Pech auf, später lagerten sie im Hotel Jakobsberg in Boppard, das Riegel 1960 gekauft hatte. Dieses wird seit 2021 saniert und soll im kommenden Jahr wiedereröffnen. Dort fand man die Zeugnisse von Riegels karnevalistischer Umtriebigkeit. Alfter, auch Geschäftsführer der Dr. Hans-Riegel-Stiftung – aus dem Unternehmenskapital gegründet – nahm danach mit dem Festausschuss Kontakt auf, der dafür einen würdigen Platz finden möchte.

Der älteste Orden in der sehenswerten Sammlung stammt aus dem Jahr 1949 und stammt von der Haribo KG, die es längst nicht mehr gibt. Man findet persönliche Orden von Prinz und Bonna aus den 50er-Jahren und etliche von der Allgemeinen Karnevalsgesellschaft Prinzengarde, mit der sich der gebürtige Friesdorfer sehr verbunden fühlte. Amüsant: Auf einem AKP-Orden von 1963, sechs Jahre vor der viel diskutierten Eingemeindung, sieht man die Godesburg, die dem Bonner Löwen den Mund zuhält. Zwei Jahre nach der Gebietsreform kuschelt der Löwe auf dem Orden herzlich mit dem Burgturm.

„Die Orden erzählen auch immer Geschichten“, kommentierte Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst diese Nebeneinanderstellung. Daneben findet man immer wieder Orden vom Duisdorfer Turn- und Kraftsportverein – Stockhorst vermutete einen Zusammenhang zu den berüchtigten Herrensitzungen mit Toni Mai – sowie Orden von der Bonner Ehrengarde und den Bonner Stadtsoldaten. Letztere hatten Riegel einst zum Ehrenobristen ernannt und ihm dazu eine goldene Plakette geschenkt, auf der Tünnes und Schäl zu sehen sind – Gelassenheit und Schlitzohrigkeit, für Alfter passte das durchaus zum Stiftungsgründer.

Tollität war Riegel nie, aber beim Karneval lange Zeit mittendrin: Bei jeder größeren Karnevalssitzung sah man ihn, berichtet Alfter, und auch im Rosenmontagszug fuhr er öfters mit. Da hatte er auch einmal Thomas Gottschalk und einmal James Last mit auf dem Wagen, und als er 80 Jahre alt war, erinnert sich Alfter, fuhr er noch mit dem österreichischen Party-Musiker DJ Ötzi durch die Straßen, dem er vom Bonner Karneval vorgeschwärmt hatte. „Das war ein riesiger Wagen, der passte nachher nicht durch die Altstadt.“ Er erzählte auch von dem „Arsch mit Ohren“, den es früher zum Fastelovend als Fruchtgummi gab und der von den Gesellschaften sehr gerne gekauft und geworfen wurde – ein Zeugnis des jecken Humors von Hans Riegel.

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