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Kommentar zu Sparplänen: Weckruf aus der Kämmerei

Kommentar zu Sparplänen : Weckruf aus der Kämmerei

Städtisches Theater, Kunstmuseum und Beethoven Orchester kosten mit Abstand das meiste Geld. Nur hier kann der Rat wirksam die Kulturkosten senken, findet GA-Redakteur Andreas Baumann.

Ein Festivalauftakt mit Misstönen: Intendantin Nike Wagner hat sich zum Start des Beethovenfestes in dieser Woche bestimmt keine Debatte über künftige Zuschusskürzungen gewünscht. Aber wie das eben so ist mit Geldangelegenheiten – sie dulden selten Aufschub. Die Ratsfraktionen steigen genau jetzt in die Haushaltsberatungen für die nächsten Jahre ein.

Und dabei macht die Kämmerin Ernst. Schon vor Monaten hatte Margarete Heidler im GA-Interview erklärt, dass sie die Kulturausgaben für zu hoch hält. Damit liegt sie voll auf der Linie der Bezirksregierung Köln, die seit Jahren Einsparungen fordert – bisher ohne Erfolg. Heidler erhört deshalb weder die Bitten der freien Kulturszene um höhere Zuschüsse, noch erspart sie dem Beethovenfest den Versuch, den Zuschuss wieder auf die frühere Summe zu reduzieren.

Bonn will aber das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 nutzen, um sich als Heimatstadt des Komponisten zu profilieren. Dieses Projekt fördert der Bund mit sagenhaften 27 Millionen Euro, die nicht wie ein Feuerwerk verpuffen, sondern nachhaltig wirken sollen. Wenn die Stadt ausgerechnet beim Beethovenfest kürzt, dürften sich Bundesregierung und Bundestagshaushälter leicht verschaukelt fühlen. Und das, nachdem sich Bonn schon zweimal blamiert hat: mit einem Festspielhaus, das nie gebaut wurde, und mit einer Beethovenhalle, die bis 2020 nicht fertig saniert sein wird.

Bonn bleibt vorerst eine Stadt in Finanznot

Vielleicht ist Heidlers Haushaltsentwurf an diesem Punkt auch mehr als Weckruf an die Ratskoalition gemeint, dass es so nicht weitergehen kann. Die Fraktionen werden die Kulturkosten aber nicht nennenswert senken können, indem sie die freie Szene austrocknen lassen. Zwei Vergleiche: Alle freien Kulturmacher zusammen erhalten 2,5 Millionen Euro im Jahr, während es beim städtischen Theater rund 30 Millionen Euro sind. Und: Knapp 380 000 Euro würde es kosten, die Zuschüsse der Freien wie gewünscht zu erhöhen – das ist deutlich weniger, als die Tarifsteigerungen für das Personal von Oper und Schauspiel verschlingen, die alle zwei Jahre anfallen.

Es ist völlig klar: Städtisches Theater, Kunstmuseum und Beethoven Orchester kosten mit Abstand das meiste Geld. Nur hier kann der Rat wirksam die Kulturkosten senken. Natürlich gibt es gute Gründe, bei der kulturellen Vollversorgung zu bleiben, die Bonn als Standort attraktiv macht. Dann muss man aber auch sagen, welche anderen freiwilligen Leistungen gekürzt werden sollen, sobald die Konjunktur nicht mehr brummt und die Zinsen steigen. Denn Bonn bleibt vorerst eine Stadt in Finanznot unter der Fuchtel der Bezirksregierung.